Atemberaubend umgesetzt

„Arrival“: Gekommen, um unsere Augen zu öffnen 

Wer einen klassischen Sci-Fi-Actionthriller erwartet, ist hier im falschen Film - es ist mehr als das. Es ist eine raffinierte Geschichte mit einer Kaffeeflecken-Sprache. 

Zwölf mysteriöse Raumschiffe landen gleichzeitig an verschiedenen Orten der Erde. Um herauszufinden, ob sie in friedlicher oder feindlicher Absicht gekommen sind, soll ein Team von Wissenschaftlern um die Linguistin Louise Banks (Amy Adams) und den Mathematiker Ian Donnelly (Jeremy Renner) Kontakt mit den Außerirdischen aufnehmen. Beharrlich versucht Dr. Banks, deren Sprache zu entschlüsseln, bevor militärische Hitzköpfe einen Krieg vom Zaun brechen können. 

Feinkost-Futter für Herz und Hirn

Atemberaubendes, außergewöhnliches Feinkost-Futter für Herz und Hirn bietet Meisterregisseur Denis Villeneuve („Sicario“) mit seiner Adaption der preisgekrönten, brillant konstruierten Kurzgeschichte „Story of Your Life“ von Ted Chiang. Eigens für den Film wurde eine ebenso kluge wie originelle Alien-Sprache entwickelt, die – kein Witz – an Kaffeeflecken erinnert. Schon die ersten drei Minuten packen den Zuschauer an der Gurgel und ziehen ihn mitten hinein ins Geschehen. Das wird in düsteren, toll komponierten Cinemascope-Aufnahmen geschildert, meist aus Sicht der mutigen Linguistin Banks, in deren fesselnder Mimik man alles ablesen kann – von tiefer Trauer über kindliche Neugierde bis zu fassungslosem Staunen. 

Mit dieser leisen, intensiven Darstellung steuert die fabelhafte Amy Adams auf ihre sechste Oscar-Nominierung zu. Wer indes klassische Sci-Fi-Action erwartet, ist im falschen Film: Diese langsame linguistische Odyssee ist eher eine intellektuelle Gedankenspielerei, eine Verfilmung der Sapir-Whorf-Hypothese, die besagt: Die Sprache, die du sprichst, bestimmt die Art, wie du denkst und die Welt wahrnimmst. Klingt schräg? Ist es auch. Aber wer sich darauf einlässt, wird reich belohnt – etwa mit einer ganz neuen Wahrnehmung der Welt. Und im furiosen Finale, wenn man plötzlich begreift, was für eine raffinierte Geschichte hier eigentlich erzählt wird, lauert noch ein emotionaler Hammer. So wirkt „Arrival“ wie ein Besucher aus einer anderen Dimension: gekommen, um unsere Augen zu öffnen, unser Hirn zu stimulieren und unser Herz zu ergreifen.

„Arrival“

Darsteller: Amy Adams

Regie: Denis Villeneuve

Laufzeit: 116 Minuten

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Inception“ mochten.

Marco Schmidt

Rubriklistenbild: © AFP

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