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"Wir diskutieren auch im echten Leben ständig über Religion", sagt Nikolaj Lie Kaas über sich und seinen Schauspielpartner Fares Fares (li.). Ihre Ansichten sind jedoch genau gegensätzlich zu denen ihrer Filmfiguren Carl Mørck (re.) und Assad. Zusammen sind sie in "Erlösung" nach dem Thriller von Jussi Adler-Olsen in den deutschen Kinos zu sehen.

Interview zum Kinostart von "Erlösung"

Nikolaj Lie Kaas: „Das Wichtigste ist die Hoffnung“

München - Nikolaj Lie Kaas ist einer der dänischen Film- und Theaterschauspieler. International bekannt wurde er durch Filme wie „Adams Äpfel“, „Illuminati“ oder „Men & Chicken“. Nun ist er wieder als Kommissar Carl Mørck in der dritten Verfilmung eines Jussi Adler-Olsen-Krimis zu sehen: „Erlösung“ spielt im Umfeld einer Sekte. Ein Gespräch mit dem 43-Jährigen über Glauben und Träume.

Ich bin froh, Sie lächeln zu sehen! Ist Ihr abweisender Blick in den Adler-Olsen-Verfilmungen also echte Schauspielkunst – und nicht Teil Ihrer Persönlichkeit?

(Lacht herzlich.) Tatsächlich ist es sehr einfach für mich, nicht zu lächeln! Nachdem wir den ersten Film „Erbarmen“ gedreht hatten, kam der Regisseur auf mich zu und sagte: „Dir ist schon aufgefallen, dass du nicht ein Mal gelächelt hast?“ Doch ich hatte es gar nicht bemerkt.

Im mittlerweile dritten Film haben Sie wieder nicht viel zu lachen – der Zuschauer dafür dann und wann schon. In „Erlösung“ lernen wir die Persönlichkeiten von Assad und Carl besser kennen, das macht diesen Krimi sehr unterhaltsam. War das am Set spürbar?

Absolut! Ich finde auch, das ist das bisher beste Buch. Weil es die Charaktere mit der Geschichte verknüpft. Der Kriminalfall ist plötzlich Teil ihrer eigenen Probleme, ihrer Beziehung untereinander, ihrer unterschiedlichen Sicht auf die Welt.

"Toleriere den Glauben des anderen!"

Es geht um die großen Fragen: Religion, Gut und Böse, Schicksal – Themen, mit denen Sie sich auch selbst befassen?

Na klar! Das sind Themen, mit denen du dich auseinandersetzen musst – und die du auch mit den Menschen um dich herum diskutieren solltest. Das erweitert den Blick auf die Welt, und du lernst dein Gegenüber erst richtig kennen. Frag’ den anderen, woran er glaubt. Und toleriere das, lass’ dich auf Neues, Unbekanntes ein!

Sprachen über Träume, den Glauben und das Kino: Nikolaj Lie Kaas und unsere Redakteurin Katja Kraft.

Carl sagt, dass Religion wie eine Psychose sei – weil sie Menschen dazu bringt, Dinge zu tun, die sie sonst nicht tun würden. Hat er Recht?

(Schmunzelt.) Auch das ist wichtig zu diskutieren. Menschen brauchen etwas, woran sie glauben können – ob das nun Religion ist oder die Zukunft der Kinder oder was auch immer. Aber wenn dieser Glaube sich ins Fanatische steigert, können schreckliche Dinge passieren. Religion ist weder gut noch schlecht – sie muss im Maß sein. Carl ist da sehr radikal, er sagt, Glaube sei Dummheit. Doch das zu sagen, ist dumm.

Er ist da nicht ehrlich zu sich selbst. Denn auch er glaubt ja – an die Menschlichkeit.

Genau! Das Lustige ist, dass die Charaktere hier komplett mit denen der Schauspieler vertauscht sind: Fares, der den Gläubigen Assad spielt, ist in Wahrheit totaler Atheist, und ich bin sehr spirituell. Wir diskutieren auch im echten Leben ständig darüber – nur mit umgekehrten Positionen.

Das Ergebnis Ihrer Diskussionen?

Vielleicht, dass das Wichtigste die Hoffnung ist. Ich glaube, die größte menschliche Stärke ist, Hoffnung zu haben. Dabei sind wir hoffnungsvoller, als wir es sein sollten. Denn das meiste, wovon wir träumen, geht ja nicht in Erfüllung. Es gibt diese TV-Dokumentation, bei der mehrere Personen von der Kindheit an bis ins hohe Alter alle sieben Jahre gefilmt wurden. Und das wirklich Deprimierende ist, dass fast kein Traum wahr geworden ist. Nur einer lebt genau so, wie er sich das mal ausgemalt hatte.

"Meine Träume sind wahr geworden"

Aber das muss ja nicht schlecht sein. Träume können sich ändern...

Absolut! Das Schreckliche ist nur, wenn du dich mit weniger zufrieden gibst als du dir mal vorgenommen hattest.

Wovon haben Sie als Kind geträumt? Sind Ihre Wünsche wahr geworden?

Hm, also als erstes wollte ich Polizist werden. Und das wurde ich! Dann wollte ich Komiker werden – und auch das hat geklappt!

Ihre Träume sind also wahr geworden!

Stimmt! So habe ich das selbst noch nie gesehen, das ist toll! (Lacht herzlich.)

Das Publikum träumt davon, dass die Adler-Olsen-Reihe nicht schon nach vier Filmen endet, wie angekündigt. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch die darauffolgenden Bücher verfilmt werden?

Da müssen Sie mit Adler-Olsen sprechen. Ich habe bisher nicht gehört, dass er die Rechte für weitere Bücher verkaufen möchte.

Und wenn doch: Würden Sie weitermachen?

Das hängt von der Geschichte ab. Nur wenn ich den Drang spüre, dass sie weitererzählt werden muss, bin ich dabei. Nicht nur, um weiterzumachen. In diesem Fall wollte ich weitermachen, weil „Erlösung“ eine ganz neue Tiefe hat. Das lohnt, erzählt zu werden.

Das Gespräch führte

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