+
Daniel Brühl als Baron Helmut Zemo in „The First Avenger: Civil War“.

Kinostart von „The First Avenger“

Brühl: "Muskelkraft interessiert mich nicht"

Berlin - Daniel Brühl spricht im Interview über seine Rolle als Bösewicht in „The First Avenger: Civil War“, Hollywood und seine Hausmanns-Qualität.

Heimlich, still und leise hat sich Daniel Brühl zum international erfolgreichsten deutschen Schauspieler entwickelt: Seit seinem Gewinn des Europäischen Filmpreises für „Good Bye, Lenin!“ drehte er unter anderem mit Judi Dench, Helen Mirren, Brad Pitt, Benedict Cumberbatch, Julie Delpy, Chris Hemsworth, Jane Fonda, Bradley Cooper, Kate Beckinsale, Philip Seymour Hoffman, Emma Thompson und Emma Watson. Zweimal (für „Salvador“ und „Eva“) war er als bester Hauptdarsteller für den spanischen Filmpreis Goya nominiert; für seine Verkörperung Niki Laudas im Formel-1-Drama „Rush“ bekam er sogar eine Golden-Globe-Nominierung. Nun hat er seinen bislang größten Coup gelandet: Im Superhelden-Spektakel „The First Avenger: Civil War“, das am Donnerstag in die Kinos kommt, spielt er den Bösewicht. Der 37-Jährige, der in Köln aufwuchs und fünf Sprachen fließend spricht, wirkt bei unserem Vier-Augen-Gespräch in Berlin noch immer so sympathisch und unprätentiös wie früher – und antwortet dabei meist im vertrauten rheinländischen Singsang.

Sind Sie mit Marvel-Comic-Helden wie Spider-Man oder Iron Man aufgewachsen?

Daniel Brühl: Nein. Als Kind war ich „Tim und Struppi“-Fan und habe Asterix und Gaston geliebt. Marvel-Comics waren nicht so meine Welt. Darum habe ich mir fast in die Hose gemacht, als meine US-Agentur mir sagte, Marvel-Filmproduzent Kevin Feige wolle mich treffen. Ich hatte panische Angst vor präzisen Fachfragen und meinte: „Gebt mir einen Monat zur Vorbereitung.“ Aber sie sagten: „Nein, du triffst ihn entweder morgen zum Frühstück in London oder gar nicht.“

Und? Wie lief das Gespräch?

Brühl: Ich habe Blut und Wasser geschwitzt und kam mir vor wie ein Volltrottel. Immer, wenn ich dachte, jetzt könnte etwas Kompliziertes kommen, habe ich versucht, schön abzulenken: „Vielleicht noch einen Cappuccino?“ Kevin Feige schien tatsächlich interessiert an mir. Aber aus Erfahrung weiß ich, wie das in der Regel läuft – sie lassen dich drei Wochen lang schmoren und teilen dir dann mit: „Wir fanden dich suuuper, haben uns aber leider für einen anderen Darsteller entschieden.“ Insofern war ich sehr überrascht, als ich drei Tage später die Zusage bekam.

Waren Sie von Anfang an für die Bösewicht-Rolle vorgesehen?

Brühl: Ja. Als die Anfrage kam, dachte ich zunächst: „Welche Superkräfte werde ich wohl haben? Was für einen Pyjama werde ich tragen?“ Ich war heilfroh, als ich erfuhr, dass ich einen fiesen, cleveren Strippenzieher spielen durfte. In Deutschland hätte man mir so eine Rolle wohl nicht angeboten: Hier sieht man mich immer noch als netten Schwiegersohn, der mit Vorliebe alten Leuten über die Straße hilft.

Welche Superkräfte hätten Sie denn gern im Alltag?

Brühl: Alles, was mit Muskelkraft zu tun hat, interessiert mich nicht besonders. Aber ich würde gern fliegen können. Mit einem Affenzahn über die Stadt düsen und dabei noch ein paar andere Dinge da oben erledigen – das wäre doch das Allercoolste!

Beim Film „Rush“ haben Sie ja schon einmal Hollywood-Luft geschnuppert...

Brühl: Ja, aber das waren völlig andere Dimensionen. Am „Rush“-Set hat sich Regisseur Ron Howard ständig dafür entschuldigt, dass wir so wenig Geld hatten. Dabei hätten wir für das Budget in Deutschland gleich mehrere Filme gedreht. Heute verstehe ich, was Ron meinte, denn bei „The First Avenger“ gab es viel, viel mehr Geld – und viel mehr Zeit. Am ersten Drehtag staunte ich wie ein Achtjähriger auf der Kirmes, denn alles war riesig: das Set, die Wohnwagen, die Zahl der Team-Mitglieder... Völlig irre! Lauter Leute, die überall rumwuseln und irgendwas vermessen – weiß der Geier, was die da gemacht haben!

Und mittendrin ein Haufen Hollywood-Stars.

Brühl: Ja, und die kennen sich natürlich alle gut und haben schon zig Filme miteinander gedreht – da steht man als Außenseiter schnell mal blöd in der Ecke rum. Aber ich wurde mit offenen Armen empfangen und respektvoll behandelt. Sowohl Chris Evans als auch Robert Downey Jr. haben mir große Komplimente für „Rush“ gemacht und mich gleich einbezogen: Ich durfte mit zu Basketballspielen oder zum Abendessen – und fühlte mich nicht wie der neue Kurti in der Klasse, mit dem niemand spielen will.

Sind Sie noch nervös, wenn Sie mit Megastars wie Robert Downey Jr. drehen?

Brühl: Vor unserer ersten gemeinsamen Szene war ich schon ein bisschen aufgeregt. Aber wir haben uns von Anfang an gut verstanden. Ich habe einen Witz gemacht, der mir hinterher fast ein bisschen peinlich war – das war eher so Kölner-Karneval-Niveau. Doch Robert hat sich scheckig gelacht: „Bruhl, You’re so funny!“

Hatten Sie Freiheiten bei der Gestaltung Ihrer Bösewicht-Rolle?

Brühl: Ja. Es war zum Beispiel meine Idee, diesen merkwürdigen Strippenzieher in jeder Szene mit einem anderen Akzent sprechen zu lassen. Es sollte so ein ambivalenter Typ sein, der ganz harmlos aussieht, aber schwer einzuordnen ist, ein bisschen wie ein Chamäleon. Die Marvel-Leute waren dankbar für meine Vorschläge – und sie sind offenbar froh, wenn jemand mehrere Sprachen spricht.

Haben Sie Ihr Sprachtalent schon zu Schulzeiten entdeckt?

Brühl: Ich hatte das Glück, dass ich zweisprachig aufgewachsen bin, mit Spanisch und Deutsch, und zudem von Cousins und Cousinen viel Französisch aufgeschnappt habe. Sprachen lagen mir schon immer; im Englisch- und Französisch-Leistungskurs hatte ich gute Noten. Aber in den Naturwissenschaften war ich ganz schlecht. Ich kann nichts, was logisches Denken voraussetzt, bin schon mit einem Dreisatz überfordert und in Bezug auf Technik oder Computer eine absolute Niete. Bügeln kann ich übrigens auch nicht. (Lacht.)

Das klingt ja fast wie eine Ausrede – nach dem Motto: „Schatz, ich hab’s probiert, aber ich kann einfach keine Klos putzen...“

Brühl: Och, im Kloputzen bin ich seit meinem Zivildienst sogar ziemlich gut. Und ich krieg’ schon auch ein T-Shirt gebügelt. Aber ein Hemd oder einen Anzug perfekt bügeln? Mit Umklappen und allem Pipapo? Nee, tut mir Leid, das ist bei mir hoffnungslos!

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

Darum geht’s im Film: Nach einem Einsatz mit hohen Kollateralschäden sollen die Avengers unter die Kontrolle der Vereinten Nationen gestellt werden. Eine Superhelden-Schar um Iron Man (Robert Downey Jr.) unterstützt diese Forderung, eine andere Gruppe um Captain America (Chris Evans) lehnt sie ab. Der mysteriöse Baron Zemo (Daniel Brühl), ein hinterlistiger Intrigant, schafft es, die beiden Truppen aufeinanderzuhetzen.

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Sully“: Ein wahrer Held

München - Clint Eastwoods „Sully“ dreht sich um die weniger bekannten Nachwehen des Flugdramas auf dem Hudson River.
„Sully“: Ein wahrer Held

„Underworld: Blood Wars“: Achtung Ballerqueen

München - Kate Beckinsale metzelt sich als Selene in der Fortsetzung der Underworld-Reihe wieder einmal den Weg frei.
„Underworld: Blood Wars“: Achtung Ballerqueen

„Das Morgan Projekt“: Papa kann’s besser

München - Luke Scott, der Sohn des berühmten Ridley Scott, durfte ein Androiden-Drama drehen. Spoiler: Es gibt nur Totgehaue und Verfolgungsjagden.
„Das Morgan Projekt“: Papa kann’s besser

„Die Hände meiner Mutter“: Versehrte Welt

München - In „Die Hände meiner Mutter“ nimmt sich Florian Eichinger feinfühlig des Themas Missbrauch durch Frauen an.
„Die Hände meiner Mutter“: Versehrte Welt

Kommentare