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Frederic Lord Leighton (1830–1896) schuf um das Jahr 1889 das Gemälde „Griechische Mädchen beim Ballspielen“.

Villa Stuck: Malerfürsten unter sich

Absoluter Glücksfall: Die Werke von Frederic Lord Leighton sind im Münchner Museum Villa Stuck zu sehen.

Reihenweise schrieben die damaligen Journalisten Artikel über dieses wundersame, kreative, beeindruckende Künstlerhaus in London. Außen schlicht und für das 19. Jahrhundert hypermodern war das Leighton House drinnen eine Huldigung ans Kunsthandwerk: Ein Pfau im Treppenhaus bestimmte das Farbkonzept der Prachträume, die zum einen in der oktogonalen „Arab Hall“ mit einer immensen orientalischen Fliesensammlung gipfelten, zum anderen im Atelier des Hausherren.

Frederic Lord Leighton (1830-1896) präsentierte sich dort zwischen Büchern und Staffeleien als Intellektueller – der eigentlich Eigenwerbung in diesem großen Stil gar nicht gebraucht hätte. Schließlich war er der einzige Künstler, der von der Queen zum Baron ernannt wurde. Jetzt sind die Werke des englischen Kunstadels bei seinem Seelen- und Standesverwandten Franz von Stuck zu sehen.

Wegen der Renovierungsarbeiten in London konnte man Leightons künstlerischen Hausstand nach München schicken – ein absoluter Glücksfall. Dem Weltreisenden Lord wird für seinen ebenso elegischen wie hochkarätigen Viktorianismus eine perfekte Herberge geboten. Jetzt spielen also die griechischen Mädchen von 1889 in München Ball: Vor strengem Ornament an den Wänden entfaltet sich eine windbewegte Szenerie, die aus wallenden Gewändern, wehenden Haaren und schimmernden Leibern vor antiken Säulen und zerklüfteten Buchten besteht.

Leighton betrieb immensen Aufwand für derlei Pracht in Öl. Den Anfang machten viele Detail-, Akt- und Kompositionsstudien. Die Queen schätzte die Perfektion Aus diesem Puzzle stellte er eine Kompositionsskizze in Umrisslinien zusammen, übertrug sie auf die Leinwand und vollendet alles mit Farblasur. Als nächster Schritt folgten Gewandstudien, die er ebenfalls übertrug, wiederum Farbskizzen darüberlegte und endlich zu einer perfekten Oberfläche gelangte.

Diese Perfektion schätzte nicht nur die Queen, die bei seiner ersten Ausstellung in der Royal Academy 1855 das Sensationsbild von einer Prozession kaufte und damit Leightons Ruhm begründete. Bevor Leighton zum Mitglied und 1878 zum Präsidenten der Royal Academy wurde und dort prägend auf Stil und Lehre einwirkte, war er eher ein Weltreisender.

Ab seinem zehnten Lebensjahr hatte die Familie wechselnde Wohnsitze, mitunter machte er sich älter, um an der jeweiligen Akademie studieren zu dürfen. Frederic lebte in Paris, Florenz, Rom oder Berlin. Entscheidend wurde der Einfluss Edward von Steinles, Direktor des Städelschen Kunstinstituts in Frankfurt. Die Nazarener lassen auf manchen Gemälden grüßen.

Die humanistische Bildung und die internationalen Einflüsse machen sich bei den Antikendarstellungen bemerkbar. Brunelleschis Tod (1852) vor dem Dom in Florenz und der pittoresken Straßenszene lässt Formstrenge ebenso spüren wie Erzähllust und Freude am Stofflichen. Stundenlang stand einst sein später wichtigstes Modell am Gartenzaun, um von ihm entdeckt zu werden: Im Bild sieht man das Ringen um immer neuen Ausdruck in ungewöhnlich weicher, wolkiger Manier.

Später hat Leighton seine Sensibilität in sehnsüchtige Darstellungen gelegt: Klytia trauert um den scheidenden Apoll, und der ganze Himmel formt pure Emotion. Gegenpole dazu sind Bronzen kraftstrotzender Athleten. Zahlreiche Studien und Skizzen belegen nicht nur ein perfektes Gefühl für Körper und Bewegungen. Sie überzeugen mit handwerklicher Raffinesse und farblich großzügigem Umgang als Kunstwerke für sich: erstaunlich traditionell und gleichzeitig erstaunlich modern wie Leighton eben auch.

Bis 13. September, Tel. 089/45 55 510; Katalog, Prestel Verlag: 24,90 Euro. Im Übrigen gibt es beim Museumspädagogischen Zentrum einen Juniorkatalog (3 Euro) zur Villa Stuck und Infos unter www.mpz.bayern.de.

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