Hatte den Lebensmut verloren: Isabelle Reed (Isabelle Huppert), die nur vermeintlich bei einem Unfall starb. Foto: mfa/ dpa
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Hatte den Lebensmut verloren: Isabelle Reed (Isabelle Huppert), die nur vermeintlich bei einem Unfall starb.

Film mit Jesse Eisenberg

(Zu) kompliziertes Emotions-Dickicht: "Louder than Bombs"

Berlin - Regisseur Joachim Trier überfordert den Zuschauer in „Louder than Bombs“ mit zu komplexen Verstrickungen zwischen den Figuren.

Drei Jahre ist der Tod seiner Frau (Isabelle Huppert), einer Kriegsreporterin, mittlerweile her. Gene Reed (Gabriel Byrne) hat sich noch immer nicht davon erholt, das Verhältnis zu seinem pubertierenden Sohn Conrad (Devin Druid) hat sich spürbar verschlechtert. Nicht nur, weil sich der Vater inzwischen in eine Liaison mit Conrads Lehrerin (Amy Ryan) stürzte. Der ältere Bruder Jonah (Jesse Eisenberg) soll es nun richten und den maulfaulen Conrad weg vom Computerspiel und zurück an den väterlichen Esstisch bringen.

Das alles hat der norwegische Regisseur Joachim Trier in seinem Spielfilm „Louder than Bombs“ kunstvoll ineinander verschachtelt. Dazu noch eine frühere Affäre der Toten sowie die Tatsache, dass es sich beim Ableben der Mutter keineswegs um einen Unfall, sondern sehr klar um Selbstmord einer lange Zeit Depressiven handelte. Die komplexen Verstrickungen sämtlicher Figuren, die ständigen Rückblenden in verschiedene Lebensphasen, die sich dann wieder mit Fantasien und Wunschträumen abwechseln, all das überfordert den Zuschauer recht schnell. Mögen sich die durchweg exzellenten Darsteller auch noch so um Ausgewogenheit und Glaubwürdigkeit bemühen – aus diesem extrem konstruierten emotionalen Dickicht taucht irgendwann niemand mehr auf.

In seinem sehr berührenden Film „Oslo, 31. August“ suchte Trier 24 Stunden lang mit einem frisch aus der Entzugsklinik Entlassenen nach einem Grund zum Weiterleben. Eine ähnlich beklemmende Melancholie und Intensität erreicht seine erste internationale Produktion „Louder than Bombs“ leider nur sehr selten.

„Louder than Bombs“

mit Gabriel Byrne

Regie: Joachim Trier

Laufzeit: 109 Minuten

Urteil: Annehmbar

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Oslo, 31. August“ mochten.

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