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Ein Dackel als Therapeut – nicht nur für Arzthelferin Dawn (Greta Gerwig).

Kino-Start

Kritik zu "Wiener Dog": Auf den Hund gekommen

München - Mit „Wiener Dog“ gelingt dem Regisseur Todd Solondz eine schräge, melancholische und sehr lustige Abrechnung mit unserer Gegenwart. Eine Kritik zum Kino-Start.

Einer der ersten Spielfilme des US-Regisseurs Todd Solondz hieß „Willkommen im Tollhaus“ (1995), und der Titel war Programm. Seine aktuelle Arbeit knüpft nahtlos daran an: Auch in „Wiener Dog“ geht es um die tiefen Abgründe, die hinter den alltäglich erscheinenden Fassaden lauern.

Hauptfigur des Films ist der titelgebende Dackel, der von einem Herrchen oder Frauchen zum nächsten läuft und dabei mit seinen verständnisvollen braunen Augen deren finsterste Seiten erkennt. Vor diesem kleinen Hund benimmt sich jeder Mensch viel unverstellter, und auf seltsame Weise öffnet die niedliche Dackeldame sämtliche Herzen und entlarvt sorgsam Gehütetes.

Ein Hund verändert die Menschen

Ein kränkelnder kleiner Bub, eine unzufriedene Arzthelferin, ein heruntergewirtschafteter Drehbuchdozent und eine vom Leben enttäuschte Großmutter – sie alle sind einsam, auch wenn sie es nicht wahrhaben wollen. Und sie alle werden von dem Hund auf ganz unterschiedliche Weise verändert.

Das klingt sehr simpel und nahe an der Grenze zum gepflegten Kitsch. Doch das sind Todd Solondz’ Filme noch nie gewesen. Auch „Wiener Dog“ ist kein sentimentaler Reigen, sondern eine schräge, oft traurige und böse, immer sehr melancholische und trotzdem manchmal auch sehr lustige Abrechnung mit unserer Gegenwart, ihren Segnungen und Zumutungen.

Visuell ist die Produktion zudem in jeder Sekunde bestechend, schließlich hat Solondz den Kameravirtuosen Ed Lachman gewinnen können. Dieser hat schon so manchen Film veredelt, darunter viele von Todd Haynes („Carol“) und Ulrich Seidl („Import Export“). Mit beiden gemeinsam hat Solondz die Demaskierung jeglicher bürgerlichen Scheinheiligkeit – auch wenn „Wiener Dog“ im Vergleich zu provokanten Produktionen wie „Happiness“ fast schon zahm erscheint.

„Wiener Dog“

mit Greta Gerwig, Julie Delpy, Ellen Burstyn, Danny DeVito Regie: Todd Solondz Laufzeit: 88 Minuten

Hervorragend +++++

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Happiness“ mochten.

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