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Immer ein Lachen im Gesicht: Roger Fritz.

Zum Geburtstag

Star-Fotograf Roger Fritz: Einen Klick voraus

Er hatte sie alle vor der Linse: Von den Beatles über Charlton Heston, Romy Schneider bis Karl Lagerfeld. Heute wird der Münchner Fotograf und Filmemacher Roger Fritz 80 Jahre alt.

Eigentlich will er von etwas ganz anderem erzählen. Doch wenn Roger Fritz einmal beginnt, ist es nicht ungewöhnlich, dass unvermittelt ein Nebensatz fällt wie: „Da war dann der Mick Jagger, den ich aus anderen Gründen kannte...“ Äh, Moment, woher kennen Sie denn Mick Jagger? „Ach, weil ich mal mit Marianne Faithfull einen Film drehen wollte, wir waren gut befreundet, da war ich eine Zeitlang in London“, plaudert er wie selbstverständlich drauflos. „An einem Abend haben wir ,Risiko‘ gespielt. Kennen Sie das?“ Ja, klar, wer kennt das Gesellschaftsspiel nicht? Nervöse Gespanntheit, wann denn nun der rockende Stein ins Rollen kommt. „An dem Abend war auch Mick dabei. Haben uns natürlich volllaufen lassen. Und am Ende noch im selben Bett geschlafen, völlig besoffen wie wir waren“, erzählt er lachend. Überhaupt scheint Roger Fritz gern zu lachen, immer wenn er spricht, liegt ein Schmunzeln auf seinem Gesicht. Er, der schon alles gesehen hat, sich aber trotzdem freut, wenn er noch beeindrucken kann.

Er wollte schon immer große Brötchen backen

Heute wird der Münchner Fotograf, Filmemacher, einstige Gastronom, Alles-und-Jeden-Kenner 80 Jahre alt. Und wenn man sagt, das sei ihm gar nicht anzusehen, dann ist das kein geheucheltes Kompliment, sondern echtes Erstaunen. Es ist ein Spätsommertag im September, Fritz ist erst um 3.30 Uhr ins Bett gegangen – „Ausstellungseröffnung“ –, doch auch davon keine sichtbaren Spuren. Er sitzt im Backspielhaus an der Tivolibrücke, ein paar Türen weiter wohnt er seit drei Jahrzehnten. Und hätte er nicht ein Problem mit autoritären Vorgesetzten, wer weiß, vielleicht wäre er jetzt selbst Bäcker in einem Café wie diesem, in dem er gerade ein Stück Käsekuchen genießt. Eine Lehre hatte er schließlich mal begonnen, damals, 1950 in Nürnberg. Doch nach drei Wochen war Schluss. Weil er morgens um 4 Uhr ein paar Minuten zu spät zum Dienst erschien, gab’s eine Ohrfeige vom Meister. Er kündigte. Und überhaupt, Fritz winkt ab: „Wenn, dann würde mir heute eine Bäckerei gehören.“ 

Klein-Klein war nie sein Ding, er wollte schon immer große Brötchen backen. Niemals als Angestellter, sondern frei wie ein Wandervogel. Die Ausbildung zum Großhandelskaufmann zog er zwar noch durch, entdeckte aber nebenbei seine Leidenschaft für die Fotografie. Mit der Kamera – „Geschenk von Onkel Hermann“ – fuhr er eines Tages per Anhalter von Nürnberg nach München. Und wer nahm ihn mit? Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst: ausgerechnet der Fotograf Herbert List. Fritz durfte dessen Labor nutzen, erhielt durch ihn die ersten wichtigen Kontakte, wurde Lists Assistent. Was hat er von ihm gelernt? „Komische Frage“, sagt er zwar nicht – aber sein Blick. Stattdessen verkündet er: „Fotografie kann man nicht lernen. Die Technik, klar, aber mehr nicht.“ Man müsse ein Gefühl haben für die Momente, die gerade passieren. „Man sieht die Momente ja meist schon vorher.“ Diesen einen Schritt voraus zu sein, das sei ausschlaggebend.

Noch einmal zurück ins kreative München der Sechzigerjahre

Und natürlich: üben, üben, üben. Fritz ging zum „Kölner Stadtanzeiger“. Später dann seine großen Fotostrecken in „Bunte“, „Stern“, „Quick“, „Vogue“. Die größte Diva vor seiner Linse? „Karl Lagerfeld, ach du jemine. Eijeijeijeijei!“ Der hätte die Fotos von sich lieber gleich selbst gemacht. Sein Lieblingsbild? „Immer die neuesten. Meine alten gefallen mir gar nicht so, weil sie noch nicht perfekt sind.“ Die schönste Zeit? „Die Sechzigerjahre in München.“ Damals, als die Stadt noch voll von Musik war. „Es gab keine berühmte Band, die nicht herkam. Die Filmbranche war riesig, wir hatten die meisten Verlage hier, all das merkte man der Stadt an.“ Und heute – irgendwelche Wünsche zum Geburtstag? „Ach, was soll ich mir denn wünschen? Eine andere Wohnung, ein anderes Auto, eine andere Kamera, eine andere Frau? Ich war überall auf der Welt, habe über 800 berühmte Leute fotografiert.“ Wunschlos glücklich also. Obwohl: Er hat da noch vier Buchprojekte in der Schublade, wenn er dafür den passenden Verleger finden würde. Das wäre noch dazu ein Geschenk an Fotofreunde. Wir wünschen es ihm – und uns.

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