+
Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer wurden 1962 optisch „geboren“ und für immer geprägt von dem Zeichner Franz Josef Tripp.

Kultursommer in Garmisch-Partenkirchen 2016

Michael Ende: Schöpfer fantastischer Reiche

Garmisch-Partenkirchen - Der Kultursommer in Garmisch-Partenkirchen 2016 zeigt in der Galerie des Marktes Illustrationen zu Michael Endes Werken.

„Es gibt Reichtümer, an denen man zugrunde geht, wenn man sie nicht mit anderen teilen kann.“ Was Momo ausspricht, hat sich ihr Schöpfer Michael Ende sehr zu Herzen genommen. Die Reichtümer seiner Gedankenwelt hat er stets geteilt – mit Freunden und Künstlern. Der Schriftsteller und seine Weggefährten stehen im Mittelpunkt der Michael-Ende-Woche zum Auftakt des Kultursommers in Garmisch-Partenkirchen. Mit einer Ausstellung von Werken der bekanntesten Ende-Illustratoren wurde diese eröffnet.

Die Betrachter werden in der Galerie des Marktes in die fantastischen Welten des Schriftstellers entführt. Und entdecken jede Menge Figuren, die der gebürtige Garmisch-Partenkirchner geschaffen hat: Seien’s Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, Momo und die Grauen Herren, die beharrliche Schildkröte Tranquilla Trampeltreu oder die Schnurpse. Die Künstler verbindet eines: „Sie kannten Michael Ende, waren größtenteils mit ihm befreundet“, erklärt Florian Zwipf-Zaharia, Veranstalter des Kultursommers. Mit ihnen hat sich der Autor getroffen und ausgetauscht. Sie besuchten ihn in seinem Haus in Genzano di Roma, erlebten zusammen unvergessliche Momente und verbrachten Zeit miteinander. Stunden, in denen ernsthaft diskutiert, gelacht und auch einfach nur geblödelt wurde. Ganz im Sinne Michael Endes. Aus diesem Miteinander entstanden Illustrationen, hinter denen der Schriftsteller stand. Die seinen Geist widerspiegeln, seine Worte in zauberhaften Bildern verewigen.

Dass ihre Werke in einer gemeinsamen Schau präsentiert werden, ist nun erstmals in Garmisch-Partenkirchen ermöglicht worden. Um sie zusammenzutragen, begaben sich Nina Rausch und Petra Hugenschmidt auf Spurensuche in ganz Deutschland und dem Elsass – und entdeckten dabei wahre Schätze. Wie die Tusche-Zeichnungen von Franz Josef Tripp, der ab 1962 das Bild von Jim Knopf prägte. Zahlreiche Originale zieren die Wände der Galerie des Marktes und machen Lust, sofort das Buch zur Hand zu nehmen und nachzulesen, was der Bub, der per Paket in Lummerland ankam, und Lukas der Lokomotivführer erlebt haben. Diesen Bildern gegenüber hängen Illustrationen aus „Das Gauklermärchen“, Arbeiten in Scratchboard-Technik (Farbe abkratzen) von 1984 des japanischen Künstler Osamu Tsukasa, die ansonsten in einem Museum in Tokio hängen.

Solche Gegenüberstellungen machen den Reiz dieser besonderen Ausstellung aus. Oder die Schnurpse, die Rolf Rettich 1979 noch mit Ende gestaltete und die in der Neuauflage, die jetzt erschien, von Maja Bohn gemalt wurden. „Spannend“ findet Zwipf-Zaharia, wie die fröhlichen kleinen Freunde, die überall dort auftauchen, wo gute Laune herrscht, 37 Jahre später umgesetzt wurden. Bunter sind sie, haben etwas andere Gesichter und mampfen auch mal einen Hamburger. Dennoch tragen viele Kleidung von anno dazumal, was ihren Charme ausmacht. Zum Bedauern des Kultursommer-Veranstalters waren die Original-Illustrationen, mit denen Ende sein 1973 erschienenes Buch „Momo“ bebildert hat, nicht mehr auffindbar. Dafür sind Friedrich Hechelmanns Interpretationen der Geschichte über das Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte, zu sehen. Bilder, die er im Sinne von Ende gemalt hat, mit dem er 1988 das Bilderbuch „Ophelias Schattentheater“ schuf. „Wir waren vom gleichen geistigen Ursprung“, sagt Hechelmann. Beide sind sie Weltenbauer, Schöpfer von fantastischen Reichen, und regen die Fantasie ihrer Betrachter beziehungsweise Leser an.

Eine weitere Künstlerin ist Roswitha Quadflieg, deren Initialen für die „Unendliche Geschichte“ ein Stockwerk höher in der Dauerausstellung „Der Anfang vom Ende“ zu sehen sind. Zur Sonderschau hat sie ihre Bilder vom Lumpenkasperle für „Lilum Larum Willi Warum“ beigesteuert. Zauberhafte Aquarelle, die wie Annegert Fuchshubers Traumfresserchen-Interpretationen, Manfred Schlüters Tranquilla Trampeltreu und andere Fabelwesen sowie Binette Schroeders Bilder zur Vollmondlegende begeistern und schon für sich allein zum Geschichtenerzählen inspirieren. Diese Kunstwerke zu teilen, wie es jetzt geschieht, ist eine Bereicherung ganz im Sinn von Michael Ende.

Bis 18. September

Di.–So. 14–18 Uhr, Michael-Ende-Kurpark; ab 12. Oktober im Münchner Künstlerhaus am Lenbachplatz.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Männer“ mit „Currywurst“

Herbert Grönemeyer veröffentlicht auf CD-Box „Alles“ sein Gesamtwerk.
„Männer“ mit „Currywurst“

Garretts Geigen-Feuerwerk in der Olympiahalle

München - Auf seiner neuen Tournee heizt David Garrett seinen Fans in München ordentlich ein. In der Olympiahalle präsentiert der Geigen-Virtuose Rockklassiker im neuen …
Garretts Geigen-Feuerwerk in der Olympiahalle

Elf Bücher, die Sie zu Weihnachten verschenken und lesen sollten

Manche behaupten, ein Buch sei ein einfallsloses Weihnachtsgeschenk. Stimmt nicht. Unsere Autorin hat in diesem Jahr bezaubernde, starke, mutige Bücher gelesen, die auf …
Elf Bücher, die Sie zu Weihnachten verschenken und lesen sollten

Neues Album:Die Rolling Stones kommen nach Hause

München - Elf Jahre mussten Fans der Rolling Stones auf neuen Stoff warten, jetzt haben die Altrocker ihr neues Album „Blue & Lonesome“ rausgebracht - wir verraten euch …
Neues Album:Die Rolling Stones kommen nach Hause

Kommentare