Interview zur Premiere in Wunsiedel

Tanz zwischen Felswänden

München - Choreografin Eva-Maria Lerchenberg-Thöny über ihre Inszenierung von „Bluthochzeit“ bei den Luisenburg-Festspielen.

Die Luisenburg-Festspiele sind jährlich Wallfahrtsort für Freilichttheater-Fans. Allein die Anlage für 1800 Zuschauer ist eine Attraktion, eingelassen in die malerische Naturkulisse, hinter der Europas größtes Felsenlabyrinth liegt. Das Programm bietet jeden Sommer alles: Schauspiel, Oper, Operette, Musical, Kabarett, Volks- und Kindertheater. Heuer wagen sich die Stadt Wunsiedel und Intendant Michael Lerchenberg erstmals an Tanztheater. Eva-Maria Lerchenberg-Thöny, Ehefrau des Festspiele-Chefs, inszeniert Federico García Lorcas Drama „Bluthochzeit“ (1933). Vor der Premiere am Freitag trafen wir die Choreografin zum Gespräch.

-Nach Ihren Tanzdirektionen am Tiroler Landestheater, in Augsburg und zuletzt in Braunschweig haben Sie eine Ausbildung zur Fernsehjournalistin gemacht und Ihren Fokus aufs Filmen verlegt. Kehren Sie mit dieser Produktion zurück zum Tanz?

Ich habe eben doch gemerkt, dass Tanztheater meine ureigene Ausdrucksform ist. Und darin kann ich auch gesellschaftspolitische Themen sehr gut verhandeln.

-Vor dem Hintergrund einer zurückliegenden Familienfehde willigt in „Bluthochzeit“ eine junge Frau in eine Vernunftehe ein, flieht jedoch am Tag der Trauung mit ihrem früheren Verlobten Leonardo, den sie immer noch liebt.

Für die Braut war es die Entscheidung: Lebe ich meine Gefühle aus, auch unter großer Gefahr, oder passe ich mich an, um zu überleben? Es ist ein tragischer, blutig endender Konflikt, letztlich Vehikel für García Lorcas Kritik an einer in Konventionen erstarrten Gesellschaft. Bei mir ist es übrigens die ganze Dorfgemeinde, die, bildlich ausgedrückt, das Liebespaar ermordet: Sie trampeln über die beiden hinweg. Wer sich nicht anpasst, wird nicht geduldet, wird zerstört.

-Im Tanztheater, wie Pina Bausch es Ende der Sechzigerjahre initiierte, wird auch gesprochen, kurze Sätze. Sie lassen nun ein komplettes Stück spielen...

Ich wollte auf jeden Fall García Lorcas starke poetische Sprache erhalten. Andererseits war es für mich spannend, das in Tanz zu übersetzen, was aus Stolz, aus der dörflichen Lebenshärte heraus unausgesprochen bleibt, aber hinter den Worten zu erahnen ist: Misstrauen, Abneigung, verletzte Ehre, Eifersucht, Leidenschaft. Es gibt zum Beispiel gar keine Liebesszene zwischen den beiden Flüchtigen. Die von Ferne beobachtenden Holzfäller kommentieren lediglich „Jetzt wird er sie lieben.“ Genau an dieser Stelle tanzen die entflohene Braut und Leonardo einen Liebes-Pas-de-deux.

-Sie inszenierten für die Luisenburg-Festspiele bereits drei selbstverfasste Kinderstücke, haben überdies Regie-Erfahrung an anderen Theatern. Schwieriger stellt man sich jetzt diese Mischform vor, nicht zuletzt für die Mitwirkenden.

Vor allem, da ich Tänzer wollte, die auch Schauspieler sind, oder Schauspieler, die eine Tanzausbildung haben. So oft gibt es das nicht. Die Darsteller müssen akzentfrei Deutsch sprechen, müssen stimmlich und körperlich projizieren können. Die Luisenburg-Bühne ist ja im Freien, außerdem mit 30 mal 25 Metern auch sehr groß. Es hat ein paar Auditions gebraucht, bis die Besetzung stand. Maria Kempken und Marc Schöttner, beide Theater-und Fernsehschauspieler und topfit auch im Tanz, sind engagiert für Braut und Leonardo.

-Und Sie konnten die etwa aus der RTL-Serie „Hinter Gittern“ bekannte Schauspielerin und Sängerin Katy Karrenbauer gewinnen.

Als ich sie unlängst im Fernsehen sah, wusste ich sofort: Sie wäre die ideale Besetzung für die Bräutigam-Mutter, eine bestimmende treibende Figur. Katy Karrenbauer hat ja so eine Kraft von innen her. Sie sagte tatsächlich zu und warf sich mit ganzer Energie in ihr Solo „Der lautlose Schrei“.

Das Gespräch führte Malve Gradinger.

Premiere

ist am kommenden Freitag, öffentliche Generalprobe morgen; weitere Vorstellungen am 19., 20., 23., 29., 31. Juli sowie am 6. August; Karten unter Telefon

09232/ 60 21 62; weitere Informationen unter www.luisenburg-aktuell.de.

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