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"Ich wollte Terroristin werden - die Branche boomt": Enissa Amani ist bekannt für ihre derben Sprüche.

Comedian im Circus Krone

Enissa Amani: Nichts für zarte Gemüter

München - Comedian Enissa Amani zeigt sich bei ihrem Auftritt im Circus Krone gewohnt politisch inkorrekt.

Ein Blick ins Publikum an diesem Mittwochabend im Circus Krone lässt erahnen, wer da bald auf der Bühne stehen wird. In einer Reihe weit vorne: vier junge Frauen in engen Kleidern, stärker geschminkt als Kim Kardashian bei den Oscars, aber ebenso verrückt nach Selfies. Sie schürzen ihre Lippen für das Selbstporträt und posten es vermutlich umgehend auf Facebook. Kicher kicher. Gleich kommt siieeeee!

Ja, und dann steht sie da. Comedian Enissa Amani, 30 Jahre alt, Jumpsuit, High Heels, Kunstnägel, blondierte Haare bis zur Taille, begrüßt ihr Publikum mit Piepsstimme: „Boah, ich schwör’ euch, hinter der Bühne riecht alles nach Scheiße, von den Zebras und so.“

Witze über Behinderte, Ausländer und Schwule

Amanis Wortwahl ist nichts für zarte Gemüter: Sie wirft an diesem Abend wieder mit Ausdrücken wie „Hurensohn“, „Kanake“, „Bitches“ und „Bastard“ um sich, macht Witze über Schwule (im Publikum!), Behinderte und Ausländer – und wirkt dabei stets charmant. Stehen ihre derben Sprüche doch in einem wunderbar absurden Kontrast zu ihrem Tussi-Auftreten. Zwei Pole, mit denen die gebürtige Iranerin bewusst kokettiert. Das allein würde bald langweilen. Aber Amani kann mehr als gut aussehen und austeilen. Sie ist schlau und schlagfertig - vor allem wenn sie mit dem Publikum agiert.

Die Kritiker belächeln ihre Late-Night-Show „Studio Amani“, die seit März auf Pro Sieben läuft. Ein schneller Ersatz für Stefan Raab habe hergemusst, in dessen Sendung Amani mit kleinen Auftritten bekannt wurde. Klar, im TV ist sie jetzt weniger politisch, die Witze sind flacher für den Massengeschmack. Doch bei ihrem Tour-Auftritt „Zwischen Chanel und Che Guevara“ zeigt die Kölnerin, wieso sie in so kurzer Zeit so erfolgreich geworden ist: Man hört ihr einfach gerne zu.

"Das war ein Selbstmordattentäter-Schlumpf"

Amani ist eine tolle Geschichten-Erzählerin. Wenn sie von ihrem ersten Tag in der Grundschule berichtet, als Migrantenkind unter lauter Deutschen, lacht das Publikum Tränen. Amani beschreibt deutsche Schultüten, gefüllt mit Haribo und Kinder-Schokolade. Und Schultüten von Migrantenkindern, gefüllt mit Pistazien, Datteln und Baklava. „Total verklebt, die ganze Scheiße.“ Sie sei nicht neidisch gewesen auf all die Sabrinas und Simones – „ich hab’ die gehasst!“ Und dann ihr Federmäppchen, nicht neu, sondern voller Tintenflecke. „Ich hab’ gesagt, das war ein Selbstmordattentäter-Schlumpf – man muss sich ja Respekt verschaffen.“ Das kann man platt finden, oder aber erfrischend, in einer Zeit, in der „die Flüchtlingswelle“, „der Islam“ und „der Terror“ die Schlagzeilen beherrschen.

Nervig an diesem Abend im Circus Krone: Ein Mann aus dem Publikum, der seiner Freundin auf der Bühne einen Antrag macht. Die wertvollen Minuten gehen von der Show ab. Hoffentlich hält die Ehe wenigstens länger als von Amani prophezeit: „Ey, das wird bestimmt vier Jahre voll gut gehen.“

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