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Konstantin Wecker meldet sich mit einem neuen Album zurück.

Konstantin Wecker: Zurück mit starkem Album

Berlin - Das Warten hat sich gelohnt: Konstantin Wecker meldet sich mit einem starken Album zurück. Dazwischen beschäftigte er sich mit Buddhismus und Faschismus - eine erschreckende Erfahrung, wie er sagt.

Sechs Jahre sind vergangen seit Konstantin Weckers letztem Studioalbum - eine kleine Ewigkeit im schnelllebigen Musikgeschäft. Der Münchner Liedermacher aber, der vor bald 35 Jahren mit Songs wie “Willy“ und dem Album “Genug ist nicht genug“ erste große Erfolge feierte, hat sich offensichtlich inspirieren lassen von dieser Auszeit. “Wut und Zärtlichkeit“, das gerade erschienene neue Album des Sängers, Komponisten, Schauspielers und Autors, überzeugt auf ganzer Linie.

Dabei hatte er anfangs durchaus Zweifel, wie Wecker im dpa-Interview berichtet: “Ich habe fast sechs Jahre lang kein durchgängiges, zusammenhängendes Album mehr geschrieben. Und das hatte mir ein bisschen Angst gemacht. Als ich dann aber im Januar in der Toskana war und das Album geschrieben habe, waren die Musen sehr fleißig. Da bin ich ihnen dankbar.“ Der Rest der CD, auf der auch Gastkünstler wie der sizilianische Liedermacher Pippo Pollina und das Linzer Spring String Quartet zu hören sind, entstand in München, Nürnberg und Berlin.

Eine Mischung aus Wut und Zärtlichkeit

Die Musen meinen es wohl tatsächlich gut mit dem politisch engagierten Poeten; virtuos pendelt Wecker zwischen den titelgebenden Polen des Albums. Die Platte, erklärt er, sei “quasi aufgeteilt in sechs dem Thema Wut und sechs dem Thema Zärtlichkeit zugeordnete Stücke“. Liebeslieder waren stets eine Stärke des Komponisten, diesmal schenkt Wecker seinen Fans herzbewegende Momente in Songs wie “Weil ich dich liebe“ oder “Buona notte“. Um schon im nächsten Stück vom “Weltenbrand“ zu künden, sich über den “heiligen Sarrazin“ zu mokieren oder voll hintersinniger Ironie von Angela Merkel zu schwärmen: “Wir werden vom schönsten Lächeln dieser Welt regiert“.

Zehn Jahre ist es her, da ließ Wecker auf seinem Album “Vaterland“ die “Börsianer tanzen“, nun fordert der 64-jährige Münchner: “Zieht den Börsianern die Anzughosen aus“. Im Gespräch indes gibt sich Wecker versöhnlicher. “Es gibt ja auch anständige Banker und anständige Geschäftsleute.“ Die Finanzindustrie aber, die habe sich “verselbstständigt zu einem Moloch, der alles auffrisst. Und vor allem die Demokratie gefährdet“. Wir müssten aufpassen, mahnt der Barde, “dass wir nicht immer mehr beherrscht werden von nicht-demokratischen, ausschließlich hierarchisch strukturierten Konzernen“.

Erschrocken über die Uniform

Eigentlich, erzählt der Vater zweier Söhne (12 und 14), habe er länger schon das Bedürfnis, sich “zu einem Liebenden zu entwickeln“. Zugleich aber komme ihm “so viel politischer Ärger in die Quere. So vieles, wo ich das Gefühl hab', das kann man einfach nicht unangesprochen lassen“. Zum Luft ablassen und zur Aufklärung nutzt der Songpoet auch das Netz. “Ich habe vor acht Jahren ein Internetportal gegründet, es heißt “Hinter den Schlagzeilen“.“ Auch ein Konstantin Wecker aber muss mal abschalten, “der größte Helfer“ sei ihm da immer schon die Musik gewesen: “Wie ein anderes Universum, ein klingendes Universum der Stille, in das man eintreten kann.“

Zudem beschäftige ihn seit 20 Jahren der Buddhismus. “Ich sehe ihn nicht als Religion. Für mich ist er ganz konkret eine Lebenshilfe.“ Unlängst erst hat Wecker ein Buch herausgebracht mit dem amerikanischen Zen-Meister Bernard Glassman: “Es geht ums Tun und nicht ums Siegen“. Damit nicht genug, ist der umtriebige Künstler demnächst auch im Kino zu sehen. Im Film “Wunderkinder“ (Kinostart: 6. Oktober) schlüpft ausgerechnet Wecker, “nach 40 Jahren aktivem Antifaschismus in die Rolle des Gegners“. Er gibt einen SS-Standartenführer, und er war erschrocken, “dass alleine das Anziehen einer Uniform einen solchen Effekt haben kann. Ich wurde mit dieser Uniform innerhalb von Sekunden zum Arschloch“.

Ehrliche Worte eines Künstlers, der mit seinem aktuellen, zwischen “Wut und Zärtlichkeit“ changierenden Album seinen Rang unterstreicht als einer der wichtigsten deutschen Liedermacher - immer noch.

dpa

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