Die wichtigste menschliche Beziehung

- "Mir ist völlig klar, dass die Freundschaft mit Dir die wichtigste menschliche Beziehung ist, die ich habe, und das soll sie auch bleiben. Ich habe immer an Dich geglaubt, und an Dich werde ich glauben bis ans Ende meines Lebens." So die junge österreichische Dichterin Ingeborg Bachmann an den aufstrebenden deutschen Komponisten Hans Werner Henze. 1952 lernten sie sich in Göttingen bei einem Treffen der Gruppe 47 kennen. Von ihren Charakteren extrem verschieden, entdeckten sie, beide Jahrgang 1926, jedoch schnell ihre Seelenverwandtschaft und entwickelten eine tiefe, außergewöhnliche Freundschaft. Daraus entstand ein Jahr später ein leidenschaftlicher Briefwechsel.

<P>Erstmals ist er jetzt, wenngleich unvollständig, veröffentlicht worden. Intime Briefe, die erschütternde Einblicke in das Leben der empfindsamen und zerrissenen Persönlichkeit der Bachmann geben und die die unterschiedliche Kompensation persönlicher Lebensprobleme durch künstlerische Arbeit im Nachkriegsdeutschland dokumentieren. Bachmann und Henze trugen an der Last, aus Familien mit nationalsozialistischer Vergangenheit zu stammen. Der damals schon international erfolgreiche Henze war vom Glauben an ihrer beider Genie überzeugt und bewunderte die Bachmann. Er war ihr bei ihren Abstürzen und unerfüllten Liebesbeziehungen zu Paul Celan (der im Briefwechsel nicht erwähnt wird) und nach der Trennung von Max Frisch fürsorglicher Seelentröster, mahnte sie als Ablenkung mit Nachdruck zur Arbeit, ließ sie beispielsweise das Libretto zur Oper "Der junge Lord" schreiben. Sie verfasste viele Libretti für Henze, darunter die Textfassung zu seiner Ballettpantomime "Der Idiot", ihre zweite Buchveröffentlichung überhaupt. <BR><BR>Zeitweilig wohnten sie in Neapel zusammen. Zweimal trug Henze ihr gar selbst die Ehe an. Vertrauen und Humor waren Grundlage dieser Freundschaft, obwohl der Kontakt später, als beide nicht weit voneinander in Italien lebten, sporadischer wurde. Doch die Freundschaft, die auch für Hans Werner Henze, der die Probleme als Homosexueller in den 50er-Jahren verarbeiten musste, wichtig war, blieb bis zum Tod Ingeborg Bachmanns im Oktober 1973 bestehen. </P><P>"Ingeborg Bachmann/ Hans Werner Henze: Briefe einer Freundschaft". <BR>Hrsg. von Hans Höller mit einem Vorwort von Hans Werner Henze. Piper Verlag, München, 538 Seiten; 24,90 EuroEuro.</P>

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