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Primaballerina Lucia Lacarra und ihr Mann Marlon Dino verlassen das Bayerische Staatsballett.

Nach dem Chef-Wechsel

Bayerisches Staatsballett: Dem Neuen eine Chance geben

München - Durch den Chef-Wechsel verändert sich das Staatsballett: Das ist ganz normal, dennoch sind einige Tänzer und Fans in Aufruhr.

Volle 27 Jahre, genau von 1989 bis 2016, unaufgeregte und , ja, durchaus fruchtbare Kontinuität des Bayerischen Staatsballetts. Denn der zu Saisonende scheidende Ballettchef Ivan Liška, 1998 Wunschkandidat der Staatsballett-Gründerin Konstanze Vernon, führte mit ihren beiden Stützen, dem Klassik-Spezialisten Wolfgang Oberender und der Expertin fürs Moderne Bettina Wagner-Bergelt, quasi in Erbfolge die schon etablierte zweigleisige Repertoire-Politik bruchlos weiter.

29 Tänzer verlassen das Ensemble

Und nun die Tanzgemeinde in hellem Aufruhr! Unter Liškas Nachfolger, dem Russen Igor Zelensky, verlassen 29 von insgesamt 66 Tänzern das Ensemble, entweder wegen Nichtverlängerung des Vertrags oder – gängiges Prozedere bei Chefwechsel – durch ungünstige Bedingungen zu unfreiwilligem Abschied gedrängt. Für Tänzer ist das eine berufliche, von vornherein in Rechnung zu stellende Erschütterung: Jeder neue Direktor formt seine eigene Crew, darf, muss sein eigenes Profil zeigen.

Die Münchner Intendanten Martin Kušej und Matthias Lilienthal haben ihr Residenztheater respektive die Kammerspiele in Verwaltung und Ensemble grundlegend erneuert. Und kein Aufschrei, nirgends. Übrigens: Bei ihrem Amtsantritt verjüngte Vernon das Ensemble gleichermaßen drastisch. Dito Stuttgarts berühmter John Cranko 1968 bei seiner zusätzlichen Leitung des Münchner (damals noch) Opernballetts.

Die Primaballerina äußert sich in einer Art Pressekonferenz

Einige der aktuell Betroffenen zwischen 35 und 45 hätten ohnehin eine neue Laufbahn angestrebt. Andere haben bereits ein Engagement gefunden. Münchens Primaballerina Lucia Lacarra und Ehemann Marlon Dino, die ursprünglich zumindest noch ihr 15. Jahr im Ensemble bleiben wollten, gingen jetzt mit einer Art Abschieds-Pressekonferenz an die Öffentlichkeit, was eher unüblich ist. Entnommen hat man diesem Gespräch, dass die Kommunikation mit Zelensky schwierig war, er ihnen zu wenige Auftritte zugestanden habe: wegen der großen Anzahl seiner neuen Solisten, die zum Teil aus seinem parallel weitergeführten Moskauer Stanislavsky-Ballett stammen. Ob Zelensky diese Doppelleitung gelinge, sei nicht sicher. Hier stimmt man Dino zu. Er sei als Albaner mit autoritären Vorgehensweisen vertraut, sagt er. Und er mag auch hier richtig liegen mit seiner Ansicht, dass Zelensky lernen und bereit sein müsse, sich auf hiesige Verhältnisse einzustellen.

Dem Neuen Zeit lassen, sich umzustellen

Dazu sollte man dem Neuen aber auch Zeit lassen. Möglich, dass die beiden ersten Solisten doch zu ungeduldig  waren. Andererseits gestehen  sie, vor allem Lacarra – überaus apart anzusehen und sowieso eine der Welt schönsten Tänzerinnen –, dass sie technisch zurückstecken müssen. Dennoch: Statt der von Zelensky zugesagten zwölf hat sie nun bis Ende des Jahres 40 Vorstellungen. Ähnlich wie der andere Weltstar Sylvie Guillem wird Lacarra mit Dino in Russell Maliphants moderner Company tanzen, weiterhin weltweit in Galas; mit jeweils festen Gastverträgen auch in Victor Ullates Madrider Compagnie und am Theater Dortmund, wo das Paar in Ballettchef Xin Peng Wangs Kreation „Faust II“ schon am 29. Oktober zu sehen ist.

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