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Chris Brown.

Konzertkritik aus der Oly-Halle

München wartet auf Chris Brown

München - Lange, sehr lange lässt er sein Publikum warten und dann gibt es mehr Playback als Gesang. Aber tanzen, das kann er. Chris Browns Auftritt in München.

Schriftsteller Samuel Beckett hätte seine Freude daran gehabt: Der Boden ist bereitet, die Olympiahalle kommt daher wie ein gut gefüllter R’n’B-Club – und 6000 Menschen warten und warten und warten... Allerdings nicht vergeblich auf Godot, sondern auf den ohnehin nicht mit dem Ruf eines Musterknaben behafteten Grammy-Gewinner Chris Brown.

Eine Höllennacht will der 27-Jährige seinen Fans bereiten, „One Hell of a Nite“ – das Motto seiner Europatour. Nachdem er drei durchaus umjubelte Acts als Vorprogramm auftreten und dann eine weitere Stunde verstreichen lässt, unterhält sich das Publikum selbst, mit einem kleinen Dance-Battle in der Arena der Olympiahalle.

Tanzen ist ohnehin das, was Brown durch diesen Abend trägt. Der Sänger ist ja durchaus mit einer samtenen Stimme großen Umfangs gesegnet, doch die spielt beim Auftritt in München eher eine Nebenrolle und kommt nur in den Momenten wirklich zur Geltung, in denen das Playback aus ist und Brown a cappella die letzten Takte eines Songs vorträgt.

Allerdings: Der begnadete Tänzer, der Brown ja ist, füllt selbst ohne seine ebenfalls begnadete Tanzcrew die Bühne, der Bad Boy hat Charisma und einen Schlag bei den Fans sowieso. Die kreischen bei den ersten Takten von „Fine by me“, sie kreischen bei Balladen wie „Don’t judge me“ und sie kreischen beim Hit „Yeah 3x“.

Aus sieben prämierten Alben kann Brown schöpfen, sein aktuelles Werk „Royalty“ miteingeschlossen. Obwohl der Gesang größtenteils vom Band kommt, die Show, die Brown liefert, kann sich sehen lassen. Aufs Visuelle reduziert ist die Höllennacht ein Augenschmaus. Zumindest für die treuen Fans hat sich das Warten gelohnt.

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