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War früher schüchtern – und heute einer der beliebtesten bayerischen Radiomoderatoren: Thorsten Otto hat dafür viel an sich gearbeitet. 

Buchtipp

Bayern 3-Moderator Thorsten Otto gibt Tipps für Smalltalk

Er ist ein König des Dialogs. Radiomoderator Thorsten Otto (52) liefert in seiner Sendung „Mensch Otto“ montags bis donnerstags von 19 bis 20 Uhr auf Bayern 3 spannende, emotionale und lustige Gespräche mit prominenten und unbekannten Gästen.

Er schafft es, dass seine Hörer vor der Haustüre im Auto sitzen bleiben, um die Sendung zu Ende zu hören. Doch Otto sagt, jeder kann gute Gespräche führen. In seinem Buch „Die richtigen Worte finden“ erklärt der Oberpfälzer, wie es geht. Beim Interview ließ er sich einige Extra-Tipps entlocken.

-Kann man überall gute Gespräche führen?

Prinzipiell ja. Wichtig ist nur, dass sich beide wohlfühlen.

-Was mache ich, wenn ich einen schwierigen Gesprächspartner habe?

Es ist wichtig, dass man vorbereitet ist. Das heißt nicht, dass man sich Sätze zurecht legen soll. Es hilft aber, wenn man weiß: Wie ist der andere drauf? Was interessiert den? Worüber redet der gern? Das macht zumindest den Einstieg leichter. Wenn die Schwiegermutter Meißner-Porzellan sammelt, dann kann man eine nette Bemerkung zu ihrem Porzellan machen. Dann fängt sie möglicherweise an zu erzählen.

-Wie fange ich einen Dialog mit einem Unbekannten an, auf den ich mich nicht vorbereiten konnte?

Sag’ freundlich Hallo und erzähl von Dir. Sprich zum Beispiel vom Wetter. Das wird ja immer so verpönt, als Einstieg ist das aber völlig in Ordnung.

-Und wie schaffe ich es, Tiefe in das Gespräch zu bringen?

Jeder Mensch hat mindestens ein Thema, über das er gerne spricht. Das herauszufinden, ist zum Beispiel in meiner Sendung wichtig. Aber auch beim normalen Kennenlernen schadet es nicht, dieses Lieblingsthema zu finden.

-Wie lege ich dieses Lieblingsthema frei?

Man muss sich rantasten, nicht mir der Tür ins Haus fallen. Mir ist das mal passiert, und mein Gast war sofort verschreckt. Das bringt einen nicht weiter. Man sollte mit Hobbys oder Kindern einsteigen und dann schauen, in welche Richtung sich das Gespräch entwickelt – und sich darauf einlassen.

-Was ist tödlich für ein Gespräch?

Wenn jemand einen Vortrag hält. Das passiert vor allem Männern.

-Was mache ich, wenn sich das Gespräch in eine Richtung entwickelt, in der ich mich nicht auskenne?

Ehrlich sein. Keiner kann alles wissen, und man braucht keine Angst davor zu haben, das zuzugeben.

-Wie schlimm ist Stille?

Das kommt darauf an. Bei einem Date kann das heißen, dass man sich nichts zu sagen hat. Oder, dass man kurz vorm Knutschen ist. (Lacht.) Einige Sekunden Stille können aber auch bedeuten, dass man über das nachdenkt, was gesagt wurde. Irgendwann kommt aber der Moment, in dem es peinlich wird. Wer routiniert ist, sagt dann etwas.

-Fällt es Ihnen als Mann des Wortes schwer, auch mal zu schweigen?

Wenn es um Sachthemen geht, schon. Aber wenn ich nach Hause komme, rede ich auch gerne den ganzen Abend gar nicht mehr. Ich bin niemand, der immer nur sendet. Deswegen stelle ich auch normalerweise lieber die Fragen. Das war aber nicht immer so.

-Sie waren schüchtern?

Superschüchtern. Zwar habe ich über den Sport – ich habe ganz gut Basketball gespielt – vielleicht nicht mehr so gewirkt, aber ich habe mich immer noch unwohl gefühlt.

-Wie haben Sie es dennoch zu einem erfolgreichen Moderator gebracht?

Es war ein schmerzhafter Prozess. (Lacht.) Ich habe mich als junger Mann immer wieder geärgert, dass mir im entscheidenden Moment keine gute Antwort eingefallen ist und ein anderer einen flotten Spruch auf den Lippen hatte. Ich habe mich dann gezwungen, den Mund aufzumachen. An kleinen Erfolgen bin ich gewachsen. Einmal habe ich bei einem Basketballturnier mit einem Mädchen geknutscht. Auf einmal wurde mir schlecht, und ich bin zur Toilette gehechtet. Normalerweise wäre ich in so einer Situation vor Scham gestorben. Aber ich bin zurück zu ihr, und als sie mich auf die Peinlichkeit angesprochen hat, habe ich nur gemeint, das mit dem Knutschen habe doch schon ganz gut funktioniert.

-Gibt es etwas, was Sie direkt vor der Sendung machen, um ein gutes Gespräch zu führen?

Früher habe ich mir oft gesagt: Das muss das beste Interview werden. Das bringt aber nichts. Heute sage ich mir: Genieße diese Stunde mit dem Gast und hab’ Spaß. Das perfekte Gespräch gibt es nicht. Das ist mir noch nie gelungen. Am wenigsten mit meinen Kindern. (Lacht.)

-Haben Sie trotzdem Tipps, wie man auf seinen Nachwuchs zugehen kann?

Mein Sohn ist vier und meine Tochter zwölf. Wichtig ist vor allem Zeit. Das ist im Alltag manchmal schwer. Letztens saßen wir einige Stunden im Auto, und ich hatte mir vorgenommen, mit meiner Tochter über ein paar Dinge zu sprechen. Die ersten 100 Kilometer ging nicht viel. Aber dann hat sie doch erzählt. Kinder brauchen Zeit. Aber das gilt für uns alle. Jedes Gespräch kann über das Wetter starten und dann weit in die Tiefe gehen. Smalltalk ist ein wichtiges Werkzeug. Da können wir uns bei den Amerikanern was abschauen.

-Gibt’s da Vorbilder?

Ja, die kriegen die Mischung zwischen guten Fragen und Entertainment hin. Jimmy Fallon zum Beispiel und Ellen DeGeneres.

-Wie sieht es mit deutschen Kollegen aus?

Frank Plasberg ist bei politischen Interviews ein guter Fragensteller. Und Maybrit Illner. Sie ist klug, schnell und hat so eine souveräne Art.

-Auf den ersten Seiten Ihres Buches geht es um Körpersprache. Wie wichtig ist sie?

Sehr wichtig. Das geht schon beim Händedruck los. Weder zu fest noch zu locker ist ideal. Außerdem gibt’s Leute, die dich nicht anschauen können. Auch das ist nicht gut.

-Mit wem würden Sie gern ein Gespräch führen?

Peter Ustinov. Aber da bräuchte es eine Standleitung in den Himmel. Ansonsten: Franz Beckenbauer. Leider ist er meiner Einladung in die Sendung noch nie gefolgt.

Das Gespräch führte Carolin Nuscheler.

Thorsten Otto:

„Die richtigen Worte finden“. mvg-Verlag München, 200 Seiten; 16,99 Euro.

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