Leichte Kost

Antonio, das ist nichts Neues

„Antonio, ihm schmeckt’s nicht“ erzählt Jan Weiler´s Roman und ist eine andere Art der Fortsetzung von "Maria, ihm schmeckt´s nicht". Amüsant, aber irgendwie nicht neu.

Dass der Film mit Paloma Faiths Hymne „New York“ beginnt, sagt eigentlich alles. Dazu ein stimmungsvoller Kameraflug über die Skyline des Big Apple, hübsch anzuschauen. Aber gleichzeitig so abgedroschen wie ein amerikanisches Maisfeld. Klar, dass es nicht lange dauert, ehe auch Sinatras Loblied auf die Stadt, die niemals schläft, angestimmt wird. Der Auftakt passt zum Rest des Films: ganz nett, ganz amüsant – aber irgendwie wird man das Gefühl nicht los, das alles schon mal gesehen zu haben.

Film greift nur auf Figuren des Buchs zurück, nicht auf die Story

Regisseur Sven Unterwaldt („7 Zwerge – Männer allein im Wald“) setzt bei der Romanverfilmung von Jan Weilers Bestseller „Antonio im Wunderland“ auf Altbewährtes. Wobei Romanverfilmung nicht ganz stimmt – denn wie der Titel andeutet, orientiert sich Unterwaldt nur den Figuren nach an Weilers Vorlage. Die Geschichte aber wurde fröhlich verändert.

Es ist eine Weiterführung des Vorgängers „Maria, ihm schmeckt’s nicht“. Der mittlerweile in den Ruhestand entlassene Antonio (Alessandro Bressanello) drängt sich in die Flitterwochen von Tochter Sara (Mina Tander) und Schwiegersohn Jan (Christian Ulmen). Das Ziel: New York. Die Zwischenvorkommnisse im Reiseplan: zahllos.

Wer zahlt das eigentlich alles?

Da sitzen der genervte Schwiegersohn und sein aus gewissem Abstand betrachtet liebenswert schlitzohriger Schwiegervater dann plötzlich gemeinsam in der Honeymoon-Suite des Carlton-Hotels. Ganz nebenbei: Wer zahlt eigentlich den ganzen Spaß? Wie in amerikanischen Komödien, die unverkennbar Pate standen, scheint auch hier die Geldquelle niemals auszutrocknen. Da wird erst ein USA-Flug spontan nicht angetreten, um dann ein paar Stunden später flugs ein neues Ticket zu ordern. Da wird fürstlich im Sternehotel residiert und werden für knapp 5000 Euro Neugeborenenkleidung und -Accessoires gekauft.

Wie man das eben so macht als junges Ehepaar, das daheim die Ikea-Möbel selbst aufbaut und das Arbeits- ins Kinderzimmer umwandeln muss. Diese Widersprüchlichkeit ließe man sich noch gefallen, weil Kino ja auch immer ein bisschen Märchen ist. Was wirklich nervt, sind die Geschlechterklischees, die abgearbeitet werden; und der gewollte Running Gag, dass Schwiegervater und -sohn für ein frischverheiratetes schwules Paar gehalten werden (haha!). Sätze von Tochter Sara wie „Ich hab’ mir ja immer gewünscht, dass ihr Euch näher kommt – aber so nah?“ entlocken kaum mehr als ein müdes Lächeln.

Leider stand Lino Banfi als Antonio für den zweiten Teil nicht mehr zur Verfügung. Bressanello tut sein Bestes, seinem Vorgänger zu entsprechen. Ulmen gibt wie immer den treudoofen Schluffi und Mina Tander die von Vater und Ehemann enttäuschte, temperamentvolle Südländerin. Zur Krönung gibt’s noch eine Hausgeburt wie aus dem Bilderbuch, damit der Kitsch perfekt ist. Wer wahrlich leichte Kost mit zuckrigem Dessert genießen möchte, ist hier richtig. Allen Freunden ausgefallenerer Cuisine mit überraschender Note aber wird’s nicht schmecken.

„Antonio, ihm schmeckt’s nicht“

mit Christian Ulmen, Mina Tander Regie: Sven Unterwaldt

Laufzeit: 95 Minuten

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ mochten.

Rubriklistenbild: © Twentieth Century Fox/dpa

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