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Vor Ort sind dann doch alle zufrieden.

Mecker-Metaler statt Metal-Mekka

Rockavaria-Besucher als Motz-Meister? So ist es wirklich

München - Bei den Sozialen Medien zeigen sich die Rockavaria-Besucher als Meister des Meckerns. Unser Autor Christoph Ulrich hat dazu eine eigene Meinung: ein Kommentar.

Ginge man ausschließlich nach dem, was die Rockavaria-Besucher auf Facebook, Twitter & Co. in den Kommentar-Funktionen so von sich geben, könnte man zu dem Schluss kommen, dass Metal-Fans eine ganz ungute Gattung sind. Da wird gejammert, gemotzt und pauschal auf die Veranstalter geschimpft. Andersdenkende werden abgekanzelt und musikalisch Aufgeschlossene mit Kraftausdrücken belegt. Bands aus Musikrichtungen, die nicht mit scharfkantigen Gitarren, Riesenschlagzeugen und Monstermasken und erzeugt werden (Mando Diao, Garbage), dürfen sich den Ankündigungen nach darauf freuen, ausgebuht zu werden. Und Spielzeiten werden akribisch eingefordert – Nightwish zu Beispiel, diese Unholde, hätten ganze 7 Minuten zu früh aufgehört, man habe Anspruch auf eine Zugabe.

Überhaupt die Bandauswahl: Inkompetent seien die Verantwortlichen, dem hochwohlfeilen lederbejackten Publikum überhaupt Bands vorzusetzen, die nach 1988 gegründet wurden. Dixie-Klos gehörten in die Stadionarena, wenn schon übergangslos auf den Doppelbühnen gerockt werde – ganz egal, wie die Abpump-Laster in die Arena kommen sollen. Die Liste der Quengeleien ließe sich lange fortführen.

Ein ganz anderes Bild bietet sich auf dem Festival-Gelände: weit weniger Nadelöhre als noch im letzten Jahr ermöglichen schnellen Zugang zu den Bands. Eine Seebühne, die nicht durch bauliche Gegebenheiten eingeschränkten Platz bietet und ein paar Meter weiter Richtung Olympiastadion auf einer Wiese ausgestellt wurde ermöglicht im Gegensatz zum Vorjahr recht einfach Zugang. Dazu kommt überaus freundliches Personal - egal ob am Bierstand, an der T-Shirt-Bude oder bei den Sicherheitsleuten. Die Stimmung ist freundlich, von den Meckerern ist nichts zu hören.

Daraus kann man zwei Lehren ziehen: erstens das sich aus Social-Media-Kommentarfeldern gottlob immer noch kein repräsentatives Bild ergibt. Zweitens, dass sich auch im Rock'n'Roll mittlerweile jene Anspruchshaltung breitgemacht hat, die sich auch im Alltag als unerträglich erweist.

Christoph Ulrich

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Zum Anschauen und Freuen: Bilder vom Rockavaria-Samstag

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