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Frustrierender Alltag: Boris (Cédric Kahn) und Marie (Bérénice Bejo) haben sich nach 15 Ehejahren getrennt – und müssen dennoch miteinander leben.

In der Enge mit dem Ex

Trailer zu „Die Ökonomie der Liebe“: Lebenshölle

München - „Die Ökonomie der Liebe“ ist ein kluges Drama über das Ende einer Liebe, das aufgrund von Geldmangel zu unnötigen Komplikationen führt.

Wohnzimmer, Küche, Bad, Schlafzimmer, Kinderzimmer und eine Terrasse – das ist das Zuhause, das keines mehr ist. Denn hier leben Boris (Cédric Kahn) und Marie (Bérénice Bejo) mit ihren zwei Kindern. Das Paar hat sich nach 15 Ehejahren getrennt, doch es bleibt zusammen, denn für den Auszug fehlt das Geld. Die daraus entstehende Situation erfordert Nervenstärke und Fingerspitzengefühl, und das verliert sich gerne einmal im alltäglichen Gezänk.

Kein Paar mehr zu sein und einander dennoch aushalten zu müssen – das ist der Grundgedanke hinter dem klugen, aus dem Leben gegriffenen Drama „Die Ökonomie der Liebe“. Die Ex-Partner rechnen sich ständig vor, warum der andere sich irrt. Die Auseinandersetzungen von Marie und Boris, zu denen auch kein Verwandter oder Freund Zugang findet, kreisen um eine leere Mitte. Wo kein Gefühl mehr ist und Zahlen nicht helfen, steht am Ende nur eine Wohnung im Zentrum des Handelns. Während sich das ehemalige Liebespaar zerfleischt, bildet das Appartement den eigentlichen Kern der Familie, den letzten Zusammenhalt. Es erinnert ein wenig an Sartre und Buñuel, wenn alle in ihrer gemeinsamen Hölle gefangen bleiben. Joachim Lafosse hat aus diesem Arrangement ein ernüchterndes, in seiner Klarheit großartiges Kammerspiel gezaubert.

„Die Ökonomie der Liebe“

mit Bérénice Bejo, Cédric Kahn Regie: Joachim Lafosse

Laufzeit: 121 Minuten

Hervorragend

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