+
Da schmeckt die Semmel doppelt gut: Volksmusik und viel Regionales aus Bayern bestimmt ab Montag das Programm des neuen Digitalkanals BR Heimat.

Digital

BR startet Digitalkanal für Volksmusik

München - Der BR entdeckt die Heimat neu: Der Digitalkanal für Volksmusik und bayerische Themen startet am Montag – Bayern plus bringt künftig Schlager und Oldies.

Schon der Starttermin hat Symbolcharakter. Am 2. Februar, Mariä Lichtmess, seien früher auf dem Land Mägde und Knechte eingestellt worden, erläutert Intendant Ulrich Wilhelm den Journalisten am Freitagmorgen lächelnd. Der ideale Zeitpunkt also, ein Programm zu starten, in dem Brauchtum und Tradition die Hauptrolle spielen sollen. Am Montag also, um 5 Uhr früh, geht der neue Hörfunkkanal BR Heimat auf Sendung, allerdings über einen sehr modernen Verbreitungsweg, nämlich digital.

Terrestrisch, also via DAB+, sowie über Satellit, Kabel und im Internet soll das Angebot seine Hörer finden. Mit dem Angebot wolle man dem gewachsenen regionalen Bewusstsein Rechnung tragen, so Wilhelm. BR Heimat sei eine „deutschlandweit einzigartige, neue Welle für alle, die sich für Volksmusik, für bayerische Themen und Kultur interessieren“.

Natürlich werde man aus Kostengründen nicht alle Inhalte neu produzieren können, sondern Sendungen wie beispielsweise „Wald und Gebirge“ oder den „Heimatspiegel“ aus anderen Hörfunkwellen übernehmen und somit zweitverwerten. Den Verantwortlichen bescheinigt Wilhelm, dass sie „mit großen Enthusiasmus an die Arbeit gegangen“ seien. Stefan Frühbeis, Wellenchef von BR Heimat, bürgt für das neue Programm mit seiner Biografie. Als „Eingeborener“ und Volksmusiker wolle er dafür sorgen, dass das „B“ in BR „für Bayern steht und nicht für Bon Jovi“, sagt der 53-Jährige mit deutlichem bairischen Akzent. Volksmusik solle die bestimmende Klangfarbe sein, „von traditionell bis modern“, von Blasmusik bis Kofelgschroa. BR Heimat werde in Wort und Musik alle Regionen abbilden und dabei das „hervorragende Korrespondentennetz“ des Münchner Senders nutzen. Statt Talk wird konsequenterweise künftig „Ratsch“ groß geschrieben bei BR Heimat, und geratscht, so Frühbeis, werde nicht nur mit Promis, sondern auch mit „Menschen, die draußen wohnen und über ihre Heimat berichten“.

Die Einführung des neuen Digitalkanals mit seinem Schwerpunkt auf Volksmusik hat Konsequenzen für das bereits seit sieben Jahren bestehende digitale Programm Bayern plus. Nicht nur, dass dessen Macher von München nach Nürnberg ziehen, auch das musikalische Angebot wird ein anderes sein. Schlager und Oldies stehen dann dort im Mittelpunkt, dazu kommen „magazinierte Strecken und Regionalnachrichten“, wie Wellenchef Norbert Küber erläutert. Journalistisch sollen – mit Blick auf die ältere Generation – vor allem Gesundheitsthemen vertieft werden. Bayern plus bleibe jedoch „weiterhin ein bayerisches Programm“.

In Sachen Empfangbarkeit vermeldet der BR bei DAB+ im Freistaat einen Versorgungsgrad von 75 Prozent in Gebäuden und von rund 95 Prozent im Außenbereich. Bis Ende 2016 werde DAB+ besser ausgebaut sein als UKW, verspricht Intendant Wilhelm. Für den BR-Chef ist das Digitalradio nicht zuletzt wegen der zunehmenden Individualisierung des Publikums der Übertragungsweg der Zukunft – auch wenn die „großen Versorgungswellen“ wie Bayern 1 und Bayern 3 weiter Bestand hätten. Es gelte nun, im engen Schulterschluss mit den Privatsendern, die Digitalisierung weiter voranzutreiben. Das könne der Rundfunk jedoch nicht alleine, „dazu braucht es den Gesetzgeber“.

Bayern sei führend beim Ausbau der neuen Verbreitungswege, betont man beim BR an diesem Morgen gleich mehrmals und verweist auf die fast optimalen Empfangsmöglichkeiten. Zahlen über die tatsächliche Hörerschaft beispielsweise von Bayern plus kann – oder will – der Sender jedoch nicht bieten. „Zu unseren Digitalprogrammen liegen keine Hörerzahlen vor, da sie in der Mediaanalyse nicht abgefragt werden“, heißt es dazu aus dem Funkhaus.

Empfang der Kanäle

BR Heimat und Bayern plus sind im Freistaat mit einem DAB+-Radio (ab etwa 50 Euro im Fachhandel, in Großmärkten oder über das Internet) auf Kanal 11 D zu hören. Kabelkunden können die beiden Angebote deutschlandweit im digitalen Kabel und via IPTV empfangen (jeweils abhängig vom Netzbetreiber). Sie benötigen zum Empfang einen digitalen Kabelreceiver (DVB-C). Für IPTV sind eine schnelle DSL-Verbindung und ein Receiver des IPTV-Anbieters erforderlich. Über Satellit werden BR Heimat und Bayern plus sogar europaweit verbreitet und sind auf dem ARD-Hörfunktransponder nach einem Suchlauf über eine Satellitenempfangsanlage zu beziehen. Bayern plus wird ferner vorläufig auch noch über Mittelwelle ausgestrahlt.

Rudolf Ogiermann

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Henry Purcells „King Arthur“: Ein Winternachtstraum

München - Regisseur Torsten Fischer und Choreograf Karl Alfred Schreiner bringen die Semi-Oper „King Arthur“ in der Reithalle heraus. Es ist die beste …
Henry Purcells „King Arthur“: Ein Winternachtstraum

Night of the Proms: Was für ein fideles Fest!

München - Nun singet und seid froh! Die Night of the Proms, der klingende Christkindlmarkt, ist wieder in der Stadt.
Night of the Proms: Was für ein fideles Fest!

Kirk Douglas wird 100: Der Titan des Jahrhunderts

Los Angeles – Wie ein Rammbock bahnte sich Kirk Douglas seinen Weg zum Erfolg. Filme wie „Wege zum Ruhm“ und „Spartacus“ machten ihn unsterblich. Im hohen Alter …
Kirk Douglas wird 100: Der Titan des Jahrhunderts

Rockavaria 2017: Jetzt wird es noch verwirrender

München - Noch immer ist das Rockavaria-Festival 2017 weder angekündigt noch abgesagt. Jetzt äußert sich ein Olympiapark-Sprecher - und macht die Verwirrung nicht …
Rockavaria 2017: Jetzt wird es noch verwirrender

Kommentare