Igor Zelensky. foto: fkn
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Igor Zelensky.

„Es sieht ganz gut aus“

München - Der Russe Igor Zelensky dürfte Ivan Liška zur Saison 2016/17 als Chef des Bayerischen Staatsballetts ablösen.

Gerüchte, der russische Ballerino Igor Zelensky werde in der Spielzeit 2016/17 Nachfolger von Ivan Liška, Chef des Bayerischen Staatsballetts, kursierten ja schon lange – unsere Zeitung berichtete bereits im Oktober darüber. Jetzt wird die Sache ernst. Noch müsse Bayerns Kunstminister Ludwig Spaenle die Verträge unterschreiben und dem Kabinett vorlegen, wie Ministerialdirigent Toni Schmid diplomatisch bremst. Man habe aber „sehr interessante Gespräche“ mit dem Kandidaten geführt. Zelensky bringe als langjähriger Erster Solist des berühmten Mariinsky-Balletts, darüber hinaus durch seine Gastspiele an Elite-Ensembles, wie unter anderen dem New York City und dem Londoner Royal Ballet, eine unglaubliche Erfahrung mit.

Sehr positiv zu werten sei auch, dass Zelensky sich eingehend nach der hiesigen Ausbildung und der Junior-Compagnie erkundigt habe. Aus Schmids Worten wird auch sehr klar, dass man sich für das Staatsballett brillante Solisten wünscht, wie sie Staatsopern-Intendant Nikolaus Bachler in seinem Bereich nach München bringe: „Weltstars wie Anja Harteros, Anna Netrebko und Jonas Kaufmann.“ Zelensky habe da international glänzende Kontakte. Und Schmid resümiert: „Also es sieht ganz gut aus.“

Mit den monatelangen Spekulationen, wer’s denn werden könnte, hatten sich ja zwei Fraktionen herausgebildet: die Befürworter eines noch stärker zeitgenössisch orientierten Staatsballetts (dieses hat ja bereits eine starke moderne Schiene) mit dem Amerikaner Richard Siegal als Leiter, der auch im Rennen war. Siegal, Ex-Forsythe-Solist, der sich als solcher mit seinem forsythischen „Unitext“ fürs Staatsballett im vergangenen Jahr profilierte, ist vor allem ein feinnerviger Künstler, wie sein Mentor auf der Suche nach Tanzerneuerung. Und noch ohne Leitungserfahrung.

Man kann sich irren, aber um einen riesigen Dampfer wie das Staatsballett zu steuern, scheint das Kraftpaket Zelensky der Richtigere: Noch während seiner Zeit im Mariinsky übernahm er 2006 die Leitung des Balletts in Novosibirsk, 2011 zusätzlich das Ballett am Moskauer Stanislavsky-Theater. Und dass er, ein Global Player, nicht für neuen Tanz aufgeschlossen sei, scheint ein Ammenmärchen. Auch in Moskau und St. Petersburg tanzt man heute die Moderne.

Malve Gradinger

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