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Haben später gute Chancen: aufmerksame Schüler beim Unterricht.

Unser Bildungssystem unter der Lupe

Neue OECD-Studie: Gute Chancen - viele Abbrecher

München - Eine neue OECD-Studie offenbart die Mängel im deutschen Bildungssystem. Die Zahl der Abbrecher bleibt konstant. Bayern nimmt dabei einen traurigen Spitzenplatz ein.

Eine neue OECD-Studie nimmt das Bildungssystem in Deutschland und 34 weiteren Industrieländern unter die Lupe. Das Ergebnis: Der überwiegende Teil der Jugendlichen in Deutschland nutzt die guten Chancen durch Bildung und Ausbildung für seine berufliche Karriere. Trotzdem bleibt die Zahl der Schulabbrecher konstant. Die Ergebnisse im Überblick:

Übergang von Schule und Beruf: Nur 8,6 Prozent der 15- bis 29-Jährigen waren 2015 nicht in Bildung, Ausbildung oder Beschäftigung - der niedrigste Anteil in den OECD-Ländern nach Island, den Niederlanden, der Schweiz und Luxemburg (6,2 bis 8,4 Prozent). Zehn Jahre zuvor hatte der Anteil der Menschen ohne Schule, Ausbildung oder Job in Deutschland mit 14,7 Prozent noch fast auf dem seither fast unveränderten OECD-Schnitt gelegen.

Bildungsministerin Johanna Wanka.

Geringqualifizierte: Ohne abgeschlossene Berufsausbildung oder Abitur sind 13 Prozent der heute 25- bis 34-Jährigen. Hier gibt es wenig Erfolge - bei den 55- bis 64-jährigen sind es 14 Prozent. In anderen Ländern verringerte sich der Anteil der Geringqualifizierten in den vergangen 30 Jahren deutlich: in Österreich von 23 auf 10, in der Schweiz von 16 auf 8 Prozent.

Frühkindliche Bildung: Hier hat sich viel getan: 94 Prozent der Dreijährigen gehen in Kita oder Kindergarten - im OECD-Schnitt sind es nur 71 Prozent.

Budget: Zwischen 2008 und 2013 erhöhte Deutschland trotz sinkender Schülerzahlen seine Bildungsausgaben. 4,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes fließen in Bildungsinstitutionen - im OECD-Mittel sind es 4,8 Prozent. Auffällig: Ausgerechnet für die wichtige frühkindliche Bildung in der Kita müssen die Eltern mehr zahlen als im OECD-Schnitt.

Lehrer: Der Nachwuchs hat es schwer. Jeder zweite Lehrer von Haupt- und Realschulen ist über 50 Jahre alt (OECD-Schnitt: 34 Prozent, Sekundarstufe 1), an den Gymnasien sind es 43 Prozent (OECD: 38 Prozent).

Abschlüsse: Ordentlich: 87 Prozent der 25- bis 64-Jährigen haben mindestens einen Abschluss von Gymnasium, Berufsschule oder Abendschule. Der Anteil junger Erwachsener mit akademischen oder höheren beruflichen Abschlüssen stieg zwischen 2005 und 2015 von 22 auf 30 Prozent.

Der Sitzenbleiber-Atlas

Mal wieder eine Spitzenpostion für den Freistaat in einem Bildungs-Rangliste - doch die Freude über Platz Eins dürfte nicht ganz ungetrübt sein. "Bayern dominiert das Sitzenbleiber-Ranking", heißt es in einer vom Verbraucherportal billiger.de in Auftrag gegebenen Erhebung.

Blick in eine deutsche Schulklasse.

Dafür wurden die Zahlen der 122 größten deutschen Städte verglichen. Unter den ersten 15 Städten finden sich zehn bayerische. Eitel Sonnenschein dagegen im Baden-Württembergischen Aalen – dort kamen auf 1000 Schüler nur neun Sitzenbleiber. Im Durschnitt mussten in den untersuchten Städten 1,97 Prozent der Schüler eine Ehrenrunde drehen.

Das ist nicht nur ärgerlich für die betroffenen Schüler, sondern auch teuer für den Steuerzahler. Jede Klassenwiederholen schlägt laut OECD mit 34.000 Euro zu Buche - bei 52.982 Sitzenbleiber allein in dieser Studie macht das für den Steuerzahler 1,8 Milliarden Euro Mehrkosten aus!

In einigen Bundesländern ist das Sitzenbleiben mittlerweile kaum noch möglich. In Berlin etwa können Schüler nur noch auf ausdrücklichen Wunsch der Eltern hin eine Klasse wiederholen, in Hamburg muss die Schulbehörde das Sitzenbleiben in Einzelfällen genehmigen. In Schleswig-Holstein können Schüler nur noch in der sechsten oder neunten Klasse sitzenbleiben. In Bayern hingegen gilt das Sitzenbleiben - ähnlich wie in Hessen und Mecklenburg-Vorpommern - weiter als pädagogisches Konzept.

Die 20 Sitzenbleiber-Hochburgen

In diesen deutschen Städten ist die Quote der Klassenwiederholer in allen Schulformen am höchsten

Stadt

Land

Sitzenbleiberquote

Coburg

Bayern

3,8 %

Fürth

Bayern

3,7 %

Hof

Bayern

3,7 %

Weiden/Oberpfalz

Bayern

3,5 %

Hanau

Hessen

3,5 %

Bamberg

Bayern

3,5 %

Nürnberg

Bayern

3,5 %

Bayreuth

Bayern

3,4 %

Schweinfurt

Bayern

3,3 %

Rosenheim

Bayern

3,3 %

Salzgitter

Niedersachsen

3,3 %

Schwerin

Mecklenburg-Vorpommern

3,2 %

Gießen

Hessen

3,2 %

Neubrandenburg

Mecklenburg-Vorpommern

3,2 %

Kempten

Bayern

3,0 %

Augsburg

Bayern

3,0 %

Regensburg

Bayern

2,9 %

München

Bayern

2,9 %

Ingolstadt

Bayern

2,8 %

Stralsund

Mecklenburg-Vorpommern

2,8 %

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