+
Aber bitte mit Konfetti: Farbenprächtiges Finale des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker im Großen Saal des Musikvereins.

Neujahrskonzert der Philharmoniker

Wien grüßt die Welt

Wien - Rund 50 Millionen Menschen haben im Fernsehen das Neujahrskonzert der Philharmoniker unter Zubin Mehta verfolgt.

Heiter und übermütig, mit weichen Untertönen: Die Wiener Philharmoniker haben mit ihrem traditionellen Neujahrskonzert das neue Jahr eingeleitet. Umrahmt von einem Blumenmeer dirigierte Zubin Mehta das populäre Musikereignis souverän und bereits zum fünften Mal. Das Programm dominierten dabei wie gewohnt Walzer und Polkas der Strauß-Komponistendynastie. Doch Mehta setzte auch eigene Schwerpunkte bei diesem Konzert, das in Deutschland vom ZDF übertragen wurde.

Etwa 30 000 Blüten in Gelb, Rot und Rosa tauchten den prunkvollen Großen Saal des Wiener Musikvereins in ein Farbenmeer. Die Auswahl sollte an Mehtas indische Herkunft erinnern; der Dirigent wurde 1936 in Mumbai geboren. Auch beim Auftakt mit der Ouvertüre aus dem Lustspiel „Ein Morgen, ein Mittag, ein Abend in Wien“ von Franz von Suppé standen für Mehta Facetten seines eigenen Lebens auf dem Programm. Der Maestro war 1954 in die österreichische Hauptstadt gekommen. Seine Ausbildung erhielt er an der Musikakademie Wien. Im Jahr 1961 stand er zum ersten Mal am Pult der Philharmoniker. Deren Neujahrskonzerte leitete er bereits in den Jahren 1990, 1995, 1998 und 2007. „Ich musiziere hier mit Freunden. Das ist keine normale Orchester-Dirigent-Beziehung“, hatte der 78-Jährige bereits vor der Aufführung gesagt. Und: „Den Stil der Musik muss ich hier in Wien nicht erklären.“

Uneitel, doch mit großer Explosivität führte Mehta das Ensemble. Neben den vier Mitgliedern der Strauß-Familie – Johann (Vater), Johann (Sohn), Josef und Eduard – sowie Suppé wurde auch dem „Strauß des Nordens“, Hans Christian Lumbye, Platz eingeräumt. Bei dessen „Champagner-Galopp“ verteilte der Dirigent Champagnerkelche ans Orchester, die Musiker sangen lauthals.

Im Programm waren heuer fünf Kompositionen, die bislang nie bei Neujahrskonzerten präsentiert wurden. In Anspielung auf das 650-jährige Bestehen der Universität Wien und das 200-jährige der Technischen Universität spielten die Musiker die „Studenten-Polka“ und die „Elektro-magnetische Polka“ von Johann Strauß (Sohn). Der Choreograf Davide Bombana wählte für seine bereits im September aufgezeichneten Balletteinlagen ebenfalls die Uni als Kulisse. Solisten des Wiener Staatsballetts tanzten hier zur „Studentenpolka“ und zum Walzer „Wein, Weib und Gesang“.

Als Gruß aus der multikulturellen Stadt Wien hatte Andreas Großbauer, neues Mitglied im Orchestervorstand, dieses Konzert vor der Aufführung bezeichnet. Etwa 50 Millionen Menschen in rund 90 Ländern verfolgten es am Fernsehbildschirm. Erstmals wurde es auch auf den Bahamas gezeigt. 14 Kameras übertrugen die 75. Auflage des Konzerts. Den Schlusspunkt bildete der „Donauwalzer“, dessen eigentlicher Titel „An der schönen blauen Donau“ lautet. Beim „Radetzky-Marsch“ dirigierte Mehta schließlich das klatschende Publikum mit – nach Zuschauerrängen getrennt. 2016 soll Mariss Jansons, Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters, das Neujahrskonzert leiten.

Slkimos Sartoros

Zubin Mehta/ Wiener Philharmoniker: „Neujahrskonzert 2015“

(Sony). Die Aufnahme erscheint am 9. Januar als CD. Als DVD oder Blu-ray kommt der Mitschnitt am 30. Januar in den Handel. 3sat zeigt eine Wiederholung des Konzerts morgen um 20.15 Uhr.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Ich nenne sie immer Doc“

In der Münchner Opernfestspiel-Premiere von "La Juive" stehen Roberto Alagna und seine Frau Aleksandra Kurzak gemeinsam auf der Bühne
„Ich nenne sie immer Doc“

"The Floating Piers": Das große Ohhh auf den Wellen

Aktionskünstler Christo lässt auf dem italienischen Iseo-See die Menschen übers Wasser gehen - und die nutzen das zu Tausenden. Ein Kunstwerk, das in die Ewigkeit …
"The Floating Piers": Das große Ohhh auf den Wellen

"Tage der Dunkelheit": Mord als Familiensache

Premiere des Indien-Dramas "Tage der Dunkelheit" am Münchner Volkstheater.
"Tage der Dunkelheit": Mord als Familiensache

Schwarz-Weißes über Freundschaft und Freiheit

München - Noch lauter und düsterer: Der Graf von Unheilig macht auf seiner langen Abschiedstournee im Münchner Zenith Station. Die Konzertkritik:
Schwarz-Weißes über Freundschaft und Freiheit

Kommentare