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Kinostart von "Bolschoi Babylon"

Das Theater im Blickpunkt

Tanz & Thriller: Kritik zu "Bolschoi Babylon"

München - Das Bolschoi-Theater in Moskau ist ein Mikrokosmos. Der Dokumentarfilm "Bolschoi Babylon" beleuchtet den Staat im russischen Staat und bringt Licht ins Dunkel.

Als „Schlangengrube“ und „rattenverseuchte Müllhalde“ wird das berühmte Moskauer Bolschoi-Theater nach dem Säure-Attentat 2013 auf den damaligen Ballettchef Sergej Filin bezeichnet. Für viele jedoch war und bleibt es ein „Tempel, ein heiliger Ort“. Ohne zu werten, gibt Nick Read in seinem „Bolschoi Babylon“ – eher politische Dokumentation als Ballettfilm – den verschiedensten Äußerungen und Urteilen Raum: Filin habe dem Bolschoi seine Gesundheit geopfert, sagen die einen. Andere, ältere Ensemblemitglieder vor allem, sahen sich durch Filins neuengagierte Tänzer verdrängt. Und noch andere glauben, dass Filin nicht so unschuldig ist, wie es den Anschein hat.

Der Attentat-Anstifter Dimitritschenko bezichtigte ihn gar, Besetzungen in vielen Fällen von Bestechungsgeldern und sexuellen Gefälligkeiten abhängig gemacht zu haben. Filin wies alle Vorwürfe zurück. Es gebe keinerlei Beweise. Die Wahrheit werde man wohl nie herausfinden, sagt sehr weise Maria Alexandrowa. Sie, Maria Allasch und Anastasia Meskowa sind Reads Hauptinterview-Partnerinnen. Sie sind zudem in Ballettausschnitten und bei der Probenarbeit zu sehen, in Archiv-Schnipseln außerdem Filin und einer seiner Gegner, der grandiose Nikolay Tsiskaridze zu seinen technischen Hochzeiten.

Die Quintessenz dieses Ballett-Politthrillers ist zum einen die Einsicht vieler Insider, dass das Bolschoi in seinen Schwächen und Verfehlungen ein Spiegel der russischen Gesellschaft sei. Zum anderen die Gespräche mit Bolschoi-Intendant Wladimir Urin und das von ihm einberufene Treffen mit dem Ballettensemble. Deutlicher konnte Read es nicht dokumentieren: Hier ist ein Mann angetreten, der jeder Einmischung des Kremls, der Mauschelei und Verfilzung den Kampf ansagt.

„Bolschoi Babylon“

Regie: Nick Read Laufzeit: 87 Minuten

Sehenswert ((((;

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie gerne dokumentarische TV-Gerichtsshows sehen.

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