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Regisseur Roland Emmerich.

Interview zur "Independence Day"-Fortsetzung

Das sagt Roland Emmerich über Trump, den Alien

München - Regisseur Roland Emmerich spricht im Interview über die Fortsetzung von "Independence Day", Homosexuelle auf der Kinoleinwand, Thomas Mann und den US-Präsidentschaftswahlkampf.

Mit Kinohits wie „Godzilla“, „The Day After Tomorrow“ oder „2012“ hat sich der gebürtige Schwabe Roland Emmerich in Hollywood als Spezialist für Katastrophenfilme etabliert. Nun präsentiert er mit „Independence Day: Wiederkehr“, der am 14. Juli in die Kinos kommt, die Fortsetzung seines bisher größten Erfolges. In Berlin sprach der Münchner Merkur mit dem unprätentiösen 60-jährigen Regisseur.

Sie haben immer betont, dass Sie keine Fortsetzungsfilme mögen. Was hat Sie 20 Jahre nach „Independence Day“ umgestimmt? 

Roland Emmerich: Die neuen technischen Möglichkeiten. Bei „2012“ habe ich erstmals mit einer digitalen Kamera gedreht – und war begeistert vom Ergebnis. Ich hatte ein bestimmtes Bild im Kopf: Eine riesige Flutwelle überrollt den Himalaja. Dank der digitalen Technik konnte ich dieses surreale Bild umsetzen. Heute ist wirklich alles möglich. Und „Independence Day: Wiederkehr“ ist keine klassische Fortsetzung, sondern eine Weiterentwicklung. Die ältere Generation übergibt den Staffelstab an die jüngere.

War es nicht romantischer, als Sie mit echten Modellen gedreht haben

Emmerich: Das schon, aber es war auch frustrierend, weil manche Sachen einfach nicht echt genug aussahen. Rückblickend fühlt sich das an wie die Steinzeit. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie man das hinbekommen hat. Mit der heutigen Technik macht es mir noch mehr Spaß, weil ich alles unter Kontrolle habe – und weil meiner Fantasie nun keine Grenzen mehr gesetzt sind.

Ihr Vater hat mit Motorsägen und Zweitaktmotoren ein Unternehmen aufgebaut. Wie technikaffin sind Sie selbst? 

Emmerich: Ich verstehe überhaupt nichts von Technik. Aber ich bin sehr smart. Bei Computern muss man ja nichts kapieren – man muss nur wissen, was man will. Die Firmen für die visuellen Effekte in meinen Filmen besetze ich wie die Schauspieler. Ich informiere mich vorher genau, wer sich worauf spezialisiert hat.

Wie groß ist der Druck, immer noch spektakulärere Effekte zu bieten? 

Emmerich: Für mich ist das kein Druck, mir macht das Spaß. Ich fühle mich da völlig frei, begeistere mich gern für neue Ideen und bin noch immer so verspielt wie früher.

Was haben Sie in Ihrer Kindheit am liebsten gespielt? 

Emmerich: Als Kind habe gar nichts gespielt, sondern Bücher gelesen. Ich war ein totaler Bücherwurm. Meine Mutter hat oft gesagt: „Leg das Buch weg, geh raus und spiel mit den anderen!“ Ich habe mich aber nicht für Fußball interessiert, sondern für Literatur.

Würde Sie zur Abwechslung mal eine Literaturverfilmung reizen? 

Emmerich: Nein, so etwas mache ich nicht. Ich finde, Bücher sollte man lesen!

Ihr Lieblingsautor? 

Emmerich: Ich bin ein großer Fan von Thomas Mann. Ihm habe ich mich schon als Jugendlicher sehr verbunden gefühlt. Ich habe immer gespürt, dass er homosexuelle Neigungen hatte – und dass er sie, wie so viele Künstler, kompensieren musste.

Sie selbst bekennen sich seit einigen Jahren zu Ihrer Homosexualität. Können Sie sich vorstellen, einen Schwulen zum Helden eines Action-Blockbusters zu machen? 

Emmerich: Sicher, warum nicht? Immerhin habe ich es schon geschafft, in „Independence Day: Wiederkehr“ ein schwules Pärchen einzuschmuggeln. Ich war überrascht, dass ich problemlos damit durchkam – ich hatte mit entsprechenden Kommentaren seitens der Studiobosse gerechnet: „Roland, müssen die beiden wirklich schwul sein?“ Das ist aber nicht passiert. Ich glaube, die hatten alle Angst, weil sie wissen, dass ich unverblümt in der Öffentlichkeit darüber reden würde.

Der US-Präsident in Ihrem Film ist eine Frau. Ja, eine schöne Utopie, oder? 

Emmerich: In „2012“ habe ich einen afroamerikanischen Präsidenten auf die Leinwand gebracht – und damals war Barack Obama noch nicht im Amt. Diesmal wollte ich unbedingt eine Frau. Schauen wir mal, ob das demnächst Realität wird.

Es könnte aber auch eine Art Alien der nächste US-Präsident werden. Donald Trump? 

Emmerich: Ja, wer weiß, vielleicht steckt unter seinem blonden Haarschopf tatsächlich ein Außerirdischer – das würde so manches seltsame Verhalten erklären. Ich werde alles dafür tun, um zu verhindern, dass Trump ins Weiße Haus einzieht, denn das wäre wirklich eine Katastrophe für Amerika. Schlimmer als jedes Erdbeben.

Würden Sie dann auswandern? 

Emmerich: Nein, Amerika ist mittlerweile mein Land, und ich lasse mir mein Land nicht so gerne wegnehmen. Ich habe einen amerikanischen Pass und fühle mich in den USA sehr wohl.

Und was tun Sie, wenn Sie die Sehnsucht nach Deutschland überkommt? 

Emmerich: Dann lese ich Thomas Mann!

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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