Autorin, Moderatorin, Mutter: Amelie Fried (58) im tz-Interview.

Interview zum neuen Buch

Amelie Fried: Die Frau mit Überblick

München - Ob man nun lieber liest oder fernsieht: Amelie Fried (58) tanzt auf beiden Hochzeiten. Am Dienstag liest die Bestseller-Autorin aus ihrem neuen Buch "Ich fühle was, was du nicht fühlst" im Literaturhaus.

Mit von der Partie: Thorsten Otto (Bayern 3). Im Roman geht’s um eine 13-Jährige, die Mitte der 70er in einer Kleinstadt von ihren Hippie-Eltern so ziemlich gegen den Strich erzogen wird. Klar, dass India (so der beklagenswerte Name der Teenagerin) nicht wirklich kompatibel mit ihrer Umwelt ist. Aber ihr Geist lernt, frei und frech zu wandern. – „Da weiß jemand, von was sie schreibt“, war unser erster Gedanke bei der Lektüre. Wir trafen Amelie Fried und sprachen mit ihr über Kinder, Erziehung und mehr.

Frau Fried, die Zeiten ändern sich, aber Teenager haben in allen Generationen dieselben Bedürfnisse. Stimmen Sie zu?

Amelie Fried: Sie sind sich zumindest grundsätzlich ähnlich. Es kommt aber darauf an, wie sie in dieser Phase aufgefangen werden. Wie viel Aufmerksamkeit und Zuwendung sie von ihren Eltern erhalten. Kinder kommen als fast fertige Persönlichkeiten auf die Welt. Wir können sie nur liebevoll begleiten, damit sie ihren Weg finden. Das ist für mich Erziehung.

Man kann also am Charakter der Kinder weniger ändern, als so mancher vielleicht meint? 

Fried: Ich schätze mal, 80 Prozent ihrer Persönlichkeit stehen fest. Natürlich kann man mit Lieblosigkeit oder gar Gewalt vieles kaputtmachen. Aber wenn man liebevoll und zugewandt mit seinen Kindern umgeht, kann man nicht so wahnsinnig viel falsch machen. Mein Mann und ich sind dankbar dafür, wie unser Sohn (25, d. Red.) und unsere Tochter (22, d. Red.) sich entwickelt haben.

Überspitzt gesagt: Man erzieht die Kinder nicht, sondern die Kinder erziehen uns?

Fried: Da ist etwas Wahres dran. Eltern geben ein großes Stück Freiheit auf und erhalten dafür ein großes Stück Verantwortung. Diese Verantwortung, diese Liebe zu den Kindern bleibt ein Leben lang, nicht nur, solange die Kinder noch klein sind.

Ein Spagat, nicht an den Kindern zu klammern? 

Fried: Oh ja. Einerseits dürfen und sollen sie ja unbedingt spüren, dass man sie liebt und sich immer um sie sorgt, andererseits darf man ihnen nie das Gefühl geben, sie einzuengen.

Einengen – das scheint Ihnen ja auch nicht gerade zu liegen mit Ihrer Freiberuflichkeit …

Fried: Ich bin seit fast 30 Jahren Moderatorin (los ging’s mit Live aus dem Alabama im Bayerischen Fernsehen, d. Red.) und seit fast 25 Jahren Autorin. Das läuft schon lange parallel. Ich genieße das sehr: das Schreiben einerseits, das eine schöne, aber einsame Arbeit ist, und andererseits die Teamarbeit beim Fernsehen.

Wobei das Gefälle zwischen geistigen Höhenflügen beim Schreiben und dem Fernsehen wahrscheinlich hoch sein kann. Wie wappnen Sie sich?

Fried (lacht): Ich versuche schon, Schreibphasen so zu legen, dass sie nicht unterbrochen werden. Und Texte mal abhängen zu lassen, tut ihnen ohnehin ganz gut – wie bei einem Filet.

Als zweifache Mutter mussten Sie ohnehin organisatorisches Talent entwickeln, oder?

Fried: Ich glaube, dass ich ein ziemliches Organisationsgenie geworden bin, ja. Heute arbeite ich am liebsten mit Frauen zusammen, die nach einer Kinderpause wieder in den Beruf zurückkehren. Die kommen auf den Punkt, verlieren keine Zeit und sind extrem sachund lösungsorientiert.

Und brauchen nicht den starken Mann markieren?

Fried:Das Gegockel, diese Form der Selbstdarstellung, brauchen Frauen nicht. Oder das ausgeprägte Networking, zusammen Golfspielen etwa … wohlgemerkt, wir sprechen von der Arbeitswelt. Privat können Frauen durchaus stundenlang Themen umkreisen. Männer machen das hingegen weniger, soweit ich informiert bin. Da sind Sie richtig informiert.

Wollen Sie unseren Lesern noch eine Info zum neuen Buch mit auf den Weg geben? 

Fried: Vielleicht diese: Bisher habe ich eher unterhaltsame Frauenromane geschrieben. Jetzt bin ich ins Genre Familienroman gewechselt. Ich hoffe, dass meine bisherige Leserschaft mir treu bleibt und ich vielleicht noch neue Leser dazugewinne.

Amelie Fried: "Ich fühle was, was du nicht fühlst". Heyne.

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