Und am Samstag kommt das Sams

München - 1973 schrieb Paul Maar "Das Sams" - und wurde damit zu einem der erfolgreichsten deutschen Kinderbuchautoren. Am kommenden Donnerstag feiert der gebürtige Schweinfurter seinen 70. Geburtstag.

Die heutige Generation der Kinder sitzt immer mehr vor dem Fernseher oder dem Computer. Pädagogen beklagen, die Fähigkeit, Geschichten zu erzählen, gehe immer mehr verloren. Wie haben Sie das Erzählen gelernt?

Ich hatte zwei Großeltern, eine Großmutter mütterlicherseits und einen Großvater stiefmütterlicherseits. Meine Mutter ist bei der Geburt gestorben, mein Vater hat wieder geheiratet. Meine Großmutter hat mir, als ich so etwa vier Jahre alt war, ganz einfache Geschichten erzählt. Und mein Opa Schorsch, der eine Dorfwirtschaft in Obertheres hatte, war ein Erzähler. Er bekam abends seine Wirtschaft schon deshalb voll, weil alle darauf gewartet haben, was er für Geschichten bietet.

Wie haben Sie Ihre Kindheit in Erinnerung?

Sie war zum Teil sehr sonnig, als ich bei meinen Stiefgroßeltern in Obertheres war. Sie wurde dann etwas schwieriger, als mein Vater aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte und wir nach Schweinfurt umzogen. Es war die Nachkriegszeit, und es gab nicht viel, auch keine Bücher. Mein Vater musste sich erst an mich gewöhnen, und ich mich an ihn. Wahrscheinlich hat er sich vorgestellt, da sitzt nun ein Sportler wie er. Aber da saß nun einer mit etwas gebeugtem Rücken und mit einer Brille und hat viel gelesen. So hat er sich seinen Sohn nicht vorgestellt. Wir hatten ein bisschen Schwierigkeiten miteinander.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Der Königsweg zum Schreiben führt über das Lesen. Ich habe damals schon für die Schülerzeitung "Pulverblättchen" in Schweinfurt erste Schreibversuche gemacht. Dann habe ich mich erstmal, im Nachhinein, falsch entschieden, weil ich gleichzeitig gut gemalt habe. Ich hatte immer eine Eins in Deutsch und eine Eins in Kunst. Fragen Sie nicht, was ich in Mathe oder Chemie hatte.

Sie haben sich dann zunächst für das Malen entschieden und studierten an der Kunstakademie in Stuttgart.

In Stuttgart hatte mich meine alte Liebe für das Schreiben eingeholt, und ich habe meine erste Hörfunkerzählung für Erwachsene geschrieben. In der Akademie hatte ich bald schon den Spitznamen "der Dichter". Mit den eigenen Kindern begann ich, die Geschichten aus meiner Kindheit zu erzählen, die mir allerdings schnell ausgingen. Dann fing ich an, eigene Geschichten zu erfinden. Irgendwann kommt man auf die Idee: Das interessiert vielleicht auch andere.

Ihr drittes Buch "Das Sams" ist ein Verkaufsschlager geworden. Hatten Sie damit gerechnet?

Nein. Ich habe damals sicher 80 Lesungen im Jahr absolviert, und so wurde das Buch bekannt. Der Verlag hat nämlich kaum Werbung gemacht. Normalerweise ist es so, dass ein gutes Buch sich im ersten Jahr 10 000 Mal verkauft, im nächsten Jahr 7000, dann 5000, dann 4000. Beim Sams war es genau umgekehrt.

Wie sind Sie auf das Sams gekommen?

Eigentlich ist das Sams gar nicht meine Hauptfigur, sondern der schüchterne, angepasste Herr Taschenbier. Mein Vater hatte einen Buchhalter, der Taschenbier sehr ähnlich war. Selbst wenn er ungerecht geschimpft wurde, hat er nichts gesagt. Ich war auch ein wenig schüchtern und dachte mir, so wie der möchte ich nicht werden. Deswegen habe ich die Geschichte eines solchen Mannes geschrieben.

Und warum der Name "Sams"?

Ganz einfach. Am Sonntag scheint die Sonne, am Montag kommt Herr Mon, am Dienstag ist Dienst, am Mittwoch Mitte der Woche, am Donnerstag Donner und am Freitag frei. Ganz logisch, dann muss am Samstag das Sams kommen. Dann hatte ich verschiedene Möglichkeiten, das Sams zu zeichnen und nach dem zehnten Versuch waren auch meine Kinder zufrieden.

Überlegen Sie noch, für Erwachsene zu schreiben?

Manchmal. Ich bin nun mal auf diese Schiene Kinder- und Jugendbuchautor gesetzt. Und wenn ich einem Buchhändler erzähle, dass ich ein Buch für Erwachsene schreiben will, dann ist der immer ganz entsetzt.

Das Gespräch führte Christoph Gahlau

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