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Eine Glasscherbe in den Arm bohren – dass das auf der Bühne kein Problem ist, zeigte eine Vorführung.

Aufregend unbekannte Theaterluft

So war der Blick hinter die Kulissen im Resi

München - Davon träumen viele Theaterfans: Das Bayerische Staatsschauspiel hat seine Abonnenten am Wochenende zu einem „Blick hinter die Kulissen" geladen.

„Hier spielen sich die eigentlichen Dramen des Theaters ab“, bekennt der Schauspieler Gunther Eckes augenzwinkernd und öffnet die Tür zu einer sehr karg eingerichteten Garderobe auf dem Solistenflur des Münchner Residenztheaters. Vom Glanz und Glamour des Foyers ist hinter der Bühne wenig zu spüren. Und doch schnuppern die Abonnenten des Bayerischen Staatsschauspiels, die am Wochenende zu einem „Blick hinter die Kulissen“ eingeladen wurden, begeistert aufregende Theaterluft.

In Führungen durch das gesamte Haus, Gesprächen zwischen Dramaturgen und Schauspielern, Technikshows und Improvisations-Kursen erfahren die Besucher, wie Theater überhaupt funktioniert. 61 anerkannte Theaterberufe gebe es, erklärt Eckes, sieben Tage in der Woche ein Zweischichtbetrieb, ausgeführt von 450 festangestellten Mitarbeitern, von der Modistin bis zum Rüstmeister, vom Bühnentechniker bis zum Schauspieler. Letztere wüssten am wenigsten Bescheid über die Arbeit am Theater, bemerkt der Darsteller selbstironisch. „Aber ich bin hervorragend im Inszenieren meines Halbwissens.“ Dass „Halbwissen“ eine glatte Lüge ist, beweist er postwendend, als er die neugierige Besuchergruppe mit viel Spaß und Anekdoten aus dem Schauspielerleben, aber auch einer Menge Informationen durch den Irrgarten der Gänge von einer Produktionsstätte zur nächsten lotst.

Ob Maske, Requisiten- oder Kostümlager, Werkstätten oder Rüstkammer, jeder Raum hält für die staunenden Gäste neue Überraschungen bereit. Während die Gewandmeisterin einzelne beeindruckende Kostüme präsentiert, erzählt die Maskenbildnerin, die „nebenbei“ eine neue Perücke knüpft, dass sie auch immer ein bisschen die psychologische Betreuung der Schauspieler übernimmt. Der Requisiteur zerschlägt mit Wonne eine faszinierend echt aussehende Flasche aus Zuckerglas auf dem Kopf des Kollegen, während der Rüstmeister stolz das Geheimnis von Pinocchios wachsender Nase lüftet – ein Mechanismus, den er persönlich aus Zigarrenhülsen gebastelt hat (wir berichteten).

Nebenbei wird bei jeder Führung nicht nur der Ablauf einer Inszenierung von der Auswahl des Regisseurs und Bühnenbildners über die Bauprobe, dann die Fertigung aller Bühnenelemente bis hin zur Premiere geschildert, sondern auch die Geschichte der drei Spielstätten Residenz- , Cuvilliés- und Marstalltheater erzählt. Natürlich werden notwendige Sanierungen nicht verschwiegen. „Der Marstall hängt am letzten Tropf“, betont Beleuchtungsleiter Tobias Löffler. „Es ist mehr Großbaustelle denn Theater.“ Nachdem Modelle von kommenden Inszenierungen wie das der „Räuber“ schließlich noch die Neugier der Abonnenten auf die nächste Saison geweckt haben, endet die Führung im Herzen jedes Theaters, auf der Bühne. „Dies sind die Bretter, die die Welt bedeuten“, deklamiert Eckes theatralisch und strahlt die Abonnenten an, die ein bisschen in diese komplexe und faszinierende Welt eintauchen konnten. „Nie hätte ich gedacht, dass zu einer einzigen Inszenierung so viele Details gehören“, resümiert eine Besucherin am Schluss bewundernd. „Vom Zuschauerraum aus sieht man das sonst gar nicht.“

Melanie Brandl

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