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Umschwärmt: Johan Botha als Parsifal bei den Salzburger Osterfestspielen 2013. 

Nachruf

Johan Botha - der Stimmgewaltige

München - Trauer um den südafrikanischen Tenor Johan Botha, der nach langer Krankheit im Alter von 51 Jahren gestorben ist. Lesen Sie hier unseren Nachruf:

„Not tut ein Held“, singt es Göttervater Wotan in Wagners „Walküre“. Wenige Tenöre unserer Zeit dürften dieses Prädikat so sehr verdient haben wie Johan Botha, der gestern nach langer schwerer Krankheit mit gerade einmal 51 Jahren den Folgen eines Krebsleidens erlag. Mit seinem Tod verliert die Opernwelt einen Sänger der alten Schule, der auch im deutschen Fach mit italienischem Schmelz in der Stimme zu überzeugen vermochte und damit Maßstäbe setzte.

Der 1965 in Rustenburg geborene Botha ließ sich zunächst in seiner südafrikanischen Heimat ausbilden, wo er 1989 als Max in Webers „Freischütz“ debütierte. Ein Jahr später wagte er den Sprung nach Europa und erlebte seinen ersten Bayreuther Sommer, damals noch im Festspielchor. Nach diesen bescheidenen Anfängen und Zwischenstationen in Kaiserslautern, Hagen und Bonn dauerte es nicht lange, bis größere Bühnen auf die ebenso kraftvolle wie geschmeidige Stimme aufmerksam wurden. Eine künstlerische Heimat und neuen Lebensmittelpunkt fand Botha mit seiner Familie Mitte der Neunzigerjahre in Wien, wo er allein an der Staatsoper in mehr als 230 Vorstellungen auf der Bühne stand. Kaum ein Opernhaus von Rang konnte und wollte auf seine Dienste verzichten. Ob an der New Yorker Met, am Londoner Covent Garden, in Paris oder bei den Salzburger Festspielen: Wo immer es galt, die gefürchteten Tenorpartien von Wagner und Strauss zu besetzen, war der stimmgewaltige Südafrikaner erste Wahl.

In München triumphierte Botha in der „Frau ohne Schatten“

2010 schließlich die gefeierte Rückkehr nach Bayreuth, wo er als Siegmund im „Ring“ unter der Leitung von Christian Thielemann selbst alteingesessene Wagnerianer zum Schwärmen brachte und diesen Erfolg drei Jahre später unter Kirill Petrenko wiederholte. Botha deshalb als reinen Wagner- und Strauss-Spezialisten abzustempeln, würde jedoch zu kurz greifen. Neben Paradepartien wie Parsifal, Stolzing, Lohengrin und Bacchus wusste der Tenor ebenfalls im italienischen Fach zu reüssieren. So etwa in den großen Puccini-Rollen, vor allem aber als Verdis Otello, mit dem er auch mehrfach an der Bayerischen Staatsoper zu erleben war.

Bestens in Erinnerung ist dem Münchner Publikum zudem sein triumphaler Auftritt als Kaiser in Petrenkos Antrittsproduktion „Frau ohne Schatten“ – eine weitere Glanzrolle Bothas, die er bei den Opernfestspielen 2017 hätte wiederholen sollen.

Zwei umjubelte Aufführungen von Puccinis „Turandot“ an der Staatsoper galten vor gerade einmal zwei Monaten zusammen mit Vorstellungen als Siegmund in Budapest als Comeback: Der Sänger meldete sich damit nach mehrmonatiger krankheitsbedingter Pause eindrucksvoll zurück. Es waren seine letzten Opernauftritte. Vor drei Wochen gab er noch eine Gala zu Gunsten der Südafrikanischen Krebshilfe in Kapstadt. Mehr war Johan Botha und seinen Fans nicht vergönnt.

Tobias Hell

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