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Kate Beckinsale spielt seit 2003 die Vampirin Selene in den „Underworld“-Filmen.

Zum Filmstart „Underworld: Blood Wars“

„Das ist eine verdammte Lüge!“ - Kate Beckinsale im Interview

Kate Beckinsale spricht im Interview über ihren Erfolg mit der „Underworld“-Reihe und ihren Widerstand gegen die britische Klatschpresse. Am Donnerstag kehrt sie mit ihrer erfolgreichsten Rolle, die der Vampirkriegerin Selene, ins Kino zurück.

Auf der Leinwand küsste sie unter anderem Ben Affleck (in „Pearl Harbor“), John Cusack (in „Weil es dich gibt“) und Leonardo DiCaprio (in „Aviator“). Ab Donnerstag ist Kate Beckinsale erneut in ihrer erfolgreichsten Rolle als Vampirkriegerin Selene im Kino zu sehen: in „Underworld: Blood Wars“, dem fünften Film der Horror-Action-Reihe. Das Auftreten der 43-Jährigen bei unserem Interview in Berlin könnte man entweder „cool und lässig“ oder „kühl und lustlos“ nennen. Immerhin taut die Kaugummi kauende Engländerin in ihrem Blümchenkleid bald ein wenig auf – und erfrischt mit unverblümten Antworten.

Sind Sie selbst eine ähnliche Nachteule wie die Vampirin Selene?

Ja, ich war schon immer ein totaler Nachtmensch. Als Schülerin kam ich jahrelang jeden Morgen zu spät zum Unterricht. Meine 17-jährige Tochter ist hingegen noch nie zu spät zur Schule gekommen. Ich frage mich ernsthaft, ob dieses Kind überhaupt von mir ist! (Lacht.)

Im Film fühlt sich Selene wie eine Außenseiterin. Geht es Ihnen auch manchmal so?

Ich denke, jeder vernünftige Mensch kennt dieses Gefühl nur  zu  gut.  Ich jedenfalls habe mich praktisch während meiner gesamten Teenie-Zeit als Außenseiterin gefühlt.

Inwieweit haben sich Horrorfilme durch die Computertechnologie seit dem ersten „Underworld“-Abenteuer von 2003 verändert?

Mit neuen Technologien habe ich überhaupt nichts am Hut. Ich habe erst seit Kurzem ein Smartphone. Als Plattenfan hätte ich nie gedacht, dass sich die CD eines Tages durchsetzen würde. Und mich schockiert schon die bloße Vorstellung, dass unser fünfter „Underworld“-Film jetzt in 3D ist.

Ist die Arbeit am Set heute nicht ganz anders als vor 13 Jahren?

Nein. Das Ethos der „Underworld“-Serie war es stets, möglichst viel real zu drehen und Computereffekte nur als Gewürz einzusetzen. Ich habe  nie  vor  einer grünen Leinwand  agiert, sondern immer mit echten Typen in Werwolf-Kostümen gekämpft. Und das Kernteam ist dasselbe wie 2003 – etwa Stunt-Koordinator Brad Martin,  der  mir  meine allerersten Trainingserfahrungen bescherte. Damals sagte er entsetzt zu mir: „Du kannst ja nicht mal richtig rennen!“ Ich war ein schwieriger Fall. Bis heute kann ich zum Beispiel noch keinen Ball fangen. Gottlob gibt es keine Bälle in „Underworld“!

Erstaunlich, dass aus Ihnen eine berühmte Actionheldin wurde.

Ja, ein großer Witz, eine Ironie des Schicksals! Mit dem ersten „Underworld“-Film wollte  ich  bloß einmal testen, ob ich so etwas auch kann – es schien mir völlig fremd und fern von mir selbst. Irrsinnig,   dass   das  so erfolgreich war und dass man mich immer mehr damit assoziiert hat, obwohl das eigentlich überhaupt nicht mein Ding ist.

Ist die Jane-Austen-Verfilmung „Love & Friendship“, mit der Sie am 29. Dezember in die deutschen Kinos kommen, eher Ihr Ding?

Ja, bei so einem Film fühle ich mich wesentlich wohler – das entspricht viel mehr dem, was ich unter Schauspielerei verstehe. „Love & Friendship“ war nur insofern hart, als wir wegen des geringen Budgets nur 26 Drehtage hatten, in denen wir riesige Mengen an Dialogen bewältigen mussten. Es fühlte sich so an, als würden wir „König Lear“ in Rekordgeschwindigkeit spielen.

Wie sieht es mit Ihren Regie-Ambitionen aus?

Schlecht. Als Schauspielerin ärgere ich mich zwar oft, weil ich so wenig Einfluss auf den fertigen Film habe. Aber mein Stiefvater war Regisseur, und seine Arbeit sah aus meiner kindlichen Perspektive wie ein ziemlich elender Albtraum aus.

Was ist für Sie das Frustrierendste an der Schauspielerei?

Interviews geben zu müssen. Nichts für ungut, aber daran denkt man einfach nicht, wenn man diesen Beruf ergreift.

Was ist mit den Schattenseiten des Ruhms? Können Sie sich in der Öffentlichkeit frei bewegen, ohne von Möchtegern-Paparazzi mit Smartphones verfolgt zu werden?

Fans,  die auf mich zukommen und ein Foto wollen, sind  meistens sehr respektvoll und nett. Unerträglich sind nur die echten Paparazzi, die hinter deiner Mülltonne lauern. In Zeiten des Internets ist das offenbar ein lukratives Geschäftsmodell: ein möglichst schmutziges Foto, eine reißerische Überschrift und darunter eine völlig substanzlose, erfundene Geschichte. Eine Schande für unsere Kultur!

Sie haben die englische Regenbogenpresse mehrmals erfolgreich verklagt...

Ja, vor allem, um meine Tochter zu schützen. Für ein Kind kann es sehr verstörend sein, wenn es in der Zeitung Dinge liest, die erstunken und erlogen sind. Es fragt sich: „Hat meine Mama wirklich Sex mit Ben Affleck?“ Da muss man in die Offensive gehen und ganz klar sagen: „Nein, das ist eine verdammte Lüge!“

Das Gespräch führte Marco Schmidt

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