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Ein alter Bekannter: Schon im Jahr 2012 wollte man den Kongresssaal umrüsten zu einem modernen Konzertgebäude, hier ein Modell der Düsseldorfer HPP Architekten.

Gasteig-Umbau

Konzertsaal für München: Hintertür zur Museumsinsel

München - Der Präsident der Musikhochschule, Bernd Redmann, übt Kritik am Gasteig-Umbau. Indes steht der Standort Kongresssaal vor einer Wiederbelebung.

Erst entscheiden, dann prüfen; zunächst einmal die neue Lösung herausposaunen, im Anschluss die finanziellen Konsequenzen abschätzen – nach wenig reflektierter Politik klingt das. Vor allem deshalb wird die Entscheidung, Gasteig und Herkulessaal zu sanieren und auf einen weiteren Münchner Konzertsaal zu verzichten, so harsch bis hämisch kritisiert. Die fehlende Untermauerung mit Fakten könnte allerdings auch nach etwas anderem klingen: nach Hintertür.

Unversehens ist nämlich in der Debatte ein alter Bekannter aufgetaucht, der Kongresssaal des Deutschen Museums. 2012 war der Standort Favorit der Konzertsaal-Freunde. Der damalige FDP-Kunstminister Wolfgang Heubisch hatte ihn fast handstreichartig bekannt gemacht, war aber am widerspenstigen Kuratorium des Deutschen Museums gescheitert. Man brauche dort, so argumentierte dieses, Platz für ein eigenes Raumprogramm. Nur: Bislang gibt es dafür weder Konzepte noch finanzielle Mittel. Das bringt nun manchen auf den Gedanken: Warum nicht dort eine Interimslösung während der Gasteig-Sanierung verwirklichen? Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) könnte sich damit offenbar anfreunden. Was den Nebeneffekt hätte, dass die Museumsleute endlich Farbe bekennen müssen, was sie denn mit dem Kongresssaal-Gebäude anfangen möchten.

Rückkehr zum "idealen Standort"?

Zwei Optionen berge das Thema Museum, sagt auch der CSU-Landtagsabgeordnete Markus Blume. „Zu denken ist zunächst daran, ob der ehemalige Kongresssaal mit einer gewissen Ertüchtigung nicht eine überzeugende Interimslösung sein könnte, zumal wenn er in den nächsten Jahren ohnehin ungenutzt ist. Ob dies oder gar mehr möglich ist – als nach wie vor idealer Konzertsaalstandort –, setzt voraus, dass sich die Akteure beim Deutschen Museum ehrlich die Karten legen, ob die eigenen Pläne überhaupt noch verwirklichbar sind beziehungsweise einem Konzertsaal entgegenstünden.“

Sollte sich der Blick wirklich wieder auf die Museumsinsel richten, käme das einer Brüskierung der Konzertsaal-Freunde gleich. Drei Jahre Lavieren und Bitten ohne Ergebnis, um dann zum alten Vorschlag zurückzukehren, da hätte man sich viel Zeit sparen können. Als möglichen neuen Schwenk will man das in der CSU indes nicht werten. „Sollte sich tatsächlich noch eine Variante auftun, die ebenfalls realisierbar wäre, ist das kein Schwenk“, meint Blume. „Das Gute ist schließlich der Feind des Besseren.“

Fragenkatalog der BR-Symphoniker

Kritik kommt unterdessen vom Präsidenten der Münchner Musikhochschule. Die ist bekanntlich nicht nur an der Arcisstraße beheimatet, sondern auch im Gasteig. Ohne vorherige Rücksprache, so Präsident Bernd Redmann, hätten Freistaat und Stadt ihre Vereinbarung getroffen. Für die Hochschule, ohnehin von notorischer Platznot geplagt, würde es damit noch enger. Im Gasteig belegt sie derzeit 3000 Quadratmeter. Die Hälfte davon müsste sie in einem sanierten Kulturzentrum zugunsten von Münchner Philharmonikern und BR-Symphonieorchester abgeben. „Wir sollen rausgedrängt werden, und keinem ist klar, wohin“, ärgert sich Redmann. An ihren vier Standorten verfüge die Hochschule über 12 000 Quadratmeter, notwendig seien aber 17 000 – und nicht weniger. Überdies sei das Hauptgebäude an der Arcisstraße „absolut marode“, beklagt der Präsident. „Und das in einem Umfeld, wo andere Kunsthochschulen in Bayern wesentlich besser gestellt sind. Wir sehen riesigen Nachholbedarf.“ Redmann warnt davor, sein Institut mit einem neuen Standort außerhalb des Zentrums zufriedenstellen zu wollen. „Das darf auf keinen Fall passieren, dass wir in eine Halle am Stadtrand wandern, wohin sich kein Publikum verirrt.“

Nach einigen Tagen der Schockstarre hat sich nun das BR-Symphonieorchester zu Wort gemeldet. Der Vorstand kritisiert, dass man von falschen Erwartungen bei den Besucherzahlen ausgehe. Eine Reihe von Fragen an die politisch Verantwortlichen wurden dazu formuliert. Eine davon: „Weshalb ignorieren Sie die Ergebnisse einer hochrangigen Expertenkommission und entscheiden sich für ein ungeprüftes Modell?“ Und eine wesentlich hintergründigere: „Warum waren bei der Erarbeitung des vorgeschlagenen Modells nur die Münchner Philharmoniker, aber nicht die privaten Konzertveranstalter und nicht das Symphonieorchester vertreten?“

Markus Thiel

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