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Pathos-Pop in Trauerkleidung: Der Graf verabschiedet sich im September von der Bühne. 

Unheilig im Zenith

Schwarz-Weißes über Freundschaft und Freiheit

München - Noch lauter und düsterer: Der Graf von Unheilig macht auf seiner langen Abschiedstournee im Münchner Zenith Station. Die Konzertkritik:

Kurz vor Schluss spielt der Graf doch noch „Geboren um zu leben“ vom Erfolgsalbum „Große Freiheit“ - und zeigt durch die Emotionalität nochmals eindrücklich, warum er genau mit diesem Lied und dieser Platte 2010 vom Szene-Untergrund zur Masse durchstartete.

„Gipfelstürmer“ heißt sein aktuelles und letztes Album. Der „Gipfelsturm“ in München bleibt dem Grafen von Unheilig allerdings verwehrt. Eigentlich wollte er am Sonntagabend auf seiner langen Abschiedstournee den Königsplatz rocken. Doch bei nur 6000 Zuschauern reichte das Zenith. Locker. Nur die Luft ist deutlich schlechter.

Gleich drei Vorbands machen den Abend fast zu einem Festival. Punkt 20.15 Uhr kommt dann endlich der Graf, nach Knef-Einspielung, Countdown und Intro, wie immer im schwarz-weißen Trauer-Outfit gekleidet auf die Bühne gerannt: „Hinunter bis auf Eins“ singt er mit sonorer Stimme zwischen weißen Kerzen. Danach serviert er den typisch unheimlichen Unheilig-Konzertmix: Da sind zum einen seine dunkel und mit viel Pathos angehauchten Popschlager über Freundschaft und Freiheit wie „Unter deiner Flagge“ oder „So wie du warst“, angereichert mit genauso getragenen Videoeinspielungen. Doch von Knef bis Rammstein ist es gar nicht weit.

Wer den Grafen aus Radio und Fernsehen kennt, hat nur ein halbes Bild von ihm. Live ist er teils lauter und düsterer. „Eisenmann“ und „Feuerengel“ sind da nur zwei Beispiele, Headbangen ohne Haare inklusive. Doch irgendwie wirken diese Songs nicht mehr so wie vor 2010, wie vor der Zeit, als er noch nicht Duette mit Helene Fischer und Andreas Bourani sang. Fans, die schon 2008 im Backstage dabei waren, sind wohl nicht mehr im Zenith erschienen. Stimmung ist trotzdem im jetzigen Familien-Publikum. Heidi aus Sachsen freut sich, dass sie ihr auf die Bühne geworfenes Handtuch mit Schweiß vom Grafen zurückbekommt. Und dann covert er noch Knefs Rosen-Hit. Unheilig-Konzerte sind auch Kitsch, gewöhnungsbedürftig. Hat der Graf seinen Zenit überschritten? Im September in Köln soll für den Aachener endgültig Schluss sein. „Das war Unheilig – Dankeschön“, verabschiedet er sich und bekommt wie regelmäßig an diesem Abend ein letztes „Bitteschön“ aus der Menge zurück.

Marco Mach

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