Hardy Krüger. Foto: Jim rakete

Hardy Krüger zu Gast im GOP

München - Eine Stimme, die nach Raufaser klingt: Hardy Krüger zu Gast im Münchner GOP. Eine Kritik:

von jörg heinrich

Gewöhnlich bevölkern Breakdancer, Jongleure oder halsbrecherische Vertikaltuch-Artisten die Bühne des GOP am Münchner Max-II-Denkmal. Doch nun bewies ein vitaler Mann von 82 Jahren: Es muss nicht immer Action sein. Ein Tisch, ein Stuhl, ein Stapel abgegriffener Manuskriptseiten und eine Stimme können genügen, um das Publikum in den Bann zu ziehen - sofern die Stimme nach Raufaser klingt und zu einem immer noch verwegen wirkenden Kerl wie Hardy Krüger gehört. Der Schauspieler und Autor, der jahrzehntelang für die Nachkriegsdeutschen weltenbummelte, las aus seinem neuen Roman „Tango Africano“, der kein klassischer Abenteuerroman ist. Oder vielleicht doch: Hardy Krüger bewies, wie spannend das Abenteuer Leben und das Abenteuer Liebe sein können.

Auf die Lesereise durch Deutschland hat sich der Mann im hellgrauen Anzug, der sich auch heute noch auf jede U-70-Fete schmuggeln könnte, sorgfältig vorbereitet: Aus seinem Werk hat Krüger eine Zwei-Stunden-Fassung gezimmert, die wie eine durchgehende Geschichte klingt, und dem Publikum die übliche Häppchen-Lesung erspart. Zum Dank erwartet er ungeteilte Aufmerksamkeit der Hörerschaft: Das Servieren von Getränken hat sich der Meister verbitten lassen, dabei hätte das Zuhören bei einem samtigen Roten noch viel mehr Freude gemacht. Aber man verzeiht dem Mann gern, der auch nach acht Jahrzehnten auf fünf Kontinenten immer noch unüberhörbar berlinert. Denn die Geschichte, die er zu erzählen hat, klingt süffig genug: Carlos Waller, Pilot in den Sechzigern, ein ewiger Vagabund, trifft an einem 31. Dezember in Berlin auf Annika Amberg, eine weiße Afrikanerin. Ein wollüstiger Tango an Silvester, ein schicksalhafter Kuss an Neujahr. Carlos folgt Annika nach Afrika, wo ihn ein sächselnder Sudanese arretiert. Doch auch vom schwarzen Mann aus Plauen lässt sich der amouröse Weltenbummler nicht lange aufhalten. Wie es weitergeht mit den späten Liebenden, hat Hardy Krüger an diesem Abend für sich behalten. Und sein Publikum ausgedörrt, aber neugierig hinterlassen.

Hardy Krüger:

„Tango Africano“. Bastei Lübbe, 224 S.; 19,99 Euro.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Henry Purcells „King Arthur“: Ein Winternachtstraum

München - Regisseur Torsten Fischer und Choreograf Karl Alfred Schreiner bringen die Semi-Oper „King Arthur“ in der Reithalle heraus. Es ist die beste …
Henry Purcells „King Arthur“: Ein Winternachtstraum

Night of the Proms: Was für ein fideles Fest!

München - Nun singet und seid froh! Die Night of the Proms, der klingende Christkindlmarkt, ist wieder in der Stadt.
Night of the Proms: Was für ein fideles Fest!

Kirk Douglas wird 100: Der Titan des Jahrhunderts

Los Angeles – Wie ein Rammbock bahnte sich Kirk Douglas seinen Weg zum Erfolg. Filme wie „Wege zum Ruhm“ und „Spartacus“ machten ihn unsterblich. Im hohen Alter …
Kirk Douglas wird 100: Der Titan des Jahrhunderts

Rockavaria 2017: Jetzt wird es noch verwirrender

München - Noch immer ist das Rockavaria-Festival 2017 weder angekündigt noch abgesagt. Jetzt äußert sich ein Olympiapark-Sprecher - und macht die Verwirrung nicht …
Rockavaria 2017: Jetzt wird es noch verwirrender

Kommentare