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Susan Sarandon als Marnie Minervini und J.K. Simmons als Zipper in "Mit besten Absichten".

Schillernde Übermutter

Susan Sarandon mimt die großherzige Glucke in "Mit besten Absichten"

München  - Mit ihrem leidenschaftlichen, seelenvollen Spiel trägt Susan Sarandon „Mit besten Absichten“ fast allein. Als Übermutter mit Helfersyndrom muss sie sich nach dem Tod ihres Mannes neu sortieren.

Was treiben unsere Mütter eigentlich, während sie auf unseren Anruf warten? Wer das schon immer wissen wollte, der ist in diesem Film genau richtig. Im Mittelpunkt steht eine Übermutter mit Helfersyndrom: Marnie (Susan Sarandon) fällt nach dem Tod ihres geliebten Ehemannes in ein tiefes Loch und zieht nach Los Angeles, um ihrer Tochter, der Drehbuchautorin Lori (Rose Byrne), nah zu sein. Doch die ist schon bald genervt von Marnies übertriebener Fürsorglichkeit, von ihren ständigen Anrufen, Überraschungsbesuchen und ungebetenen Ratschlägen. Als Lori sich immer mehr zurückzieht, drängt Marnie sich anderen Leuten als Babysitterin, Chauffeuse und Mäzenin auf – bis sie erkennt, dass sie sich auch mal um sich selbst kümmern sollte.

Autorin und Regisseurin Lorene Scafaria präsentiert eine unaufgeregte, charmante, zutiefst menschliche Mischung aus Charakterstudie und Sitcom, inspiriert von ihrer eigenen Mutter, die laut Aussagen der Filmemacherin beinahe täglich am Set ihres Regiedebüts „Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“ aufgetaucht war. Die Nervensäge Marnie wird jedoch keineswegs verteufelt oder der Lächerlichkeit preisgegeben – man kann dieser großherzigen Glucke kaum böse sein. Überhaupt hat Scafaria lauter liebenswürdige, lebensnahe Filmfiguren geschaffen, die nie so wirken, als hätte man sie im Drehbuch-Seminar am Reißbrett entworfen. Es gibt auch keine hochdramatischen Wendungen, keine Katharsis, keine Rettung der Menschheit: Die Regisseurin schert sich nicht um die übliche Kino-Dramaturgie. Das ist schön.

Doch die Krux ist: Sie schert sich überhaupt nicht um Dramaturgie. So mäandert das Geschehen vor sich hin, ohne Spannungsbogen, wie eine Aneinanderreihung von Zufallsbegegnungen. Dass es trotzdem nicht langweilig wird, liegt an Scafarias Sinn für Humor, an ihren treffsicheren Dialogen – und an Susan Sarandon: Sie zeichnet nicht das Klischeebild einer Helikopter-Mama, sondern das schillernde Porträt einer lebensklugen, grenzenlos optimistischen, ebenso coolen wie warmherzigen Witwe. Mit ihrem leidenschaftlichen, seelenvollen Spiel trägt sie den Film fast alleine. Und ganz nebenbei erfährt man hier einige nützliche Dinge – zum Beispiel, dass man Hühner mit Dolly-Parton-Liedern zum Lächeln bringen kann.

„Mit besten Absichten“

mit Susan Sarandon, Rose Byrne Regie: Lorene Scafaria

Laufzeit: 103 Minuten

Sehenswert

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Seite an Seite“ mochten.

Marco Schmidt

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