+
Eines der schönsten weil traurigsten Liebespaare der Kinosaison: Bobby (Jesse Eisenberg) und Vonnie (Kristen Stewart).

Unser Film der Woche 

Kinostart von „Café Society“: Abrechnung mit Hollywood

München - Sehenswertes von Altmeister Woody Allen: „Café Society“, der zu alter Tiefenschärfe zurück findet. Eine bittersüße, melancholische Abrechnung.

Egal ob sie in der Gegenwart angesiedelt sind oder in der Vergangenheit – Woody Allens Filme spielen genau genommen immer in einer, seiner ganz eigenen Welt. An Orten, die Allen liebt. Mit Darstellern besetzt, die oft zu seinem langjährigen Ensemble zählen.

Auch in „Café Society“ hat der Altmeister an diesem Konzept nichts geändert. Neu ist allenfalls die Tatsache, dass „Café Society“ in Hollywood spielt – an einem Ort, dem Allen bekanntermaßen in tiefer Abneigung verbunden ist. Wie zuletzt in „Magic in the Moonlight“ entführt er das Publikum in frühere Zeiten, diesmal ins ewig sonnige Kalifornien der Dreißigerjahre.

Der junge New Yorker Bobby (Jesse Eisenberg) landet in Los Angeles, in der Villa seines Onkels Phil (Steve Carell). Der ist ein berühmter Filmproduzent und soll dem Neffen, der Drehbuchautor werden will, ein wenig unter die Arme greifen. Der schwärmerisch veranlagte Bobby verknallt sich Hals über Kopf in Phils Sekretärin Vonnie (Kristen Stewart). Doch die ist unglücklicherweise schon mit seinem vermögenden Onkel liiert...

Im Gegensatz zu dem kitschig-verquasten „Magic in the Moonlight“ und seinem ebenfalls arg schlichten „Irrational Man“ findet Allen mit „Café Society“ zwar wieder zu alter Tiefenschärfe zurück, was die Figurenzeichnung angeht. Den zuckerwatteleichten, bezaubernden Charme, den eine Arbeit wie „Midnight in Paris“ besaß, erreicht Allen allerdings nicht. Seine bittersüße, melancholische Abrechnung mit dem alten und dem neuen Hollywood ist über weite Strecken zu handlungsarm und sentimental, um ernsthaft zu interessieren. Die große Zeit der Hollywood-Studios will Allen heraufbeschwören – doch die sinnliche Üppigkeit jener Ära, die Frechheit, Frivolität und der Sexappeal mögen ihm nicht recht gelingen.

Trotzdem ist selbst dieser Woody-Allen-Film sehenswert – was in erster Linie an den großartigen Schauspielern liegt. Allen voran ist natürlich Jesse Eisenberg als Alter Ego Allens zu nennen, der eine deutlich gehaltvollere Rolle spielen darf als noch in „To Rome with Love“ (2012). Aber auch Kristen Stewart dürfte sich mit dieser komplexen Figur endlich von ihrer „Twilight“-Bella ein für alle Mal freigespielt haben. Mit Jesse Eisenberg, an dessen Seite sie kürzlich erst in „American Ultra“ zu sehen war, bildet Stewart hier eines der schönsten weil traurigsten Liebespaare der Kinosaison.

„Café Society“

mit Jesse Eisenberg, Kristen Stewart

Regie: Woody Allen

Laufzeit: 96 Minuten

Sehenswert

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie Woody Allens Liebesfilme mögen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Ich bin und bleibe ein Träumer“

Lambert Wilson spielt den Forscher Jacques-Yves Cousteau – und erkennt viele Parallelen zu seinem eigenen Leben. Wir trafen ihn zum Interview.
„Ich bin und bleibe ein Träumer“

„Sully“: Ein wahrer Held

München - Clint Eastwoods „Sully“ dreht sich um die weniger bekannten Nachwehen des Flugdramas auf dem Hudson River.
„Sully“: Ein wahrer Held

„Underworld: Blood Wars“: Achtung Ballerqueen

München - Kate Beckinsale metzelt sich als Selene in der Fortsetzung der Underworld-Reihe wieder einmal den Weg frei.
„Underworld: Blood Wars“: Achtung Ballerqueen

„Das Morgan Projekt“: Papa kann’s besser

München - Luke Scott, der Sohn des berühmten Ridley Scott, durfte ein Androiden-Drama drehen. Spoiler: Es gibt nur Totgehaue und Verfolgungsjagden.
„Das Morgan Projekt“: Papa kann’s besser

Kommentare