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Frauen schwärmten für Ludwig (und umgekehrt) – Postkarte um 1900.  

Vor 130 Jahren starb der Kini

Sexueller Kontakt undenkbar: König Ludwig und die Frauen

München - Ein Buch über Ludwig und die Frauen – das klingt ähnlich abstrus wie ein Werk über den Ananas-Anbau in Alaska. Doch der Ludwig-Kenner Alfons Schweiggert schaffte das Undenkbare.

München – Von wegen, Ludwig II. mochte keine Frauen. Da ist zum Beispiel die Bildhauerin Elisabet Ney. Zu der attraktiven Frau mit den wilden Locken soll er ein so enges Verhältnis gehabt haben, dass sie in nächtlichen Stunden seine Gemächer aufsuchen konnte, ohne dass Wächter sie aufhielten. Oder die Schauspielerin Lila von Bulyowski: romantische Treffen gab es mit ihr im Schloss. Oder die russische Zarin – „O wäre sie später geboren oder ich früher“, klagt der junge Ludwig einem Cousin.

In seinem neuen Buch „Ludwig II und die Frauen“ wirft Alfons Schweiggert ein Schlaglicht auf Frauen wie Elisabet Ney, die dem König nahestanden. Rund 100 Frauen widmet er sich in dem Buch, „viele davon haben eine ernsthafte Rolle gespielt“. Nachdem Ludwig II. in verschiedenen Studien unterstellt wird, er sei homosexuell, relativiert der Münchner Autor dessen einseitige Ausrichtung auf Männer. „Frauen waren keine Randerscheinung in Ludwigs Leben“, ist Schweiggert überzeugt. „Sie haben es in besonderer Weise geprägt.“

Vor allem reifere, selbstständige und geistreiche, aber auch unerreichbare Frauen faszinieren den Märchenkönig. Er sehnt sich nach einer emanzipierten, abgeklärten, mütterlichen Frau. Eine, wie die russische Zarin Maria Alexandrowna, sozusagen Ludwigs erste Jugendliebe. „Die Glorie der Reinheit umstrahlt sie“, schwärmt Ludwig. Er überhäuft sie mit Aufmerksamkeiten und begleitet sie zu Ausflügen. 1867, als er 22-jährig mit Sisis Schwester Sophie verlobt ist, schreibt er der achtfachen Mutter Briefe, wie sehr er sie „kindlich und innig liebe“.

"Das Glück der unglücklichen Liebe war ihm genug"

Auch die eigenwillige Schauspielerin Lila von Bulyowski wirbelt sein Leben durcheinander. Der hübschen, elf Jahre älteren Frau soll der Monarch auch körperlich nähergekommen sein. Jahrelang halten sich Gerüchte über die „bayerische Pompadour“. Berater warnen Ludwig: Dieses Techtlmechtl wirft ein schlechtes Licht auf den Kini. Das turbulente Verhältnis wird begleitet von romantischen Treffen auf Schloss Hohenschwangau und theatralischen Streitereien. Schließlich hat Ludwig die Nase voll, das „Luder soll sich zum Teufel scheren“, wettert er.

Offenbar war das schöne Bild, das er von ihr geschaffen hatte, zerstört. Wie Alfons Schweiggert deutlich macht, reichte es dem „Illusionsfanatiker“ Ludwig, seinen Schwarm anzubeten. Ludwig bleibt in ritterlicher Distanz zu den Frauen. „Das Glück der unglücklichen Liebe war ihm genug“, folgert der Autor. Die Anbetung galt auch Männern. Richard Wagner etwa, den er als „Gott meines Lebens“ verherrlichte. Schwärmerische Zuneigung zeigte er gegenüber Künstlern, diversen Adjutanten, Reitknechten, und auch Kabinettssekretären. So hatten sich etwa Stallmeister Richard Hornig und Ludwig laut Tagebucheintrag versichert, sich „nie mehr zu trennen und nie voneinander zu lassen bis zum Tode“, schreibt Heinz Häfner in seinem Buch „Ein König wird beseitigt“. Ludwig habe sich für seine von der Gesellschaft verteufelte Homosexualität so geschämt, sagt Häfner, dass er sich von der Welt zurückzog.

Sexueller Kontakt undenkbar

War Ludwig tatsächlich schwul oder gar bisexuell? Schweiggert sagt, eine narzisstische Persönlichkeit wie Ludwig II. sei unfähig zu mitmenschlichen Beziehungen. Er ist überzeugt, dass sich Ludwig zu Männern hingezogen fühlte, manche bewunderte und homoerotische Gefühle entwickelte. Körperliche Kontakte hätten sich jedoch großenteils auf Umarmungen reduziert. „Bei Küssen empfand er bereits entsetzliche Schuldgefühle“, schreibt der Autor. Das geht aus Briefen und Tagebucheinträgen hervor. Undenkbar sei für Ludwig sexueller Kontakt gewesen – sei es mit Männern, sei es mit Frauen. Man könne dem Märchenkönig keine homosexuellen, sondern allenfalls homophile oder homoerotische Verhaltensweisen nachsagen. Er wollte geliebt werden und schwärmerisch lieben, auch wenn seinen erdachten Engeln die Flügel fehlten, um es mit Ludwig zu sagen: „Wozu auch? Man kann’s erträumen!“

Corinna Erhard


Alfons Schweiggert

Ludwig II. und die Frauen, Allitera Verlag, 304 S., 24,90 Euro

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