Spannung vor Oscar-Nominierungen - Gute Chancen für Julie Christie

New York/Los Angeles - Das Schicksal der Oscar-Verleihung am 24. Februar steht nach wie vor in den Sternen. Der inzwischen fast zwölf Wochen dauernde Streik der Hollywood-Autoren geht trotz eines zwischenzeitlichen Hoffnungsschimmers vorerst unverändert weiter - und die von Millionen Zuschauern geliebte TV-Gala zur Vergabe des weltweit wichtigsten Filmpreises könnte ihm zum Opfer fallen.

Doch erst einmal wartet die Traumfabrik gespannt auf diesen Dienstag, wenn die ehrwürdige Oscar-Akademie in Los Angeles die Nominierungen für ihre 80. Preisverleihung bekanntgibt.

Geht es nach den US-Filmkritikern, haben die britischen Schauspieler Julie Christie (66) und Daniel Day-Lewis (50) ihre goldene Trophäe bereits in der Tasche. Die beiden Charakterdarsteller werden in allen Expertenbefragungen unisono als die Top-Favoriten in der Kategorie Beste Schauspieler gehandelt. Schon bei den Golden Globes am 13. Januar waren sie mit diesem Ehrentitel gekürt worden, auch bei den Baftas, der britischen Antwort auf die Oscars, stehen sie auf der Nominierungsliste.

Julie Christie überzeugt im kanadischen Ehedrama "An ihrer Seite" in der herzzerreißenden Rolle einer Alzheimer-Patientin, deren Ehe an der Krankheit zu zerbrechen droht. Für die Britin wäre es 42 Jahre nach ihrer Oscar-Prämierung für "Darling" die zweite Anerkennung als Ausnahmeschauspielerin. Allerdings gibt es harte Konkurrenz: Auch Marion Cotillard ("La Vie en Rose"), Angelina Jolie ("A Mighty Heart"), Jodie Foster ("The Brave One"), Ellen Page ("Juno") und einige mehr haben Chancen.

Bei den Männern ist das Feld übersichtlicher. Neben Daniel Day- Lewis' herausragender Darstellung eines unerbittlichen Öl-Tycoons in dem historischen Drama "There Will Be Blood" besticht vor allem George Clooney in "Michael Clayton" als Mann fürs Grobe in einer Anwaltskanzlei. Auch Johnny Depp als mordender Barbier in "Sweeney Todd" und Emile Hirsch im Überlebensdrama "Into the Wild" werden für die Abschlussliste gehandelt. Als heiße Anwärter auf einen Oscar für Nebenrollen gelten Cate Blanchett für den Bob-Dylan-Film "I'm Not There", Javier Bardem in "No Country for Old Men" und Philip Seymour Hoffman in der Politsatire "Der Krieg des Charlie Wilson".

Insgesamt haben rund 6000 Juroren in einem höchst komplizierten Nominierungsverfahren jeweils fünf Vorschläge für die zwei Dutzend Oscar-Kategorien ausgewählt. Anders als in den Vorjahren, als die Kritiker über einen Mangel an guten Filmen klagten, sind dieses Jahr eine ganze Reihe von hochkarätigen Streifen auf dem Markt.

Dass in der Top-Kategorie Bester Film der Golde-Globe-Gewinner "Abbitte" auch bei den Oscars absahnt, ist wenig wahrscheinlich. Die melodramatische Bestsellerverfilmung des britischen Regisseurs Joe Wright sprach den überwiegend europäischen Globe-Juroren aus dem Herzen - für die amerikanischen Oscar-Richter gilt dagegen der lakonische Westernthriller "No Country for Old Men" als ganz heißer Tip. Der neue Film der Brüder Ethan und Joel Coen über eine erbarmungslose Menschenjagd in Texas hat mehr Kritikerpreise eingefahren als jeder andere Film. Mitbewerber dürften Tony Gilroys "Michael Clayton" und Paul Thomas Andersons "There Will Be Blood" sein.

Für die Schlussliste des besten Films nominieren die Juroren in der Regel auch eine Komödie oder ein Musical, eine Extra-Kategorie dafür gibt es nicht. Hier wetteifert der überraschende Komödien-Hit, der Indie-Film "Juno" über die ungewollte Schwangerschaft einer 16- Jährigen, mit Tim Burtons blutrünstigem Musical "Sweeny Todd".

Bei der im vergangenen Jahr für Deutschland so erfolgreichen Wahl des besten ausländischen Films ist diesmal die Luft schon raus. 2007 hatte das Stasi-Drama "Das Leben der anderen" von Florian Henckel von Donnersmarck den Auslands-Oscar gewonnen. Diesmal blieb der deutsche Beitrag "Auf der anderen Seite" des in Hamburg geborenen türkischstämmigen Regisseurs Fatih Akin bereits in der Vorauswahl auf der Strecke. dpa nw xx n1 bj

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