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Kinostart - "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis".

Lebenstragödie

„Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“: Natalie Portmanns Regiedebüt

München - Natalie Portman legt in „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“ ihr gelungenes Regiedebüt vor. 

Dieser Film ist gleich doppelt prominent. Einmal, weil die Schauspielerin Natalie Portman damit ihr Regiedebüt gibt. Zum anderen, weil das von Portman verfasste Drehbuch auf einem Roman des berühmten israelischen Schriftstellers Amos Oz basiert. Dieser trat erst vor Kurzem im Dokumentarfilm „Censored Voices“ auf, in dem es um die Verarbeitung des Sechs-Tage-Kriegs durch israelische Soldaten ging.

Israel ist auch diesmal Schauplatz und Thema. So wird der Staat im Laufe des Films gegründet. In exquisiten, fein auf die jeweilige Stimmung zugeschnittenen Bildern erzählt „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“ von der Kindheit des Schriftstellers Oz in Jerusalem kurz nach dem Holocaust und dem Zweiten Weltkrieg.

Vor dem Hintergrund ohnehin dramatischer Ereignisse entfaltet sich eine private Tragödie. Während der junge Amos (Amir Tessler) eine trotz der politischen Umbrüche halbwegs behütete Kindheit verlebt, vollzieht sich an seiner Mutter (Natalie Portman) eine schreckliche Wandlung. Aus einer Frau, die sich schon als junges Mädchen voller Inbrunst nach dem Leben in einer neuen Gesellschaft voller Menschlichkeit, Leidenschaft und Humanität sehnte, wird ein zerbrechliches, psychisch schwer krankes Geschöpf, das am beständigen Kriegszustand im Land, vor allem aber am unerfüllten, drögen Eheleben zerbricht.

Trotz der melancholischen Geschichte gelingt es Portman, dem Drama eine treibende, nicht in die Verzweiflung führende Kraft zu verleihen. Immer wieder tauchen Momente der Versöhnung auf, die sich zwischen Krieg, Terror und Depression schieben. Einige Szenen bieten sogar leise Komik und untergründig-scharfen Witz. Die Tristesse der Paarbeziehung wird ebenso beleuchtet wie der Druck, der in ganz gewöhnlichen Familien auf die Individuen ausgeübt wird – und einigen sensiblen Seelen die Luft abschnürt.

Wer will, kann „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“ als Tragödie der Frau betrachten. Doch lässt sich das Werk noch in vielen weiteren Spielarten lesen. Als Tragödie des ewig bedrohten Judentums, als Porträt einer historischen Epoche oder als metaphernreiche Biografie eines Schriftstellers.

„Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“

mit Gilad Kahana, Amos Oz,

Amir Tessler, Natalie Portman Regie: Natalie Portman

Laufzeit: 98 Minuten

Hervorragend

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie Amos Oz mögen.

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