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Sie präsentieren ab 3. August die neue Sendung „Bayern 3 Puls“: Matthias Kammel, Christina Wolf, Diane Hielscher und Rapper Roger Rekless (v. li.).

BR ersetzt nach 21 Jahren "Nightlife"

Kein Nachtleben mehr auf Bayern 3

München - Der BR ersetzt nach 21 Jahren „Nightlife“ durch ein neues Format mit dem Jugendsender Puls. Das bedeutet auch das Aus auch für den „Kultabend“. 

Erst vor wenigen Tagen klopfte man sich beim Bayerischen Rundfunk gut hörbar selbst auf die Schulter. Die Reichweite von Bayern 3 sei von 22,3 auf 23 Prozent gestiegen „und damit auf den höchsten Wert seit 1992“, hieß es vom Münchner Sender. Doch anders als im Fußball, wo die Devise „Never change a winning team“ lautet, soll bei der Popwelle am Abend trotz des Erfolges einiges anders werden. Nur noch eine Woche lang ist ab ab 22 Uhr „Nightlife“ zu hören, am kommenden Montag, 3. August, startet ein neues Format, „Bayern 3 Puls“, eine gemeinsam von Bayern 3 und dem digitalen Jugendradio Puls produzierte Sendung. Und auch für den „Kultabend“ mit den Veteranen Fritz Egner, Jürgen Herrmann, Fred Kogel und Jim Sampson sowie gelegentlich Thomas Gottschalk ist Sendeschluss. Sonntags ab 20 Uhr läuft künftig ein „Hitmix“. Das teilte der BR gestern mit.

Mit dem neuen, jeweils zweistündigen „Nightlife“-Nachfolger bekommt die Bayern-3-Gemeinde auch neue Stimmen zu hören. Die Puls-Moderatoren Christina Wolf (34) und Matthias Kammel (30) wechseln sich wöchentlich mit den BR-Neuzugängen Diane Hielscher (36) und Rapper Roger Rekless alias David Mayonga (34) ab. Bayern-3-Wellenchef Walter Schmich ist im Gespräch mit unserer Zeitung ein wenig Wehmut anzuhören über das Ende von „Nightlife“ nach 21 Jahren, immerhin saß der 51-Jährige einst selbst so manchen Abend am Mikrofon. „Wir haben die Sendung damals eingeführt, um das Image von Bayern 3 mehr in Richtung Rock zu drehen“, erinnert sich Schmich, damals trug die Sendung noch den Titel „Nachtmusik“. Aber inzwischen passe die 22-Uhr-Schiene nicht mehr zum Rest des Programms, das musikalische Umfeld habe sich in den vergangenen Jahren sehr verändert.

Letztlich, so Schmich, werde eine musikorientierte Sendung durch eine andere ersetzt – nur eben mit einem dem Geschmack der Jüngeren angepassten Schwerpunkt. Die Neuen sollen, so ist der Plan, neue Musik vorstellen, Künstler aus Bayern präsentieren und nationale und internationale Poptrends Im Auge behalten. Dafür stand bisher das Jugendradio Puls, das aber als Digitalkanal wesentlich weniger Hörer erreicht als Bayern 3. Dennoch soll das neue Format keine „Insel von Puls innerhalb von Bayern 3“ sein, sondern eine echte Kooperation, eine Innovation, für die Bayern 3 ja immer gestanden habe. Schließlich sei es die Aufgabe eines modernen öffentlich-rechtlichen Radios, immer „am Puls der Zeit“ zu bleiben.

Das sei auch der Grund für den Abschied vom „Kultabend“, den man, so betont Bayern 3-Chef Schmich, vor zweieinhalb Jahren aufgrund des großen Erfolges ähnlicher Aktionen zum 40. Geburtstag der Popwelle ins Programm aufgenommen habe, zunächst auf ein Jahr befristet. Auch hier habe man die Hörerzahl zunächst „massiv steigern“ können, zuletzt aber sei die Tonalität zur sonstigen Musikfarbe nicht mehr stimmig gewesen.

Zumindest zwei der fünf „Kultabend“-Moderatoren, Thomas Gottschalk und Fritz Egner, könnten den Hörern erhalten bleiben, wird gemunkelt – allerdings nicht mehr bei Bayern 3, sondern nebenan bei Bayern 1. Nach jahrelanger Zusammenarbeit mit den beiden Kollegen bestehe ein freundschaftliches Verhältnis, und es wäre im Sinne des Hauses, mit den Kollegen weiter zusammenzuarbeiten, so Schmich vorsichtig.

Vom Attribut Radiolegende ist das Quartett von „Bayern 3 Puls“ noch weit entfernt, wohl deswegen gab es vom Sender gestern reichlich Vorschusslorbeeren. Christina Wolf sei als Moderatorin der „Startrampe“ im Bayerischen Fernsehen und von „Plattenbau“ bei Puls „bestens mit der bayerischen, nationalen und internationalen Musikszene vertraut“, „Morningshow“-Macher Matthias Kammel kenne sich in der britischen Musikszene bestens aus, Neuzugang Diane Hielscher sei im vergangenen Jahr mit dem Deutschen Radiopreis als beste Moderatorin ausgezeichnet worden, Rapper Roger Rekless schließlich komme als Musiker aus der Praxis.

Noch ein bisschen zu jung für einen Wechsel zu Bayern 1 sind die „Nightlife“-Protagonisten Claus Kruesken, Björn Strößner und Chris Baumann. Zumindest Strössner und Baumann sollen laut BR auch weiterhin bei Bayern 3 im Einsatz sein. Baumann wird wie bisher die „Schlager der Woche“ am Freitagabend moderieren, außerdem im Wechsel mit Strössner den neuen „Hitmix“ am Sonntagabend präsentieren.

Rudolf Ogiermann

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