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Gentleman ist ein engagierter Musiker und alter Fan des 1. FC Köln.

tz-Interview

Gentleman: "Bob Marleys Sohn und ich – das passt!"

München - Gentleman ist Deutschlands erfolgreichster Reggae-Künstler. Am Mittwoch tritt er mit Gästen unplugged im Circus Krone auf. Wir sprachen den Musiker.

Er ist der Sohn eines evangelischen Pastors aus Osnabrück und wuchs in Köln auf – heute ist Gentleman (41) Deutschlands erfolgreichster Reggae-Künstler. Seit 2004 landeten fünf seiner Alben unter den Top Ten der hiesigen Charts, zuletzt das im Juni erschienene Conversations. Dies entstand gemeinsam mit Ky-Mani, Sohn des legendären Bob Marley. Am Mittwoch tritt Gentleman mit Gästen unplugged im Circus Krone auf. Wir sprachen den Musiker.

Ist es etwas Besonderes, Reggae mit einem „echten“ Marley aufzunehmen?

Gentleman: Es ist einfach was Besonderes, mit dem Künstler Ky-Mani zu arbeiten. Wir haben uns auf Anhieb verstanden, und klar ist es auch erstaunlich, wie er Bob Marleys Timbre geerbt hat. Vor drei Jahren habe ich auf einem seiner Alben mitgemacht, dann war er auf einem meiner. Auf der Unplugged-Tour haben wir uns dann richtig angefreundet. Wir haben trotz unserer doch sehr unterschiedlichen Backgrounds eine große gemeinsame Schnittmenge. Schließlich hat er vorgeschlagen, ob wir ein gemeinsames Album machen wollen.

Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit?

Gentleman: Ky-Mani ist sehr offen und interessiert. Wir haben gemeinsam an einem Strang gezogen, und das bringt viel Leichtigkeit in die Arbeit. Es hat einfach alles gepasst.

Gibt es Momente, an denen ihr festgestellt habt: Deutscher und jamaikanischer Reggae sind unterschiedlich?

Gentleman: Ach, in so Kategorien haben wir gar nicht gedacht. Für uns ist Musik die universelle Sprache. Da geht es nicht um deutsch oder andere Nationen. Natürlich fließt die Herkunft immer ein wenig ein. Aber wir wollen ja gerade Grenzen sprengen. Das ist die Kraft der Musik.

Sie waren lange in Jamaika, wurden dabei auch von einem Filmteam für eine Dokumentation begleitet. Wie war die Erfahrung?

Gentleman: Das ging immerhin über sieben Jahre. Da war ich mehr in Jamaika als hier. Mit dem Filmteam verbindet mich inzwischen eine richtige Freundschaft. Eine Sache, die ich in Jamaika gelernt habe, war, dass man dort nichts planen kann. Man erreicht eher etwas, wenn man die Dinge fließen lässt.

Hat das Einfluss auf die Musik?

Gentleman: Bei Musik ist es ohnehin so. Da sollte man immer auf das Gefühl achten, der inneren Stimme folgen. Die Kunst ist es, dieses Gefühl in Musik zu transportieren. Das klappt mal mehr, mal weniger.

Der vor Kurzem verstorbene Münchner Geiger Hannes Beckmann nannte dies den schönen Ton, den man sein Leben lang sucht …

Gentleman: Ich würde es vielleicht anders nennen, aber es trifft schon zu. Man steht oft kurz davor, ihn zu finden. Aber wahrscheinlich findet man ihn nie definitiv. Danach würde man wohl keine Musik mehr machen.

Sie treten auf der Tour unplugged auf. Haben Sie die Lieder stark verändert?

Gentleman: Wir haben die Songs komplett auseinandergenommen, um sie neu zu arrangieren. Man lernt dadurch seine Lieder ganz neu kennen. Man muss manchmal umdenken, weil die Songs einen anderen Spirit bekommen. Das klappt auch nicht mit jedem Lied.

Ist es für Sie anstrengender, mit leiser Begleitung zu singen?

Gentleman: Nein, das nicht, aber die Stimme klingt natürlich anders. Sie hat mehr Raum, ist aber gleichzeitig intimer. Man muss sich schon darauf einlassen. Am Anfang war das schon ungewohnt.

Weg von der Kultur zum Fußball: Sie sind bekennender Köln-Fan, oder?

Gentleman: Ja. Man sucht sich seinen Verein ja nicht aus (lacht). Ich war mit fünf Jahren zum ersten Mal im Stadion, und seitdem bin ich Fan. Man kann sich das ja rational gar nicht erklären, wenn 22 gut bezahlte Männer hinter einem Ball herlaufen und  60.000 Leute auf den Rängen jubeln. Es ist aber auch einfach ein Stück Heimat, mit der man verbunden ist.

Interview: Antonio Seidemann

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