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Sie sorgen für Ordnung in Rose Creek: Vasquez (Manuel Garcia-Rulfo), Goodnight Robicheaux (Ethan Hawke), Sam Chisolm (Denzel Washington) und Josh Farraday (Chris Pratt). 

Interview zum Kinostart von „Die glorreichen Sieben“

Ethan Hawke - der Westernheld

München - Wie kaum ein anderer Schauspieler hat Ethan Hawke eine Generation von Kinofans geprägt – mit Filmen wie „Der Club der toten Dichter“, „Before Sunrise“ und „Gattaca“. Am Donnerstag kommt sein neuer Film, der Western „Die glorreichen Sieben“, ins Kino. Beim Festival von San Sebastián sprachen wir mit dem 45-Jährigen.

Wie kamen Sie zu Ihrer Rolle in dieser Hollywood-Großproduktion?

Normalerweise mag ich solche Blockbuster gar nicht. Aber das war eine einmalige Gelegenheit. Ich hatte mit Regisseur Antoine Fuqua schon „Training Day“ und „Brooklyn’s Finest“ gedreht und zur Premiere seines neuen Films „The Equalizer“ eine große Party in New York veranstaltet. Dort erzählte er mir, er plane ein Remake von „Die glorreichen Sieben“. Ich fragte ihn nach der Besetzung, und er meinte, die stünde noch nicht fest, abgesehen von Denzel Washington. Daraufhin sagte ich: „Wenn du mir nicht eine der sechs anderen Rollen gibst, ist diese Party vorbei!“

In punkto Hautfarbe ist es eine bunt gemischte Söldner-Truppe geworden.

Ja, das war Antoine Fuqua auch sehr wichtig. Er wollte die ethnische Vielfalt der USA thematisieren, ohne dass im Film groß darüber gequatscht wird: Wir zeigen einfach, wie eine Gruppe von Leuten aus unterschiedlichen Kulturen sich zusammenfindet und gemeinsam etwas Großartiges schafft. In einem Genrefilm wie diesem besteht die Herausforderung darin, sein Anliegen dem Publikum möglichst unauffällig unterzujubeln. Dieser Western ist ein bisschen wie ein Gedicht mit einem Subtext.

Glauben Sie, der Film würde Donald Trump gefallen?

Ich bin ziemlich sicher, dass Trump ihn mögen würde. Denn er würde gar nicht begreifen, dass er hier der Bösewicht ist. Im Prinzip geht es in diesem Film darum, dass sieben Leute sich zusammenschließen, um einen Typen wie Trump zu stoppen.

Sie selbst haben mit „Chelsea Walls“ und „The hottest State“ schon zwei Filme inszeniert. Würden Sie gern wieder Regie führen?

Ja, unbedingt. Als Schauspieler bist du ja wie ein Matrose auf einem Schiff. Wenn der Kapitän jemand ist wie Antoine Fuqua oder Richard Linklater, dann macht das großen Spaß. Aber bei den meisten Jobs, die man dir anbietet, ist es leider nicht so. Oft hast du das Gefühl, dass du mit diesem Kapitän auf Grund laufen wirst. Da stelle ich mich doch lieber selbst ans Steuer!

Sie stehen seit Ihrem 13. Lebensjahr vor der Kamera. Wollten Sie schon als Kind zum Film?

Nein, ich wollte Schriftsteller werden. Mit der Schauspielerei habe ich damals nur geflirtet. Wie viele Jugendliche war ich süchtig nach Anerkennung und wollte mich als etwas Besonderes fühlen. Ich hatte auch furchtbar Schiss davor, wie so mancher ehemalige Kinderstar in einem völligen Desaster zu enden. Erst als ich mit 21 meine eigene Theatergruppe gründete, habe ich meine Leidenschaft für diesen Beruf entdeckt.

Und wie haben Sie sich diese Leidenschaft bewahrt?

Als ich ungefähr 15 Jahre alt war und überall um mich herum Sex erstmals ein großes Thema war, dachte ich: „Gut und schön, aber wird das nicht irgendwann langweilig?“ Zu meiner großen Überraschung wurde es das nie. Und genau so geht es mir auch mit der Schauspielerei! Ich finde sogar, dass dieser Beruf im Laufe der Zeit und mit zunehmender Erfahrung immer aufregender wird. Meine älteste Tochter entdeckt die Schauspielerei gerade. Ihre Neugierde hat meine Lust neu entfacht.

Kann man als Künstler seine Träume verwirklichen und zugleich ein guter Vater sein?

Das ist in der Tat eine riesengroße Herausforderung. Kinder sind eigentlich ein Vollzeitjob, und als Vater versagt man ständig: Man ist nie so gut, wie man sein müsste, um so zarte Pflanzen richtig zu nähren – zumal jede Pflanze ganz unterschiedliche Bedürfnisse hat. Bei mir kommt noch hinzu, dass meine vier Kinder altersmäßig so weit auseinander sind: Meine älteste Tochter ist 18, die jüngste erst fünf. Versuchen Sie mal, mit so einer Bande in den Urlaub zu fahren! Da können Sie nur verlieren: Sollten Sie es schaffen, eines Ihrer Kinder glücklich zu machen, dann sind die anderen drei garantiert stinksauer. Wenn ich in Interviews nach der größten Herausforderung einer bestimmten Rolle gefragt werde, würde ich am liebsten sagen: „Gar nichts. Verglichen mit der Zeit daheim mit meiner Familie waren die Dreharbeiten für mich wie ein Spa-Aufenthalt!“

Und was sagen Ihre Kinder, wenn sie Sie in Filmen sehen?

Nichts. Sie machen sich allenfalls mal lustig über mich. Ich finde das aber sehr gesund, Menschen um mich zu haben, die sich von meinen beruflichen Leistungen überhaupt nicht beeindrucken lassen!

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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