+
Gesendet wird aus 1730 Metern Höhe: Die Station des BR liegt beinahe ganz oben auf dem Wendelstein.

Auf dem Wendelstein

Blick in Bayerns höchste Sendestation 

München - Auf dem Wendelstein leben und arbeiten zehn BR-Mitarbeiter rund um die Uhr.

Der Weg zum Arbeitsplatz? Nur per Seil- und Zahnradbahn zu bewältigen. Der Ausblick aus dem Bürofenster? Ein Bergpanorama, das sich aus 1730 Metern Höhe bestaunen lässt. Für zehn Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks ist das alles ganz normal. Sie arbeiten auf der Sendestation oben auf dem Wendelstein – und sorgen von dort aus für eine möglichst reibungslose Übertragung aller Fernseh- und Radioprogramme des BR sowie der Online-Livestreams von BR und Das Erste.

Auf Monitoren überwachen Hartmut Snethkamp und sein Team die Übertragungen.

Hartmut Snethkamp leitet die Fachgruppe Netzmanagement in der Servicezentrale des Senders Wendelstein. Die Hauptaufgabe von ihm und seinem Team besteht darin, den reibungslosen Ablauf bei der Ausstrahlung zu garantieren. Deshalb wird rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr gearbeitet. Jeder Mitarbeiter hat abwechselnd sieben Tage Dienst und dann wieder sieben Tage frei. „In den sieben aufeinanderfolgenden Diensttagen leben die Mitarbeiter hier oben“, erklärt der 41-Jährige. „In der Zeit wird die Sendestation nicht verlassen. Es gibt Schlafräume, und die Kollegen versorgen sich selbst mit Lebensmitteln. Heißt: Sie bringen sich die benötigten Dinge jede Woche mit.“

Klar, dass sich das Team untereinander sehr gut verstehen muss. Schließlich arbeiten und leben die BR-Mitarbeiter auf engstem Raum zusammen. Das Büro befindet sich in der kleinen Zentrale unterhalb des 63 Meter hohen Sendemasts. Snethkamp: „Im Kontrollraum gibt es sechs Monitore, auf denen im Fall der Fälle Störungen angezeigt werden.“ Und dann muss es schnell gehen. „Wenn wir entsprechende Meldungen bekommen, versuchen wir, selbst Redundanz- und Ersatzschaltungen durchzuführen“, erklärt Snethkamp. „Außerdem gibt es Serviceeinheiten in ganz Bayern, die alarmiert werden können und dann ausfahren, um die Störung zu beheben.“ Dies kann etwa bei Gewitter oder Sturm vonnöten sein. 2013 fiel die TV- und Radioübertragung sogar für mehrere Stunden aus. Damals gab es einen Schwelbrand im Sendemast. Die Feuerwehr konnte den Brand zwar löschen, musste aber erst einmal per Wendelsteinbahn anrücken. „Solche Störungen sind die absolute Ausnahme“, so Snethkamp.

Ob die Arbeit oben auf dem Gipfel gefährlich ist? „Eigentlich nicht. Das Einzige, das problematisch werden kann, ist die An- und Abfahrt. Vor allem im Winter, wenn Schnee liegt und die Wendelsteinbahn nicht fahren kann, kommt es schon mal vor, dass die Mitarbeiter ein paar Tage länger oben bleiben.“ Wenn das nicht geht, heißt’s: auf Skiern zurück ins Tal. Daher sind die Einstellungskriterien für diesen Job nicht nur eine Ausbildung zum Radio- und TV-Techniker, sondern auch eine Kletterausbildung zum Besteigen der Sendemasten und körperliche Fitness. Hat man es aber zum Mitarbeiter auf dem Wendelstein geschafft, wird man belohnt – mit einem der wohl ausgefallensten Arbeitsplätze Deutschlands.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kirk Douglas wird 100: Der Titan des Jahrhunderts

Los Angeles – Wie ein Rammbock bahnte sich Kirk Douglas seinen Weg zum Erfolg. Filme wie „Wege zum Ruhm“ und „Spartacus“ machten ihn unsterblich. Im hohen Alter …
Kirk Douglas wird 100: Der Titan des Jahrhunderts

Rockavaria 2017: Jetzt wird es noch verwirrender

München - Noch immer ist das Rockavaria-Festival 2017 weder angekündigt noch abgesagt. Jetzt äußert sich ein Olympiapark-Sprecher - und macht die Verwirrung nicht …
Rockavaria 2017: Jetzt wird es noch verwirrender

Gardiners Gastspiel: Die Außerirdischen

München - John Eliot Gardiner, sein Monteverdi Choir und die English Baroque Soloists gastieren mit weltmeisterlichen Bach-Deutungen in der Philharmonie 
Gardiners Gastspiel: Die Außerirdischen

„Wir müssen bei der Wahrheit bleiben“

Medienmacher Helmut Markwort über den „Focus“, Privatradio und Privatfernsehen sowie die Zukunft des Journalismus
„Wir müssen bei der Wahrheit bleiben“

Kommentare