Plötzlich das Meer

- Wer seinen Strandurlaub noch vor sich hat, für den ist der Erscheinungstermin des neuen Romans von Hanns-Josef Ortheil gerade richtig: "Die große Liebe" ist ab heute im Buchhandel zu haben. Eine Schnulze der besonderen Klischees. Hieße der Autor nicht Ortheil, hätte es dieses Buch gewiss schwer gehabt, einen so renommierten Verlag wie Luchterhand zu finden.

<P>Ortheil erzählt die Geschichte des TV-Journalisten, der zwecks Meeresrecherche von seinem Wohnsitz München aus an die italienische Adriaküste reist, nach San Benedetto in den Marken.</P><P>So wenig reizvoll dieser Ort selbst ist, so attraktiv ist dafür Franca, die schöne Dottoressa und Museumsdirektorin. Das also ist die große Liebe. Aber natürlich gibt es Schwierigkeiten: Die junge Frau ist bereits versprochen, und der Ehrbegriff des Bräutigams stammt aus dem 19. Jahrhundert. Genug Anlass, die Lovestory mit mafiosen Handlungsmustern zu kreuzen und somit auf ziemlich einfache Weise Lesespannung zu erzeugen. Ortheil lässt's an nichts fehlen: kennerische Nachtmahle, lebensbedrohliche Überfälle, heiße Liebesnächte, turbulente Bergfahrten. Dazu der Hotelportier Carlo, der alles weiß, vieles ahnt, immer warnt.</P><P>Die Story ist Kolportage. Dessen ist sich der Autor wohl bewusst, aber er tut so, als sei dies Absicht. Man mag's nicht glauben, denn die zweite Ebene des Buches, die Reflexion des Ich-Erzählers, der das jeweils Erlebte noch einmal schriftlich festhält, ist kaum mehr als formale Koketterie. Eine stilistische Ausrede. ",Plötzlich das Meer, ganz nah, dachte ich, so müsste dieser Roman anfangen, mit der ersten, mir in Erinnerung gebliebenen Beobachtung, ,plötzlich das Meer, ganz nah, das wäre mein erster Satz", lässt Ortheil irgendwann seinen "Helden" notieren, nachdem das doch genau die ersten Worte auf der ersten Seite dieses Buches sind.</P><P>Es schmökert sich so weg. Aber mit Unbehagen. Zudem wird man den Eindruck nicht los, dass Ortheil hier so manchen Hotels und Restaurants ein herzliches Dankeschön für großzügige Gastfreundschaft hinterhergeschrieben hat.Hanns-Josef Ortheil: "Die große Liebe". Luchterhand Verlag, München; 317 Seiten; 22, 50 Euro.<BR></P>

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