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Nur singen allein, das reicht Bariton Thomas E. Bauer schon längst nicht mehr. Bis zum Jahresende möchte er das Passauer Festival umgekrempelt haben.

Interview zur Amtsübernahme

Neuer Chef der Europäischen Wochen: "Passau als das intimere Salzburg"

Sänger Thomas E. Bauer übernimmt als Intendant die Europäischen Wochen in Passau  - ein Interview zu seinen Plänen

Das Konzerthaus im niederbayerischen Blaibach ist sein jüngster Coup. Wenn man will, kann man etwas bewegen, das ist das Credo von Thomas E. Bauer. Seine Karriere als Oratorien- und Opernsänger füllt den Umtriebigen längst nicht mehr aus. Der 46-jährige Niederbayer wurde gerade als neuer Intendant der Europäischen Wochen Passau bestätigt. Eine Suche im Schnelldurchgang liegt hinter dem Festival – erst im August hatte man sich vom bisherigen Chef Peter Baumgardt getrennt.

Schon nach dem Ausscheiden von Pankraz Freiherr von Freyberg hatten Sie 2011 ein Auge auf Passau geworfen. Sind Sie jetzt endlich am Ziel?

Ich habe nie darauf hingearbeitet. Damals hätte mir das Amt gar nicht gut getan. Mittlerweile habe ich mehr Erfahrung und eine ganze Menge über Niederbayern gelernt und darüber, wie man Kultur im ländlichen Raum an den Mann und an die Frau bringt. Bei der ersten Bewerbung wurde mir gegenüber schon Interesse signalisiert, ich war den Verantwortlichen aber zu jung. Das Konzerthaus in Blaibach hatte dann wohl eine enorme Signalwirkung. In Passau ist das Thema eine offene Wunde. Es gibt einen schönen Platz dafür, aber leider auch viel Gegenwind.

60 Veranstaltungen an 20 Orten: Ufert das Festival gerade aus?

Ich möchte die Festwochen verwesentlichen und einen Fokus auf diese herrliche Stadt legen. Die Konzerte werden verringert, auch damit höhere Auslastung erzielt wird.

Bis zum Sommer 2017 bleibt nicht viel Zeit.

Ich will schon im Oktober das Programm für 2017 fertig haben. Ich möchte auch ein wenig an der Marke und am Image basteln. Ende des Jahres soll dann die Runderneuerung abgeschlossen sein. Im neuen Jahr hätte ich damit genügend Raum, um das Programm zu bewerben sowie Publikum, Förderer und Politik an uns zu binden.

Sie sind auch Sänger. Kriegen Sie überhaupt noch Ihre Auftritte unter?

Ich gebe zu, das ist gerade ein bisschen extrem. Aber ich arbeite sowieso immer auch von unterwegs aus. Was mir wichtig ist: Ich werde nach Passau ziehen, übrigens direkt an den Dom, weil man Präsenz zeigen muss. Symbole haben in dieser alten Stadt eine große Wirkung. Mein neuer Luxus ist: Ich habe erstmals ein richtiges Büro mit fest angestellten Mitarbeitern. Bislang musste ich zum Beispiel in Blaibach wahnsinnig stark selbst mit anpacken. Ich war dort sechs Wochen lang Maurer beim Bau des Konzerthauses.

Angeblich sollen mehr Stars nach Passau kommen. Wie holt man denn die in so kurzer Zeit?

Mein Vorteil ist: Ich habe enge Kontakte zu Dirigenten, Sängern, Instrumentalisten, Managern und Regisseuren. Ich kann hier zwar nicht 20 Top-Orchester präsentieren, aber vielleicht zwei oder drei. Anstatt fünf passabler Pianisten lieber zwei Weltklasseleute, auch das habe ich mir vorgenommen. Es gibt Verhandlungen, ich kann aber noch keine Namen nennen. Einen vielleicht: La Fura dels Baus kommen. Ich denke mir immer: Es gibt Veranstaltungen, die jeder eigentlich in seiner Garage durchführen kann. Wenn ich genug Geld zusammenbringe und meinen Plan bewerbe, kann ich Bruno Jonas für einen Abend holen, den er 80 Mal in Bayern anbietet. Das ist schon toll. Aber dazu brauche ich nicht die Europäischen Wochen Passau. Ich muss also etwas Spezifisches, Besonderes finden, was unser Festival charakterisiert und weiterbringt.

Und wie sieht es mit anderen Genres aus? In Aldersbach haben Sie gerade Wagners „Rheingold“ herausgebracht.

Schauspiel soll es auch geben. Und in der Königsklasse Musiktheater muss man einfach schauen, welche Spielstätten sich anbieten. Hierfür braucht’s natürlich einen größeren Vorlauf. Ich möchte auch in Kontakt mit dem Landestheater Niederbayern treten, das in Passau eine Spielstätte hat. Das Ensemble bietet hier ja schon Festspiele auf der Veste Oberhaus mit Inszenierungen aus dem eigenen Repertoire. Ich persönlich finde das etwas zu klein gedacht. Vielleicht kann man gemeinsam an einer größeren Festspielproduktion basteln.

Die Europäischen Wochen sind traditionell grenzübergreifend. Wird das beibehalten?

Ich möchte eine größere Konzentration auf Passau. Ich stelle mir immer den Münchner vor, der hierher kommt. Der will doch vielleicht von Donnerstag bis Sonntag ein Wochenend-Paket haben – und nicht dafür noch mal 80 Kilometer herumfahren. Außerdem: Auf der anderen Inn-Seite liegt ja bereits Österreich. Schon im Umkreis von 15 Kilometern gibt es fantastische Spielstätten. Das könnte man alles bequem mit Shuttle-Bussen erledigen. Wir brauchen eine sinnvolle Logistik für die Besucher. Es gibt hier ein regionales Publikum, das an den Traditionsfestspielen festhält. Das ist wichtig. Ich würde unseren Wirkungsradius aber gern erweitern. Das größte Potenzial liegt im reisenden Kulturpublikum. Die Schubertiade Schwarzenberg im Bregenzerwald verkauft pro Jahr 10 000 Tickets nach München. Man muss den überregionalen Interessenten etwas in den Kopf hineinpflanzen. Vielleicht könnte Passau das kleinere, feinere, intimere Salzburg werden.

Muss man Niederbayer sein, um in Passau Erfolg zu haben?

Es hat sich so ergeben und ist sicher ein Vorteil. Es ist halt so meine Art. Ich bin mit mehreren Landräten und Bundestagsabgeordneten per du, verstehe mich auch gut mit dem Bezirkstagspräsidenten. Auch bis ins Kunstministerium hinein pflege ich sehr gute Kontakte. Man setzt sich in Bayern mal zusammen und bespricht etwas beim Bier. Da mag mancher gleich von Klüngel reden. Bei uns ist das aber eben eine Form der Kommunikation auf kurzen Wegen.

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