Als Tamino in der „Zauberflöte“ der Oper Lyon.

Mauro Peter: Tenor mit Sonne in der Stimme

München - Der ehemalige Münchner Student Mauro Peter ist bereit für die weite Welt und schon an der Zürcher Oper engagiert. Ein Porträt.

Seine Liebe hat er gerade beerdigt, in einem „großen Sarge“. Schluss, aus, nach einem Wechselspiel zwischen „Himmelslust“ und zerrissenem Herzen. Ein ziemlich schwarzes Loch gähnt da am Ende von Schumanns Liederzyklus „Dichterliebe“. Da legt Mauro Peter noch einmal nach im kleinen Konzertsaal der Münchner Musikhochschule, mit Lehár, pracht- und saftvoll aufdrehend. „Freunde, das Leben ist lebenswert.“ Geht das zu solch einem Anlass? Man sollte es sogar tun, weil es so gut zu ihm passt, zu diesem Tenor mit Sonne in der Stimme und wohl auch im Herzen.

Gesangsstudium, nun die Schlussprüfung mit Schumann und Lehár – bei Mauro Peter war das ohnehin Formsache. Ein letztes Mal quasi Eleve an der hiesigen Hochschule, und das bereits mit einem lukrativen Vertrag in der Tasche. Ab kommender Saison ist der 26-Jährige an der Zürcher Oper engagiert. Nicht nur ein Sprung in der gerade anlaufenden Karriere ist das, sondern auch eine Heimkehr: Mauro Peter ist Schweizer und stammt aus Luzern. „Von so etwas habe ich geträumt“, sagt er. „Das hätte ich nie zu hoffen gewagt.“

Senkrechtstarter, das ist so einer dieser Klischee-Begriffe. Aber es ging wirklich schnell für diesen lyrischen Tenor, der in wenigen Jahren zu den Gefragtesten seines Faches zählen dürfte. Als Mauro Peter vor wenigen Jahren an der Bayerischen Theaterakademie in Mozarts „La finta giardiniera“ auftrat, argwöhnte man schon, da habe sich das Ausbildungsinstitut einen teuren Gast geleistet. Mitnichten. Peter war damals noch mitten im Studium. Aber eben verblüffend „fertig“. Mittlerweile hat er Christian Thielemann vorgesungen, in dessen Salzburger „Parsifal“ einen Knappen übernommen. Sogar im allerheiligsten Lied-Mekka, bei der Schubertiade in Schwarzenberg, durfte Mauro Peter schon auftreten, am 3. September ist er wieder dort mit Wolfs „Italienischem Liederbuch“. Und bei den gerade zu Ende gehenden Salzburger Festspielen hatte er Engagements immerhin unter den Dirigenten Harnoncourt, Gardiner und Dudamel. Angst oder Scheu spürt man nicht, wenn Mauro Peter über all das spricht. Vielleicht ein wenig Verwunderung über sich selbst. „Ja, ich kann’s, so selbstbewusst bin ich schon, wenn ich an die großen Sachen denke.“ Keine Arroganz ist das, sondern eine – begründete – innerliche Festigkeit. Keine schlechte Voraussetzung in einer Opernszene, die Sänger auszupressen versteht.

Natürlich spukt da viel große, auch schwerere Rollenkost in seinem Kopf herum. Träume, (noch) nichts Realistisches. „Ich bin Lyriker im Herzen“, sagt Mauro Peter. Und vor allem in der Stimme: „Mozart rauf und runter“ sind seine nächsten Pläne. Dabei hat der Schweizer seine ganz eigenen Ansichten über die entsprechenden Partien: „Ich wäre als Tamino nicht so, dass ich von einem Bildnis einer Unbekannten gleich kirre werde.“ Und: „Ich halte es für grundfalsch, dass Ottavio immer als Schoßhündchen von Donna Anna inszeniert wird.“

Den Tamino hat Peter gerade in Lyon gesungen. Die Resonanz auf diese „Zauberflöte“ war ausgesprochen gut, und doch: „Ist ja klar, dass der erste Tamino nicht mein bester war.“ Aber dem Tenor kommt eines zugute bei all dem Feilen und Ausprobieren. Wenn er auf der Bühne steht, spürt man: Das genießt er. „Du kannst das, also nutz’ das Adrenalin“, sagte er sich oft. Nicht nur in der gerade absolvierten Münchner Prüfung blitzen Entertainer-Qualitäten durch. Ein gewisses Star-Gen macht sich da bemerkbar: Mauro Peter charmiert mit dem Publikum, lebt mit Lust die Musik – und lässt die Zuhörer daran Anteil haben.

Macht er vielleicht zu viel? Sänger-Legende Thomas Hampson versuchte, den jungen Kollegen bei einem Salzburger Meisterkurs im vergangenen Jahr etwas zu bremsen. Trotzdem: Dieses beherzte Gestalten hat ja weniger vom vorlauten „Hoppla, jetzt komm’ ich“, sondern gehört zu Mauro Peters Wesen. „Ich habe eben ein Mitteilungsbedürfnis. Ich will auch jedes Lied als meine Geschichte erzählen. Da ist es eben schwierig für mich, distanziert zu bleiben.“

Eine Musikerfamilie ist das nicht gerade, der dieser Sänger entstammt. Der Vater hat in der Schweiz einen eigenen Stukkateur-Betrieb, ist „Gipser“, wie Mauro Peter sagt. Doch als der Bub eine schöne Stimme zeigte, ließ man ihn zu den Luzerner Singknaben. Dort durfte der Knabenalt sogar während der Mutation weitermachen. „Viel Kopfstimme“ konnte Mauro Peter schon damals seinem Gesang beimischen – Ergebnis ist nun ein gestandener Tenor.

Und wie geht es weiter? Die Prognose fällt nicht schwer. Schon bald dürfte man Mauro Peter auf den großen Bühnen mit viel Mozart antreffen. Zwei Agenturen beschäftigt er bereits, eine für die Oper, eine fürs Konzertfach. „Die Firma Peter wächst“, grinst er. Karrierepläne allerdings, Wunschrollen und dergleichen, all das ist von ihm nicht zu erfahren. Auch beim Privaten zieht er einen Strich. „Ich will, dass man über mich redet, wenn und weil ich irgendwo etwas gesungen habe.“ Eine gesunde Einstellung.

Markus Thiel

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