Im Lustspielhaus

Django Asül: Locker aus der Hüfte gezielt

München - Django Asül verschießt im Münchner Lustspielhaus seine „Letzte Patrone“. Lesen Sie hier die Kritik: 

Mit Höchstgeschwindigkeit Richtung Rente zu rasen – Django Asül ist dazu gezwungen, weil er rascher älter wird als der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung, nämlich genau ein Jahr pro Jahr. Da muss man Zeit sparen, wann immer es geht. Diese Art schräger Mathematik ist nur eine der vielen Gruben, die der Kabarettist seinem Publikum gräbt. Auch in seinem neuen Programm „Letzte Patrone“, das am Dienstag im Lustspielhaus Premiere hatte, präsentiert sich der Kabarettist wieder als Meister der virtuosen Vereinfachung für den maximalen (Lach-)Erfolg.

Angewandte Physik, beispielsweise, ist bei ihm nicht das, was man in der Schule lernt, sondern das, was man braucht, um einen schnellen Flitzer auf der Straße zu halten. Mit Schüssen im Wortsinn hat „Letzte Patrone“ nur am Rande zu tun, auch wenn von Bundeswehreinsätzen die Rede ist und von „diffusen Ängsten“, die man am besten durch den Kauf einer Schrotflinte bekämpft.

Viel öfter als an den Fronten der (Außen-)Politik treibt sich Asül an den Stammtischen seiner Heimatstadt herum, bringt allerlei Sprüche – erlauschte oder erdachte – in Stellung wie den über (potenzielle) Flüchtlinge: „Bloß, weil ich nichts gegen etwas habe, muss es noch lange nicht da sein.“ Weißwürste für Muslime? Kein Problem, man kann ja den Senf weglassen! Ernst ist ihm fremd, viel lieber dreht der Niederbayer mit türkischen Wurzeln festgefügte Formeln auf links, dann ist die vielzitierte „Balkanroute“ sein eigener, ungeliebter (Urlaubs-)Weg mit den Eltern in die Heimat der Ahnen.

Django Asül zelebriert den Lebenskünstler, frei nach dem Songtitel „Money for nothing“, und lässt doch immer wieder seine solide bayerische (Schul-)Bildung aufblitzen. Das ist wohl der Grund für einen lässigen Pragmatismus, dem man sich gerne geschlagen gibt. Reichtum? „Naa, liawa a scheens Leb’m und a gscheit’s Auto!“ Bei so viel Charme, Souveränität und Sinn für Pointen lacht man auch den einen oder anderen Kalauer weg wie den vom griechischen Chefgott Zeus, der den Nachfahren seiner Untertanen heute als gut bairische Aufforderung zur Begleichung der Zeche dient: „Zoi ’s!“

In vier Jahren, so der 44-Jährige, sei er aufgrund seiner persönlichen (Alterungs-)Rechnung reif für den Ruhestand, „Letzte Patrone“ sei somit sein letztes Programm. Django Asül scheint selbst für einen Moment erschrocken zu sein über diese Perspektive. Aber auch das ist, zur Freude seiner Fans, sicher ein Scherz.

Weitere Vorstellungen

bis Sonntag; Telefon 089/ 34 49 74.

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