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Nimm mich mit: Ob auch Miriam Fussenegger 2017 wieder dabei ist? Cornelius Obonya hat jedenfalls seinen Abschied bekannt gegeben. 

Salzburger Festspiele

Lohnt sich dieser Mann?

Salzburg - Salzburg mit einem Einstand und einem Ausstand: Miriam Fussenegger gibt eine neue, sehr ungewöhnliche Buhlschaft, Cornelius Obonya letztmals den "Jedermann". Hier unsere Kritik der Wiederaufnahme-Premiere:

Ja, auch sie ist mit dem Radl da. Dennoch ist mit Miriam Fussenegger als Jedermanns neuer Buhlschaft manches anders beim Herzstück der Salzburger Festspiele. Weder brüllende Erotik noch Femme fatale zeigt die 25-jährige Linzerin, die ihr Festivaldebüt im vergangenen Sommer als Lucy in „Mackie Messer“ gegeben hat, jener faden Salzburger „Dreigroschenoper“- Variante. Fussenegger wählt im „Jedermann“ einen ungewöhnlichen Ansatz. Die gerade mal 50 Verszeilen, die Hugo von Hofmannsthal (1874–1929) in seinem „Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ der Geliebten der Titelfigur zugedacht hat, nutzt sie, um eine klug kalkulierende Frau zu zeigen. Wo ihre Vorgängerin Brigitte Hobmeier von den Münchner Kammerspielen voller Lust aufs Leben und die Liebe, mit derbem Verlangen und großer Komik die Bühne in Besitz nahm, ist die neue Buhlschaft clevere Strategin.

In ihrem traumhaft geschnittenen roten Kleid wird sie so zum ernstzunehmenden Gegenpart Jedermanns; wenn dieses Paar tanzt, ist das immer auch das Kräftemessen zweier Gleichberechtigter. Bezauberndes Lächeln, neckische Blicke, zuckersüßes Winden sollten nicht täuschen – Fussenegger lässt ihre Figur sachlich analysieren, ob es sich lohnt, Zeit, Jugend, Schönheit für diesen Mann zu vergeuden. Als bei ihm der Tod anklopft, ist ihre Antwort klar, doch gestaltet sie selbst ihren Abgang derart reizend, dass man ihr kaum zürnen kann.

Schade, dass das Wetter schlecht war bei Fusseneggers erstem Auftritt. Ein Gewitter mit teilweise heftigem Regen zog am Samstagabend über Salzburg hinweg, sodass die Wiederaufnahme des „Jedermann“ vom Domplatz ins Große Festspielhaus verlegt werden musste, wo das Ensemble mit herzlichem Applaus begrüßt wurde. Die Inszenierung von Brian Mertes und Julian Crouch ist zwar vor allem zu Beginn dynamischer als bei der Premiere im Jahr 2013. Dennoch geht der Produktion des US-Amerikaners und des Briten über zwei Stunden die Luft aus. Dem Duo fehlt der Zugang zu Hofmannsthals Dialogen, das offenbart sich besonders schmerzlich, wenn kein Spektakel ablenkt. Crouch und Mertes nehmen dem Stück die existenzielle Wucht, machen die Geschichte kleiner, als sie ist, zwingen sie auf Setzkastenniveau. Das mag zu den possierlichen Häuschen passen, die Crouch für die Bühne entworfen hat. Doch das Seelenheil eines Menschen kann nicht in einer Puppenstube verhandelt werden.

In seinem vierten Festspieljahr hat sich Cornelius Obonya in der Titelrolle etwas freigespielt – vielleicht auch, weil es seine letzte Saison ist. Gestern Vormittag gab der 47-jährige Wiener bekannt, dass er Schluss macht mit dem Jedermann: „Es ist für mich der Normalfall aufzuhören, wenn diese Intendanz zu Ende geht“, sagte der Schauspieler, dessen Großvater Attila Hörbiger in Salzburg einst dieselbe Rolle mit Leben füllte, und meint damit den Wechsel von Interims-Chef Sven-Eric Bechtolf zum künftigen Intendanten Markus Hinterhäuser.

Trotz neuer Freiheit wirkt Obonya weiterhin wie ein knuffiges Bärchen und nicht wie ein ökonomisch und sexuell überpotenter Mann. Jedermanns Egoismus, sein Glaube an die Macht des Geldes, seine daraus resultierende Hartherzigkeit: Obonya zeigt all das gewissenhaft – und scheint die Entschuldigung dafür doch stets mitzuspielen. „Du bist ein stattlicher Mann“, charakterisiert ihn seine Mutter an einer Stelle. Ach, wenn’s doch nur so wäre. 

Dieser „Jedermann“ lebt ausschließlich von Einzelleistungen. Da ist etwa Peter Lohmeyer, der als Tod noch bedrohlicher, noch unausweichlicher wirkt. Mit hagerer Hoheit herrscht er über die Bühne und greift mit schmalen Spinnenfingern an die Herzen der Menschen. Eine weitere Neubesetzung ist ebenfalls geglückt: David Bennent übernahm die Rolle des Mammons von Jürgen Tarrach. Quirlig, schrill dekoriert und mit Diskant in der Stimme gibt der Schauspieler, der 1979 in der Rolle des Oskar Matzerath in Volker Schlöndorffs Grass-Verfilmung „Die Blechtrommel“ berühmt wurde, seiner Figur dämonischen Glanz und lässt Jedermann tatsächlich nach „seiner Pfeife“ tanzen. Heftiger Applaus, Standing Ovations.

Weitere Vorstellungen

bis 28. August, Karten gibt es noch für den 26. Juli sowie für den 3., 6., 24. und 28. August; Telefon 0043/ 662/ 8045-500.

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