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Überraschender Tod mit 57 Jahren: Prince starb am Donnerstag.

Nach dem Tod von Prince

Im Himmel steigt ein Popkonzert

Prince ist tot – und spätestens jetzt hat mancher Musikfan Gedanken wie Carolin Kebekus. Die Komikerin schrieb als Reaktion auf die Todesnachricht: „Wenn es Gott wirklich gibt, stellt der sich da oben gerade ’ne geile Band zusammen.“ Sie hat Recht: In den vergangenen 17 Wochen sind viele stilprägende Musiker gestorben.

Zuerst ging ein Mann, von dem es bis dato gern geheißen hatte, einen dritten Weltkrieg würden nur er und die Kakerlaken überleben. Doch kurz nach seinem 70. Geburtstag starb am 28. Dezember Lemmy Kilmister, Herz, Seele, Bassist und Sänger von Motörhead. Eine Legende, bereits zu Lebzeiten.

Natürlich ist alles ein großer, trauriger Zufall. Doch rückblickend wirkt es, als habe Kilmister unabsichtlich eine Schleuse geöffnet. Ob im Gespräch oder in den Sozialen Netzwerken – viele Menschen sind der Meinung, dass spätestens jetzt 2016 genug gestorben wurde. Denn nicht nur Musiker haben uns verlassen – auch in der Politik (Hans-Dietrich Genscher, Guido Westerwelle), in der Literatur (Umberto Eco, Harper Lee, Imre Kertész), im Kino- und Fernsehgeschäft (Alan Rickman, Roger Willemsen, Peter Lustig, Maja Maranow) häuften sich zuletzt die Todesfälle.

David Bowie starb am 10. Januar – zwei Tage nach Erscheinen seiner Platte „Blackstar“.

Jeder einzelne war bitter, doch besonders schockierend waren die Nachrichten aus dem Musikzirkus: Am 10. Januar starb David Bowie im Alter von 69 Jahren – sein zwei Tage zuvor erschienenes Album „Blackstar“ wurde zum Vermächtnis. Wie aus dem Nichts schlug Ende März die Meldung vom Tod Roger Ciceros ein – der Sänger war gerade mal 45 Jahre alt, als er den Folgen eines Hirninfarkts erlag. Auch Prince ist mit 57 unerwartet früh gestorben– von den drei Superstars der MTV-Ära (Madonna, Michael Jackson, Prince sind alle Jahrgang 1958) lebt jetzt nur noch die Sängerin. Madonna würdigte Prince auf Instagram als „wahren Visionär“ – er habe „die Welt verändert“.

Roger Cicero, Pop- und Jazzmusiker, starb am 24. März mit 45 Jahren an den Folgen eines Hirninfarkts.

Noch herrscht Unklarheit über die Todesursache; eine Obduktion soll Gewissheit bringen. Waren es die Folgen einer verschleppten Grippe, die den schmächtigen Körper und das Herz angriffen? Hinweise auf Drogenmissbrauch oder einen Suzid gebe es nicht, teilten die Behörden am Freitag mit. Von einer Medikamenten-Abhängigkeit, die etwa Michael Jackson das Leben kostete, ist nichts bekannt.

Allerdings gibt es Indizien dafür, dass Prince seit längerer Zeit nicht fit war. Am 7. April wurde den Fans vor dem Fox-Theatre in Atlanta mitgeteilt, er müsse zwei nacheinander für den Abend geplante Auftritte absagen. „Er kämpft mit der Grippe“, begründete das Management.

Maurice White, Gründer von Earth, Wind and Fire, starb am 3. Februar.

Eine Woche später holte der Musiker die Konzerte nach. Aufnahmen zeigen ihn mit Gehstock auf dem Weg zur Bühne. Am nächsten Tag, als er im Privatjet nach Minnesota flog, musste der Pilot auf dem Regionalflughafen von Moline (Illinois) notlanden – und Prince in eine Klinik. Der Grund für den Aufenthalt ist unbekannt. Kurz danach gab er jedoch eine Party in seinem Wohn- und Arbeitssitz Paisley Park – wohl um zu zeigen, dass es ihm besser gehe. Am 19. April wurde er dann das letzte Mal in der Öffentlichkeit gesehen: als Gast im Dakota Jazz Club in Minneapolis. Sein Chauffeur brachte ihn vor Mitternacht nach Hause. Dorthin, wo nun Blumen und Karten liegen. Seine Fans versammelten sich in der Nacht auf Freitag auch vor dem First-Avenue-Club im Zentrum von Minneapolis, um mit Musik von Prince durchzufeiern. Der Sänger hatte dort den Film „Purple Rain“ gedreht, der 1984 in die Kinos kam. Der 27-jährige Asher Wade hatte sich zum Zeichen der Trauer eine lila Träne auf die Wange gemalt. „Ich bin mit seiner Musik aufgewachsen. Es bricht mir das Herz.“ Das Motiv der lila Tränen nahm auch das US-Magazin „New Yorker“ auf und widmete dem Verstorbenen sein Titelbild.

Natalie Cole, Sängerin, Tochter von Nat King Cole, starb am 31. Dezember.

Bestürzt reagierten zudem zahlreiche Prominente auf den Tod des Popstars. „Wir haben eine kreative Ikone verloren“, erklärten etwa US-Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle. „Sein Talent war grenzenlos“, würdigte Mick Jagger den Kollegen. „Er war einer der einzigartigsten und spannendsten Künstler der vergangenen 30 Jahre“, sagte der 72-jährige Sänger der Rolling Stones.

Der Tod des Künstlers führte weltweit zu einer verstärkten Nachfrage nach seiner Musik. In Deutschland waren die Alben „The very Best of Prince“ und „Ultimate (The very Best of Prince)“ bereits wenige Stunden nach Bekanntwerden der Todesnachricht die am meisten im Internet gekauften Platten, wie die Marktforscher von GfK Entertainment mitteilten.

Michael Schleicher, Friedemann Diederichs

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