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Gene Kelly: „Singin’ in the Rain“. Die Mutter aller Regen-Songs stammt aus dem Film von 1952 und dem gleichnamigen Musical. Gene Kelly tanzt frisch verliebt trällernd mit dem Schirm durchs Sauwetter und freut sich des Lebens – in Wirklichkeit war der Schauspieler jedoch schlimm erkältet und hatte 40 Grad Fieber. Zwei Tage wurde an der Szene gedreht. Man sieht Kelly die Strapazen nicht an.

Wohlklang im Wolkenbruch

Songs fürs Sauwetter: Unsere Regen-Top-10

München - Das Sauwetter dieser Tage geht ans Gemüt. Aber man kann es sich auch zuhause gemütlich machen und Musik hören – warum nicht Songs über den Regen? Der war in der Geschichte der Popmusik steter Quell der Inspiration, wie unsere Auswahl zeigt.

The Beatles: „Rain“

Die Fab Four aus Liverpool lamentieren mal nicht übers Wetter, sondern sehen das Ganze eher mit Gelassenheit – beziehungsweise durch einen Drogennebel. „Can you hear me, that when it rains and shines/ It’s just a State of Mind“, singt John Lennon. Sonne, Regen – es ist alles nur in deinem Kopf. Der war im Fall der Beatles erkennbar von LSD und Hanf vernebelt. Ein wunderbares, hypnotisches Stück Psychedelic-Pop mit Sound-Spielereien und Lennons rückwärts abgespultem Gesang am Ende, seinerzeit als B-Seite der Single „Paperback Writer“ veröffentlicht. Einer ihrer größten weniger weltbekannten Songs.

Ann Peebles: „I can’t stand the Rain“

„Ich halt den Regen nicht aus“, habe sie gesagt, erinnerte sich die Sängerin Ann Peebles später. Sie wollte eigentlich mit ihrem Mann Don Bryant und dem Radiomoderator Bernard Miller zu einer Blues-Show gehen, aber draußen schüttete es. Don nahm ihren Kommentar dankbar auf und schrieb ihr dieses dampfende Stück Südstaaten-Soul auf den Leib. Mit dunkel-dramatischer Stimme leidet Peebles am Geräusch der Tropfen, die an ihr Fenster klopfen und – „bringing back sweet Memory“ – sie an ihren frisch Verflossenen erinnern. Hip-Hop-Star Missy Elliott feierte 1997 auf Basis dieses Songs ihren Welterfolg „The Rain (Supa Dupa Fly)“.

The Temptations: „I wish it would rain“

Der Wunsch nach Regen brachte der Sanges-Truppe aus dem Stall der Plattenfirma Motown einen großen Hit – doch die Umstände seiner Entstehung waren tragisch. Motown-Schreiber Roger Penzabene verfasste den klagenden Text zu dem Lied, kurz nachdem seine Frau ihn betrogen und verlassen hatte. Gleich darauf schrieb er noch den Song „I could never love another Woman (After loving You)“. Eine Woche, nachdem die Single veröffentlicht worden war, brachte sich Roger Penzabene um.

Creedence Clearwater Revival: „Who’ll stop the Rain“

John Fogerty bestritt später, dass es sich bei dieser anrührenden Folk-Rock-Hymne um den Vietnam-Protestsong handelte, als der sie lange Zeit verstanden wurde. Vielmehr sei er beim legendären Woodstock-Festival mit seiner Band im strömenden Regen aufgetreten und habe die Konzertbesucher gesehen, wie sie im Schlamm und Dreck kauerten, sich aneinander schmiegten, herumtanzten. Tags drauf schrieb er den Song, einen der vielen, die es in den USA auf Platz zwei der Charts schafften (einen Nummer-Eins-Hit hatten CCR nie). Als sein damals vierjähriger Sohn Josh die Aufnahme erstmals hörte, so erinnerte sich Fogerty in einem Interview, habe er gesagt: „Daddy, stop the Rain!“ Was für ein Vertrauensvorschuss.

B. J. Thomas: „Raindrops keep fallin’ on my Head“

Der Soundtrack des Films „Butch Cassidy and the Sundance Kid“ vom Komponisten-Duo Burt Bacharach und Hal David macht diesen Western zu einem echten Sechzigerjahre-Pop-Kunstwerk. Robert Redford und Paul Newman als charmante und irrsinnig gut aussehende Wild-West-Gangster schaffen es, pausenlos herumzublödeln und am Ende trotzdem tragisch zu sterben. Zentraler Song ist dieser von B. J. Thomas gesungene Evergreen, dessen sorgloses Motto ist: Ich werde den Regen nicht stoppen, indem ich mich beklage.

Guns N’ Roses: „November Rain“

Mit 8:59 Minuten das längste Lied, das es je in die amerikanischen Top Ten schaffte. Axl Rose ging mit dem Bombast-Werk bereits Anfang der Achtziger schwanger, als seine Band noch LA Guns hieß. Er bekam es nie auf die Reihe. So wurde „November Rain“ zum Schwanengesang des althergebrachten Hardrock Anfang der Neunziger. Immerhin schaffte es das gspinnerte Genie, die Dauer von 25 Minuten zu kürzen. Die weitaus schönere Ballade hatte Rose wenige Jahre zuvor mit „Sweet Child o’ mine“ veröffentlicht, eine Ode an seine damalige Frau Erin. Die ist wiederum die Tochter von Don Everly, einem der Everly Brothers, die 1961 mit „Crying in the Rain“ auch den definitiv besseren Regensong veröffentlichten.

Harry Nilsson: „Rainmaker“

Für diesen lupenreinen Pophit hat sich Nilsson eine Geschichte analog zum Rattenfänger von Hameln ausgedacht. Es ist August, und der letzte Regen ist im Mai gefallen. Also engagiert eine Gemeinde in Kansas einen fahrenden Regenmacher. Die Tropfen fallen auf die dürre Landschaft, doch als der Nothelfer fragt, was man ihm denn bezahlen wolle, wird er davongejagt. Aus Rache lässt er es einfach weiter schütten. Die geplagten Einwohner rufen: „Rain, Rain, go away, come again another Day.“

Randy Newman: „I think it’s going to rain today“

Ein tieftrauriger Song zu einem Himmel voller Geigen. In wenigen Zeilen verquickt Newman die romantische Niedergeschlagenheit seines Erzählers mit der Betrachtung einer moralisch verkommenen Gesellschaft. Depri-Mucke deluxe, die seinerzeit von Dusty Springfield, Joe Cocker und Neil Diamond gecovert wurde. Newmans Debütalbum, auf dem er selbst den Song singt, blieb allerdings so bleiern im Regal liegen, dass sich die Plattenfirma Warner zu einer außergewöhnlichen Werbekampagne veranlasst sah: Man bot den Käufern an, die LP gegen eine andere aus dem Sortiment zu tauschen. Heute gilt sie längst als Klassiker.

Albert Hammond: „It never rains in Southern California“

Kein Song über Waldbrände oder Dürreperioden im Westen der USA, sondern über einen geplatzten amerikanischen Traum. Ein Mädchen macht sich auf in Richtung Los Angeles, die von Flöten und Westerngitarre angetriebene Melodie beschwingt, die Hoffnung hochfliegend. Doch Sänger Hammond dämpft den Glauben ans Klischee vom schnellen Glück: „Girl, dont they warn ya – it pours, man it pours.“ Es schüttet, Mann, es schüttet.

The Ronettes: „(Walking) in the Rain“

Natürlich geht es auch in diesem Song weniger um Niederschlag als darum, den richtigen Partner fürs Leben zu finden. Und Sängerin Ronnie Spector intoniert mit derartiger Inbrunst, dass man schon ein paar Meter im Regen mit ihr gehen würde. Ihr späterer Mann, Phil Spector, der das Lied produzierte, war bekannt für seine „Wall of Sound“, eine orchestrale Überwältigungsstrategie, die ihm in den Sechzigern einen Haufen Hits einbrachte. In diesem Fall gewann er auch noch einen Grammy für den besten Sound-Effekt, weil er mitten im Lied ein schweres Gewitter aufziehen ließ.

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