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Ein Konzertsaal-Neubau im Finanzgarten? Oberbürgermeister Dieter Reiter will eine Entscheidung im ersten Quartal 2015.

Oberbürgermeister im "Merkur"-Gespräch

Konzertsaal: Reiter schließt Neubau am Finanzgarten nicht aus

München - Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) schließt im Gespräch mit dem „Münchner Merkur“ (Freitagsausgabe) nicht aus, dass es doch noch zum Neubau eines Konzertsaales am Finanzgarten kommt – selbst wenn dafür komplizierte Umplanungen erforderlich seien.

Die Ohren müssen den Münchner Philharmonikern geklungen haben, und das nicht, weil sie gerade Beethoven oder Brahms spielen. Unsolidarisches Verhalten wurde ihnen am Dienstag vom Chef des BR-Symphonieorchesters vorgeworfen. Warum man nicht Seit’ an Seit’ für eine Verbesserung der hiesigen Musiksituation kämpfe, wollte Mariss Jansons wissen. Jetzt, über eine Woche nach der umstrittenen Pressekonferenz von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), die eine heftige Konzertsaal-Debatte ausgelöst hat, gibt Münchens städtisches Orchester Laut. Reichlich spät, wie viele meinen.

In einem knapp gehaltenen Brief an ihre Abonnenten verwahren sich Orchestervorstand und Intendant Paul Müller dagegen, sie hätten sich gegen einen neuen Saal ausgesprochen. Ihnen sei an einer konstruktiven Zusammenarbeit aller Beteiligten, an der „Kollegialität“ gelegen. Die derzeitige Diskussion wird in diesem Schreiben als „Medien- und Pressekampagne“ bezeichnet. Ansonsten geht der Brief hauptsächlich auf die geplante Sanierung der Philharmonie ein. Nun könne „ein Saal mit vereinten Kräften geschaffen werden, der mit den internationalen Spitzensälen wie Berlin, Tokio oder Luzern in einer Reihe steht“. Jetzt eröffne sich die Chance, die Philharmonie „zu einem außergewöhnlichen und vor allem zukunftsfähigen Ort der klassischen Musik in München zu machen“.

Nicht nur zwischen den Zeilen ist dem Brief anzumerken, wie sehr man sich in die Rolle des Sündenbocks gedrängt sieht. Auch hinter den Kulissen herrscht bei den Philharmonikern Unverständnis darüber, warum sich alle Welt für das BR-Symphonieorchester einsetzt – und die Verbesserung der Gasteig-Situation dabei ausblendet.

Dass bei der zurzeit so heftig geführten Debatte wirklich „nur“ eine Renovierung von Philharmonie und Herkulessaal und kein neues Konzerthaus herauskommt, darauf wollen sogar die Entscheidungsträger nicht wetten. „Ich bin mir nicht sicher, was am Ende des Diskussionsprozesses stehen wird“, sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Er habe nie behauptet, nun sei eine endgültige Entscheidung gefallen. Reiter hat inzwischen Kulturreferent Hans-Georg Küppers gebeten, zu einer Arbeitsgruppe einzuladen unter Beteiligung des Freistaats, Vertretern beider Orchester und der Firma Metrum – jenes Unternehmens also, das schon einmal die Doppelbelegung des Gasteigs durch Philharmoniker und BR-Symphoniker untersucht hat. Das Ergebnis: Ein geordneter Konzertbetrieb sei in dieser Situation schlicht nicht möglich.

„Wir dürfen nach den Gesprächen mit dem Freistaat nicht den siebten Schritt vor dem ersten tun“, sagte Dieter Reiter. Er verteidigte seine Gespräche mit Seehofer. Sechs Jahre lang habe er sich anschauen müssen, wie in der Stadt immer wieder Beschlüsse zur Sanierung des Gasteigs gefasst wurden – dies aber stets mit dem Zusatz, man müsse erst die Pläne des Freistaats abwarten, ob dieser einen eigenen Saal bauen wolle. „Da ich ein ungeduldiger Mensch bin, habe ich nach meiner Wahl gesagt: Eine solche Diskussion mache ich nicht länger mit. Ich will eine Entscheidung im ersten Quartal 2015.“

Der Oberbürgermeister schließt dabei nicht aus, dass es doch noch zu einem Neubau am Finanzgarten kommen könnte – selbst wenn dafür „komplizierte Umplanungen“ erforderlich seien. Dies bleibe indes eine Entscheidung des Freistaats. „Ein architektonisches Highlight tut München in jeder Form gut – ob es sich um ein Hotel handelt oder um einen Konzertsaal, den der Freistaat Bayern bezahlt.“ Dies jedoch, darauf wies Reiter hin, habe er bereits vor einem Jahr gesagt – „das unterscheidet mich womöglich ein bisschen von meinem Vorgänger“. Die Eigendynamik der vor einer Woche losgebrochenen Debatte habe er unterschätzt, räumte Reiter ein. „Ich habe nicht gedacht, dass es so schwer ist, Tatsachen zu vermitteln.“ Wie der Ministerpräsident hält auch der Oberbürgermeister einen Abriss der Philharmonie für „Unsinn“.

Sollte sich das Seehofer-Reiter-Modell durchsetzen, bekämen die Philharmoniker zwar einen renovierten und, wenn alles gut geht, akustisch ertüchtigten Spielort, müssten aber auch einiges dafür in Kauf nehmen. Das Orchester der Stadt würde zum Beispiel das Erstbelegungsrecht im städtischen Saal verlieren. Darüber hinaus müssten einige Abonnementprogramme im Herkulessaal veranstaltet und dafür die Konzertzahl erheblich aufgestockt werden. Dies wiederum wäre mit einer beträchtlichen Kostensteigerung verbunden.

Reiter wollte das nicht ausschließen, verwies dazu aber auf die davon Betroffenen: „Ich habe diejenigen gefragt, die es wissen müssen, und das sind die Münchner Philharmoniker. Deren Intendant Paul Müller wägt eben ab – und würde ein solches Modell mittragen.“ Die Befürworter eines neuen Saals werden übrigens immer mehr: Rund 22 000 Unterstützer haben bis Donnerstagabend die Online-Petition unterzeichnet, davon etwa 10 000 aus München.

Markus Thiel

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