Qualvoller Kampf zwischen Herz und Hirn

- Schön stürmisch wirbeln hier deutsche und italienische Zeitgenossen die Kunstszenen durcheinander: Mit dem Austauschprojekt "Dallo Scirocco al Föhn" im Zollgewölbe auf der Praterinsel bläst ein frischer Wind in Sachen Ästhetik durch München. Elf Künstler wahren hier zwar einen äußerst angenehmen Schein, doch was dahinter steckt, ist eine gar nicht so herzliche Frage nach Menschlichkeit.

Ein Flirt mit der Liebe, idealisiert in den 60er-Jahren im Spielfilm, nachgestellt in einer modernen Kneipe als Kontaktritual-Video, ist beispielhaft: Stephanie Pelz nutzt Klischees, um zu irritieren und soziale Raster zu enttarnen. Maschine, Gedanke, Vehikel - was ist dieser seltsame Tischschlitten, den Mauro Gighlione in den Raum stellt? Schriftzüge auf den Platten, wunderbar gebogene Eisenträger, darauf Sauerstoffflaschen ergeben ein in sich ruhendes oder gefangenes Transportmittel für die Vernunft. Francesco Arena postiert seine wenig appetitlichen, aber ungeheuer assoziativen und symbolgeladenen Objekte in einem Meer von Blütenblättern, reizvoll farbig leuchten die Fotografien. Wie ein Altar sind seine Bilder angeordnet, das gefangene Herz flankiert von einem mit Nadeln und Stacheldraht traktiertem Gehirn. In der Mitte hängt Claudio Costa den qualvollen Kampf zwischen Herz und Hirn auf Rostplatten an die Sprossenwand.

Die Kunst per se ist das Sujet von Edgar Lorenz, der Tafelbilder als Metallausschnitte im Allgemeinen und Caspar David Friedrichs opulente Werke als grobe Nachmalung im Besonderen hinterfragt. Bildwirkung, Farbe und Plastizität sind auch die Themen von Massimo Palazzis bunten Holzkoffern und weiteren Farb-Raum-Gestaltungen. Licht und Schatten begegnen in Leuchtkästen (Flex), als Stadtumrahmung (Alexander Timtschenko) oder im übertragenen Sinne bei Tobias Wittenborn: Kriegsschiff-Silhouetten, ein Schriftenmeer hinter Folie, ein Wechsel der Gezeiten ist zu sehen. Die Kuratoren Sandra Solimano (Genua) und Erno Vroonen (Aktionsforum Praterinsel) zeigen, dass Kunst mitten ins Leben trifft.Freia Oliv

Bis 27. April, Tel. 089/ 212 38 30. Katalog: 12 Euro.

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